reißt ihn zu Boden - » Narr ! Bleib liegen ! « - und über den Blutenden geht das wüste Gedräng der Kämpfer hinüber . Auf allen vieren fängt Marimpfel zu kriechen an , gewinnt den Waldsaum , reißt einen von den angepflöckten Gäulen los und klettert mühsam in den Sattel des scheuenden Tieres . Ein letzter , wilder Kampf um Hof und Torhalle der Feste . Wieder sucht Runotter . Und findet . Jetzt fährt ihm auch kein Bidenhänder vor die dreschende Klinge hin . Unter dem lallenden Todesschrei » Herr Jesus ! « bricht der Gadnische Vogt wie eine klirrende Eisensäule unter den Streichen des Bauern zusammen . Ein wirres , jubelndes Geschrei . Das Tor ist genommen . Die Brücke fällt . Durch die Torhalle drängen Herzog Heinrichs Harnischer . Der alte Hauptmann des Hallturms , Herr Armansperger , wird vom Gaul gerissen und gefangen . Mit drängendem . Gewirre - halb noch Kampf , doch halb schon eine schauerliche Posse - beginnt die Flucht der Überwundenen , umschleiert von wehenden Nebelfetzen , umwirbelt vom Qualm der brennenden Gebäude . Die Sieger sind verwandelt in gierige Sackmacher . Hundert Stimmen schreien ? » Die Gaul ! Die Gaul ! « Rennende Troßknechte . Ein Gewühl von Rossen , die man vom Aschenfeld hereinbringt durch die mit Leichen und Verwundeten gepflasterte Torhalle . Hinter den Flüchtenden geht ein grausames Jagen und Hetzen her . Und der schlanke Bub , ohne Eisenhut , mit blutbespritzter Kettenhaube , den Küraß und die Schienen von Schmutz und Asche umkrustet , rennt und schreit , findet den Falben , zerrt sich in den Sattel , taumelt auf dem Gaule , den er hetzt und mit schmeichelnden Lauten kost - und hinter dem Buben schreien zwei Erschrockene in Sorge : » Jul ! Jul ! Jul ! « - Vor der Seele des gequälten Menschenkindes , das in dunkler Nacht unter ersticktem Schluchzen das Gesicht in die Kissen wühlte , erlöschen die Bilder . Alles Geschehene wird ein Wirres und Unbegreifliches , ein Schauder und Grauen , wird eine müde Dumpfheit ohne Sinn und Willen , wird zur Marter einer hilflosen und verstörten Sehnsucht . Um das kleine , vergitterte Altanenfenster dämmert das Erwachen des Tages . Und irgendwo ist ein leises , ruheloses und wunderliches Tönen . Das klingt , wie wenn ein Schnitter seine Sense dengelt - und klingt , als wär ' s der hastige Schlag eines stählernen Herzens gegen eine Brust von Eisen . Zweites Buch 1 Die erste Stimme des jungen Morgens , der zu Berchtesgaden erwachen wollte , war ein dünnes Pochen und Klingen , das sich flink und ruhelos wiederholte . Im Flur des Someinerschen Hauses saß Malimmes rittlings auf einer Holzbank und klopfte mit dem Hammer an des Buben Küraß die Dullen aus . Auch von den Nachbarhäusern war das gleiche Hämmern und Pochen zu hören . Gepanzerte Wachen klirrten auf der Straße vorüber ; Gäule wurden hin und her geführt ; verstörte Weibsbilder huschten vorbei ; und von irgendwo hörte man den johlenden Gesang bezechter Kriegsleute . Malimmes hob das Eisenzeug auf den Arm und ging zur Amtsstube . Die zwei Knechte waren schon im Stall ; Runotter schlief noch und lag auf dem Heu wie ein regungsloser Klotz . Um Ruhe zu finden , hatte dieser sonst so Mäßige am verwichenen Abend schwer gebechert , bis spät in die Nacht hinein . Der Soldknecht beugte sich nieder und rüttelte den Schlafenden am Arm . Runotter hob den Kopf ; sein stumpfer Blick ging langsam über die hellen Fenster hin . » Herr « , sagte Malimmes , » der Morgen ist da . « Dann stieg er die zwei Treppen hinauf , stellte die blanken Wehrstücke des Buben auf den Boden hin und ließ das Eisen ein bißchen klirren . Er lauschte . In dem weißen Stübchen da drinnen blieb es still . Als Malimmes wieder hinunterstieg , begegnete ihm die Amtmännin , die verschüchtert die böse Narbe des Söldners anstarrte . Sie schien diesen schreckhaft aussehenden Kerl , obwohl er lachte , nicht unter die guten Seelen zu rechnen . Er sagte : » Frau ! Für den Buben da droben müsset Ihr was tun ! « Frau Marianne nickte gleich . » Er hat bei der Hallturmer Mauer das Helmdach verloren . Jetzt braucht er ein neues Eisenhütl . « Die Amtmännin stammelte : » Ach , Mensch , da weiß ich aber nicht - « » Geh , Frau ! Ihr habt doch einen ausgewachsenen Sohn . « Schweigend ging Frau Marianne davon . Und sie hatte nasse Augen , als sie einen zierlichen Stahlhelm mit grauem Reiherbusch aus der Stube brachte . Malimmes lachte . » Gelt ? Wenn man will , geht alles . Jetzt tragt ihm das Hütl aber auch selber hinauf ! Mit einem rechtschaffenen Frühmahl ! « Er nickte der Amtmännin lustig zu . Drunten im Hofe fand er den Runotter , der sich am Brunnen wusch . » Recht so , Herr ! Kalt Wasser ist gut . Des Weins , mein ' ich , ist dir gestern ein Kitzel zu viel worden ? Nit ? « » Ich hab schlafen können . « Runotter richtete sich auf . Seine nassen , völlig ergrauten Haare tropften , und dünne Glitzerfäden liefen ihm über das müde Gesicht . » Jetzt bin ich wieder nüchtern . Und da ist mir allweil eine Frag im Hirn . « » Was für eine ? « Mit schwerer Trauer in den Augen sah Runotter den Söldner an . » Was besser ist : Unrecht leiden oder Unrecht tun ? « » Herr ! Da ist eins so dumm wie das ander . Der richtige Weg geht zwischendurch . « » Den finden bloß die Glückhaften . « » Nit wahr ist ' s. Man muß halt suchen . Aber komm ! Eins nach dem andern . Jetzt essen wir zuerst die Supp . « Als sie bei der Schüssel