das die allergrößte Liebe ist ? « Als im Spätherbst Carlo und Maud Savelli nach Hochseß kamen - sie hatten gleich nach ihrer Hochzeit die Saison in Deauville mitgemacht und waren dann in Paris geblieben - beschlich ihn ein leises Gefühl von Neid . Sie waren ein Liebespaar . Maud unterstrich mit allen Mitteln der Koketterie diesen Eindruck . » Gräßlich , verheiratet zu sein , « rief sie gleich am Abend ihrer Ankunft und schüttelte sich , » nichts hat mehr den entzückenden Reiz des Unerlaubten ! Wenigstens hab ' ich es so weit gebracht , daß man mich überall für seine Mätresse hält . « Dabei schaukelte sie auf Carlos Schoß , der sie lachend in die Wange kniff . » Die Perfektion , mit der sie ihre Rolle spielt , « sagte er , » ist so groß , daß ein verrückter Amerikaner tatsächlich meine Erlaubnis einholen wollte , um sie - werben zu dürfen . « » Macheart doch nicht etwa ? « frug Konrad überrascht . » Ach richtig ! « sagte Carlo gedehnt und zwinkerte lustig mit den Augen ; » ihr kennt euch ja ! « Inzwischen zog Maud die Schwägerin in eine Ecke . » Schon jetzt , du Arme ? « - ein bedeutungsvoller , erstaunt mitleidiger Blick ruhte bei der Frage auf Norinas Gestalt - . » Konrad hätte sich wirklich in acht nehmen können ! « Norinas Freude über ihre Hoffnung verblüffte sie förmlich . » Übrigens , « flüsterte indessen Carlo Konrad zu , » die Leonie Doris läßt dich grüßen . Ein Prachtweib , sag ' ich dir . Aber nicht zu bezahlen . Nur darum mußte Macheart sie abtreten . Irgendeinem Großfürsten , erzählt man sich . « Leonie ! War ' s nicht die Geschichte eines anderen , an die ihn dieser Name erinnerte ? Er sah nur Norina . » Denke dir , Carlo , « hob das Vogelstimmchen Mauds wieder zu zwitschern an , » sie wollten das Kind ! ! Na , chaqu ' un à son goût ! Wir gönnen uns den notwendigen Stammhalter erst , wenn wir aufgehört haben werden , ineinander verliebt zu sein . Ihr macht ' s umgekehrt , was ? Bei euch soll der Rausch der Liebe nachher kommen ? ! Dann denk ' ich mir freilich ein Kind als Zeugen und Anhängsel äußerst unangenehm ! « Norina schwieg hartnäckig . Als sie sich getrennt hatten , sagte sie zu Konrad : » Du siehst , wie weltenfremd wir einander sind . Mir käm ' s wie Entweihung vor , mit ihr von meiner Liebe zu reden . « Konrad zog sie in die Arme : » Liebst du mich denn , Norina ? « All seine brennende Sehnsucht lag in seiner Frage . » Wäre ich sonst dein Weib ? « antwortete sie weich , dem Druck seiner Arme nachgebend - . Am nächsten Morgen , als sie erwachte , schien die helle Sonne auf das Antlitz des schlafenden Mannes neben ihr . Wie vergrämt es aussah ! Wie tief die Falte zwischen seinen Brauen stand ! Sie erschrak so sehr , daß ihr Herz wild zu pochen begann . Hatte sie ihm wehgetan ? Ihr blasses Gesicht überzog sich mit dunklem Rot . War sie ihm irgend etwas schuldig geblieben ? Was hatte Maud gesagt ? - Der Liebesrausch , der vor dem Kinde kommt , oder nach ihm kommen muß ! Auch sie hatte einmal Träume gehabt - heiße Träume , als sie noch ein kleines Mädchen gewesen war ! Und hatte sich dann dem ersten Manne vermählt , ganz gleichgültig . Darum war wohl auch das Kind in ihrem Leibe gestorben ! Aber dieses Kind würde leben - leben ! » Denn ich liebe ihn , « sagte sie unwillkürlich laut , als müsse sie es vor sich selbst bekräftigen . Die ganze Zeit , die sie einander kannten , erwachte vor ihr : wie ein sonnenheller Frühlingstag war sie . » Wie ein Frühlingstag - « wiederholte sie langsam , vor sich hinstarrend . Kein Sommer ! Und ihre Liebe , die Frucht tragende Liebe , war sie nicht eine wilde Rose mit ihren fünf kleinen Blättchen , den blassen , leicht zerflatternden ; der Liebesrausch aber , den sie nicht kannte , den er ersehnte - sie wußte es plötzlich , als hätte er es selbst gesagt - , war er jene wundervolle gefüllte Gartenrose , die um ihrer Schönheit willen keine Früchte tragen darf ? ! » So hab ' ich ihn nicht genug geliebt ? ! « schrie es auf in ihrem Herzen ; » gib mir ein Zeichen , ein einziges Zeichen deiner Gnade , heilige Mutter Gottes ! « Da hüpfte das Kind in ihrem Leibe , ganz deutlich , zum erstenmal . Mit einem seligen Lächeln sank sie wieder in die Kissen zurück , den Kopf an Konrads Schulter , und schlief ein . Am nächsten Tage - sie trug ein Kleid aus dunkelgrüner Seide , das in tiefen Falten an ihr niederfiel , nur mit einem Kragen alter Spitzen geschmückt - war sie so schön , daß selbst Maud , die sonst viel zu sehr mit sich beschäftigt war , um für den Reiz anderer Frauen einen Blick übrig zu haben , in hellstes Entzücken geriet . » So , gerade so müßtest du dich malen lassen , « rief sie aus ; » alle Frauen würden bersten vor Neid angesichts eines solchen Bildes ! Strahlst du doch wie verklärt zu einer Zeit , wo sie samt und sonders scheußlich sind ! « » Und wir hätten auch schon den rechten Maler für dich , « warf Carlo ein . » Vittorio Tenda ! « Norina sah verwundert auf : » Vittorio Tenda lebt ? ! « Carlo nickte lächelnd : » Vittorio Tenda - ja ! Er lebt nicht nur , er ist sogar ein Maler geworden ! Wie wär ' s ,