“ fiel der Hofrath ein , ohne seine Förmlichkeit fahren zu lassen . „ Unser allergnädigster Souverain hat verziehen . “ „ Ja , und damit ist das Vergangene vollständig ausgeglichen , “ sagte Max mit Beziehung . „ Was meinen Vater betrifft , so wird er allerdings nicht von der Erlaubniß Gebrauch machen , in seinem Vaterlande zu bleiben . “ „ Nicht ? “ fragte Moser sichtlich erleichtert . Der Gedanke , daß er dem ehemaligen Hochverräther freundschaftlich die Hand gedrückt hatte , lastete noch immer auf seinem Gewissen . „ Nein , er kehrt nach der Schweiz zurück , die ihm wie mir eine zweite Heimath geworden ist , “ erklärte der junge Arzt . „ Wir werden auch künftig dort leben . Zuvor aber drängt es mich , Ihnen nochmals meinen Dank auszusprechen für Alles , was ich in Ihrem Hause Gutes empfangen habe . Ich werde es nie vergessen . “ Der Hofrath neigte zustimmend das Haupt ; er fand diesen Dank ganz in der Ordnung . „ Sie kommen also , um Abschied zu nehmen ? “ fragte er . „ Ich freue mich aufrichtig , Sie wieder so völlig kräftig und lebensfrisch zu sehen , und auch meine Tochter wird erfreut sein , wenn ich es ihr mittheile . “ Diese Mittheilung war nun gerade nicht nöthig , denn Agnes wußte sehr genau , wie es mit ihrem früheren Patienten stand . Seit er das Haus ihres Vaters verlassen hatte , sah sie ihn regelmäßig bei ihrem beiderseitige Schützlinge , der Frau des Copisten . Diese war zwar vollständig wieder hergestellt und bedurfte weder des ärztlichen Beistandes noch des geistlichen Trostes mehr , aber Arzt und Trösterin setzten mit rührender Ausdauer ihre Besuche fort . „ Dem Fräulein , “ entgegnete Max , „ bin ich noch ganz besonderen Dank schuldig . Sie allein – ihre ausopfernde Pflege hat mich dem Leben zurückgegeben , und Sie gestatten es daher wohl , daß ich in Bezug aus Fräulein Agnes noch eine Bitte aussprechen . “ Moser nickte zum zweiten Male ; er war geneigt die Bitte zu gewähren , die jedenfalls auf die Erlaubniß hinausging , sich auch von Agnes verabschieden zu dürfen . Aber Max erhob sich und sagte ohne alle Ceremonie : „ Ich bitte um die Hand Ihrer Tochter . “ Der Hofrath , der eben im Begriff war , zum dritten Male zu nicken , hielt inne und saß mit offenem Munde da . Im ersten Augenblicke faßte er überhaupt nicht , wovon die Rede war , dann erhob er sich gleichfalls , aber nicht stürmisch , sondern langsam , feierlich . Die lange Gestalt wuchs immer höher aus dem Lehnstuhle empor , wurde immer länger und unheimlicher , bis sie endlich in ihrer vollen Größe dastand und über die hohe weiße Halsbinde hinweg vernichtend auf den jungen Arzt herniederschaute , der jedoch dadurch nicht im Mindesten aus der Fassung gebracht wurde . „ Ich – ich hörte wohl nicht recht ? “ sagte der alte Herr endlich . „ Sie meinten – ? “ „ Ich halte um die Hand Ihrer Tochter an , “ versetzte Max mit Seelenruhe . „ Sind Sie von Sinnen ? “ fragte Moser , noch immer erstarrt , denn wenn ihm auch das Unglaubliche wiederholt wurde – begreifen konnte er es nicht . [ 514 ] „ Durchaus nicht , ich befinde mich in vollkommen normalem Zustande , “ versicherte Max , und fuhr dann in einem Zuge zu reden fort , ohne seinen Zuhörer zur Besinnung kommen zu lassen : „ Was nun meinen Antrag betrifft , so gründet er sich auf die innigste gegenseitige Zuneigung . Die Einwilligung Ihrer Tochter habe ich bereits . Agnes hat mir Herz und Hand gegeben , natürlich unter Vorbehalt Ihrer Zustimmung . Ich bitte hiermit darum und gebe mich der frohen Hoffnung hin , daß es mir vergönnt wird , den Vater meiner Braut auch als den meinigen umarmen zu dürfen . Also , mein theurer Schwiegervater – “ Er ging mit ausgebreitete Armen auf den Hofrath zu , aber dieser rettete sich durch einen Sprung vor der beabsichtigten Umarmung . Das schreckliche Wort „ Schwiegervater “ riß ihn aus seiner Erstarrung . Mit einer bloßen Ueberrumpelung war der alte Bureaukrat denn doch nicht zu erobern . „ Sie sprechen in vollem Ernste von einer Heirath ? “ rief er . „ Von einer Heirath mit meiner Tochter , deren Bestimmung für das Kloster Sie doch kennen ? Und das wagen Sie , der Sohn eines Staatsverbrechers – – eines Staatsverräthers ? “ „ Mein Gott , ich suche ja keine Staatsanstellung , sondern eine Frau , “ vertheidigte sich der junge Arzt . „ Ich begreife wirklich nicht , weshalb Sie sich über meinen Antrag so entsetzen . “ „ Das fragen Sie noch ? Ihr Vater hat die Regierung umstürzen wollen . “ „ Nun , ich habe nicht dabei geholfen , und das wäre auch nicht gut möglich gewesen , da ich damals soeben erst das vierte Lebensjahr erreicht hatte . Uebrigens sind das alte , längst vergessene Geschichten ; mein Vater ist anmestirt worden . “ „ Revolutionär bleibt Revolutionär ! “ erklärte der Hofrath mit Nachdruck . „ Die Amnestie kann wohl die Strafe abwenden , aber sie kann niemals die Vergangenheit auslöschen . “ Max nahm eine entrüstete Miene an . „ Wie , Herr Hofrath – das muß ich von Ihnen hören ? Sie , der sich stets rühmte , der loyalste Unterthan seines Souverains zu sein , Sie weigern sich jetzt , dessen Beschlüsse anzuerkennen ? Der allergnädigste Souverain hat verziehen , sagen Sie selbst ; er will , daß das Vergangene vergessen und ausgelöscht sein soll . Sie wollen das nicht , Sie erlauben sich einen Eingriff in die allerhöchsten Entschließungen , eine Auflehnung gegen die Autorität des Landesherrn . Das ist Opposition , Rebellion mit einem Worte – Hochverrath . “ Diese wunderbare Beweisführung wurde