Die Pfaffen hätten einen Anschlag auf Herzog Wallenstein gemacht und ihn mit Gifte vergeben wollen . Der Herzog bedeute nicht bloß des Reiches , sondern zugleich des Kaisers Rettung und müsse zu diesem Ende seine Macht ohne jede Schmälerung gebrauchen . Er sei auch solchem vaterländischen Werke trotz aller Gegenminen immer noch geneigt , wofern die Obersten ihm Treue schwüren , seine Person und die Armada zu konservieren . » Der das nit tuet , soll vertilgt werden « , ruft Herzog Julius Heinrich . Und wie der hitzige Losy alle Obersten , so nicht mitmachen mögen , vor Hundsnasen ausschreiet , antwortet ihm einer aufbrausend , er verdiene , für dies Wort zum Fenster hinausgeworfen zu werden . Der Kroat Isolano sucht den Tumult mit gezogenem Degen zu stillen und vermehrt ihn nur . Piccolomini gerät mit Tercky in Wortwechsel , heißet ihn einen traditore , heuchelt indessen Trunkenheit und hüpft lachend mit Isolano umher , worauf sich Tercky beschwichtigen läßt . Inzwischen wird ein zu Papier gebrachter Schluß zur Unterzeichnung aufgelegt , der die Offiziere an Stelle eines körperlichen Eides verpflichtet , zum Friedländischen Herzog ohne Absonderung zu halten , wohingegen dieser beim Heer bleiben solle . Die Unterschriften wurden der Reihe nach geleistet ; auf den Herzog Julius Heinrich und den Feldmarschall Ilow folgte Herr Schaffgotsch . Manche unterzeichneten rasch , andere unter Bedenken und dissimilando . Etliche , die nicht ganz eingeweiht waren oder so taten , schrien in das Stimmengewirr : » Déchirez la lettre ! Wascherei ! Pochen wir ' s dem Kaiser ab ! « Es war eine volle Mette , und viele mögen sich nach so starkem Trunke kaum entsonnen haben , was alles getan und geredet worden . Doch mitnichten übergangen hat ' s der Wiener Hof , der seine Lauscher und Späher halt mitten unter Wallensteins Vertrauten hat . Für Meuterei schreien die Spaniolen den Pilsener Schluß aus , und der Parteien Feldgeschrei lautet : Hie Ferdinandus - hie Wallenstein ! « - » Ja , « rief ich aus , » Wallenstein ist der Mann , unser armes Vaterland zu retten . Wenn ' s doch wahr wäre , daß er die böhmische Krone erstrebt ! Ich wünschte ihm gar des Reiches Krone . Er würde die Fürsten und Pfaffen bändigen , den Welschen heimleuchten und den teutschen Stämmen nach dem schändlichen Bruderzwiste Ruhe und Erholung gönnen . Auf der Grundlage eines Toleranzfriedens ! Doch freilich , Gott sei ' s geklagt , der Pfaff will keine Toleranz , die Soldateska keinen Frieden , und der Kaiser ist diesen Fressern unserer Landeskraft zu Willen . Donner und Hagel ! So zwinge doch Wallenstein seinen patriotischen Willen dem Ferdinando auf ! « » Der Trompeterhans ! « rief auf einmal einer der Junker , so am Fenster gesessen war , und stürmte zur Stube hinaus . Pferdetrappen nahte , und durchs Fenster spähend , sagte der Rentmeister : » Wahrlich , der Trompeterhans - er bringt Botschaft von Wallenstein . « Wir eilten vor die Tür , und da stieg ein Reiter ab , ein junger Gesell mit sprossendem Bart , in rotem Wams , bewaffnet . Kurz und leicht war er , doch sehnig , behend , feurigen Auges . » Was bringst du ? « rief der Rentmeister . Ein düsterer Blick war die Antwort , und wir errieten , daß es eine Hiobspost sei . Der Trompeterhans grüßte die jungen Schaffgotsche und den Rentschreiber , atmete tief und brachte heraus : » Wallenstein ist hin - gemeuchelt haben ihn die Kaiserischen ! « Nach dieser grauenvollen Mär war mir zuerst , als narre mich ein böser Traum . Wallenstein ermordet ? Unsere große Hoffnung mit einem Schlage vernichtet ? Wie denn ? Der reichste Fürst , der gewaltigste Söldnerführer , von dem alles zitterte , der Kriegsgott , der des Vaterlandes Schicksal in Händen hielt , er sollte auf einmal hin sein ? Und gar gemeuchelt ? Wir waren bleich und rangen nach Odem . Es quälte mich , daß die Sonne schien und eine Lerche trillerte . Wir gingen langsam in die Balkenstube . Der Trompeterhans nahm den dargereichten Trunk , setzte sich zum Herd und kam mit dem Bericht heraus : » Nahe bei Pilsen , in einer Dorfschenke , vernehm ich , der Wallenstein sei zween Tage zuvor nach Eger aufgebrochen , wo er sicherer sei und näher den Schweden , denen er sich nun gänzlich in die Arme werfen wolle ... « - » Den Schweden ? « unterbrach der Rentmeister bestürzt . » Ja , dem Feinde ! « antwortete der Trompeterhans . » Vom Kaiser geächtet , wollte er halt sein Leben retten . « - » Er hatte doch den Wall seiner Regimenter um sich ! « - » Keinen Wall ! Verlassen hatten ihn sein falscher Freund Piccolomini , Diodati und mehrere Regimenter . Nur noch fünf Kompagnien hielten zu Wallenstein . Nicht mehr stolz zu Rosse kommandierte er seine Völker . In einer alten Sänfte , von Pferden getragen , barg er den siechen , von Schmerz zerwühlten Leib , und einer Flucht glich dieser Zug . Nur wenige Getreue umgaben den Herzog , seine Schwäher Ilow und Tercky nebst deren Gemahlinnen , etliche Karreten und Sänften . Den Beschluß machte ein tückischer Ausländer namens Buttler mit seinen Dragonern . Das war der Judas , der seinen Meister verkaufte . In Mies , wo Wallenstein übernachtet hatte , erfuhr ich , wie schlecht es mit ihm stehe , und in Plana kam mir gar ein Patent vom Hofe unter die Augen ; der Kaiser - so hieß es darin - erkläre den Herzog von Friedland für einen Majestätsverbrecher und lasse ihn durch Gallas , Piccolomini und Maradas lebendig oder tot einholen . Am nächsten Tage sah ich hinter dem Flusse Eger die Burg mit ihrem Turme und die Stadtkirche in die graue Winterluft ragen und meldete mich bei der Torwache als Kurier für den Herzog von Friedland ...