das wir einer verbrannten Mücke weihen , auf ihn nieder . Sie hatte , wenn es gegangen wäre , den Fuß gehoben und ihn aus Erbarmen tot getreten , wie man es tut , um die Leiden solch eines armen Tieres abzukürzen , doch da dies eben hier unmöglich war und sie den kleinen Mann überdies noch brauchte , richtete sie ihn gnädig auf und setzte ihn wieder neben sich auf die Polster . „ Sie sollen auch nicht leer ausgehen , Bester , ich habe Ihnen schon einmal gesagt , daß ich Sie zum reichen Mann machen will . Wenn Sie mir diesen Möllner zu ­ führen , wird Ihnen mein Banquier , so lang ich lebe — “ „ Gräfin “ , rief Herbert außer sich , „ gehen Sie in Ihrer Verachtung nicht zu weit ! Ich bin tief gesunken , daß ich markte und feilsche und Ihnen meine Hilfe in dieser Sache verkaufe um einen Kuß . Auf einer einzigen Liebkosung von Ihnen steht mein Leben , denn ich verdurste nach diesen Lippen — sie zu berühren , ist der Gedanke , was sage ich , der Wahnsinn , der mich Nachts aus dem Schlafe peitscht , der mich bei Tage im Kolleg mitten in meinem Vortrag stocken läßt , der mir den Hals zuschnürt , wenn ich den Bissen , der mich nähren soll , genießen will . — Ein einziger Kuß von Ihnen ist mehr Seligkeit als solch ein armer ‚ Wicht ‘ , wie ich beanspruchen darf , — aber so tief bin ich nicht gesunken , daß ich mich bezahlen ließe wie einen Kuppler und wenn Sie mich auch sehr gering schätzen , so sollten Sie wenigstens den Stand des deutschen Gelehrten höher achten , welchem ich die Ehre habe anzugehören . “ Die Gräfin schwieg ein wenig , betroffen über diese Lektion . Doch dauert eine solche Verlegenheit nur einen Moment bei einer Frau , die sich der Macht bewußt ist , die tiefste Beleidigung durch ein Lächeln wieder gut zu machen . „ Kommen Sie her ! Vergeben Sie mir ! Ich habe gefehlt , aber ich bereue . “ „ O Göttin meines Lebens “ , rief Herbert und ergriff ihre dargebotene Hand , sie inbrünstig an seine Brust drückend . „ Vergeben — Ihnen vergeben ! Mit wie vielen Schmerzen und Wunden wollte ich mir wieder und wieder die Wonne einer solchen Abbitte erkaufen . Das Einzige , was ich Ihnen nicht verzeihe , ist , daß ein Weib , wie Sie , gerade diesen Möll ­ ner liebt ! “ „ Wirklich ? Und warum ? “ „ Weil ich ihn Ihrer nicht würdig finde . O , sehen Sie , wenn Sie sich einem Könige oder Kaiser dahingäben , ich würde es ertragen ohne Murren . Die gekrönten Häupter besitzen stets das Kostbarste , was die Erde hat — wie könnte ich fordern , was nur Könige zu erwerben vermögen ! Aber daß es Einer meinesgleichen ist , der Sie besitzen soll , Einer , der kein Vorrecht der Geburt , der Bildung , des Gei ­ stes , nichts , nichts vor mir voraus hat , als eine Mannheit , die er mit jedem Tierbändiger teilt — das wird mich noch wahnsinnig machen ! “ Eine dunkle Röte überzog die Stirn der schönen Frau . „ Ich habe mir selbst keine Rechenschaft darüber gegeben , warum ich diesen Möllner liebe , — ich gebe mir nie Rechenschaft über meine Empfindungen , wenn sie zur Leidenschaft werden , denn jede Leidenschaft trägt ihre göttliche Beglaubigung in sich . Sie aber bringen mich jetzt erst darauf , was mich denn eigentlich an diesem Möllner so entzückte und Sie sprechen es aus . Ja ! es ist nichts Anderes , als das Höchste , was wir an einem Menschen bewundern können : edle , echte Männlichkeit . Mich dünkt , in einem Dichter gelesen zu haben : ‚ Nehmt Alles nur in Allem , er war ein Mann ! ‘ 52 Dieser aber ist noch mehr und zwar , was mir in meinem ganzen Leben noch nicht begegnete , er ist ein tugendhafter Mann . Dies , mein guter , kleiner Professor , ist sein Reiz und sein Vorzug , ist der Reichtum , den kein Monarch vor ihm voraus hat , um zu erkaufen , was diesem Möllner von nun an gehört : mein Herz ! — O es kann keine köstlichere Blume im Garten des Paradieses gegeben haben , als die Tugend dieses reinen Gottesmenschen , die ich hier zu pflücken hoffe . Es ist die Wonne der Eva , als sie den ersten Kuß auf die Lippen des ersten Menschen drückte und ihn zum erstenmale erröten sah ! “ Die schöne , glühende Frau , mehr zu sich selbst , als zu dem armen Gefolterten an ihrer Seite sprechend , legte sich in das Sofa zurück und rief mit einem schwellenden Atemzuge : „ O welch ein göttliches Amt für ein Weib , einen Mann wie diesen zu lehren , was Glückseligkeit ist ! “ Herbert dachte einen Augenblick nach . Er hatte in dieser Sache falsches Spiel gespielt und in der stillen Hoffnung , Johannes für seine Schwester zu gewinnen , bei diesem nie etwas zu Gunsten der schönen Frau getan . Er hatte sie mit falschen Berichten hingehalten , getäuscht , um so lange wie möglich als ihr Vertrauter in ihrer Nähe zu bleiben und sich an den Abfällen ihres Interesses für seinen Kollegen zu laben . Jetzt war Alles zusammengestürzt , was er gehofft und gewünscht . Möllner liebte diese Hartwich , für Elsa war er verloren , so wollte er sich wenigstens durch die Gräfin an der verhaßten Nebenbuhlerin seiner Schwester rächen ; der siegreiche Reiz der Worronska sollte ihr Möllner entreißen und ihm das Einzige sichern , was in diesem Schiffbruch zu retten war : den Dank der Gräfin . Endlich begann er nach schwerem Kampfe : „ Ich muß