Hand kräftiger , und darum bemerkte ich deutlicher , daß er mir die Kraft entzog , die von mir auf ihn überging . Dann richtete sich die Gestalt , die sich soeben noch so tief vor mir verneigt hatte , so hoch auf , daß sie mich weit überragte , und fuhr in höchst bestimmter , gebieterischer Weise fort : » Mein ist dein Geist ; mein ist auch deine Seele , und nur der Leib bleibt einstweilen dein , bis ich bestimme , wie und wo er uns zu dienen habe . Aus meiner Hand strömt dir das höchste Glück , das es für Menschen gibt in Zeit und Ewigkeit : Du bist vollständig willenlos und folglich frei von jeder Schuld und Sühne ! Tu Alles , was ich sage , ob Gutes oder Böses , der Rechenschaft bist du fortan enthoben , denn ich bin es , der sie zu leisten hat . Auch ich gehorche nur , um frei zu sein . Das tut ein Jeder , bis hinauf zum Höchsten ! Im Auftrag meines Herrn belohne ich dir schleunigst jede Tat , durch welche du uns nützest . Und in derselben Machtvollkommenheit verzeihe ich dir Alles , wodurch du Andern schadest , nur nicht uns ! Drum sei getrost , mag kommen , was da will ! An unsrer Macht geht jeder Feind zu Grunde ! « Hierauf zog sich die , wie es schien , ganz beliebig dehnbare Gestalt in ihre vorherige Bescheidenheit zusammen und begann mit mir den Gang durch die Gewölbe , meine Hand nicht einen Augenblick aus der ihrigen lassend . Es war mir , als ob ich mit ihr durch ein unsichtbares Röhrchen verbunden sei , durch welches der Abfluß meiner Lebensenergie zu diesem Schatten hinüber stattfinde . Es konnte nicht sehr lange Zeit dauern , so war mein Mut dahin und mit ihm auch die Kraft zum Widerstande . Ein Vampyr geistiger Natur ! Ein schwammiges Gespenst von unersättlicher Porosität ! Durfte ich mir zumuten , ihm die Hand so lange zu lassen , bis ich gesehen hatte , was ich sehen wollte ? War ich dann nicht wahrscheinlich schon so willenlos , daß ich sie ihm nicht mehr entziehen konnte ? Ich wagte es , denn ich glaubte , mich genau zu kennen ! Wer Vampyre entlarven will , der muß es wagen , sie an sich saugen zu lassen , bis sie so voll sind , daß sie ihm nicht entfliehen können ! Es waren viele Räume , durch welche wir kamen , weit mehr , als ich für möglich gehalten hätte . Lange , niedrige Gewölbe mit schmalen Mauernischen , in denen düsterrot die wenigen Fackeln brannten . Alles Wertvolle , was sich einst in den untern Etagen befunden hatte , war hier aufgestapelt . Dazu die köstlichsten Schmuggelwaren aus allen Ländern , Zonen und Gedankenreichen . Ich dachte an unsern Fund im Innern des Birs Nimrud . Aber was wir dort gesehen hatten , war Bettelarmut gegen diesen Reichtum hier ! Und dort gab es kein Leben in der Tiefe . Hier aber huschten zwischen diesen Schätzen geschäftige Dämonen hin und her , die alle Hände voller Arbeit hatten . Unhörbar waren alle ihre Schritte , und Alles , was sie taten , erzeugte nicht das mindeste Geräusch . Die Gieresblicke , die sie auf mich warfen , verrieten mir , wie heiß sie mich begehrten . Doch wenn sich einer nahte , die Hand nach mir zu strecken , so schwoll mein Führer zum Giganten auf und schleuderte den Schwachen auf die Seite . Das war die Kraft , die er von mir zu sich hinüberzog . Da er mich hatte und sie aber Keinen , von dessen Uebermacht sie zehren konnten , war er für sie der große Held des Tages , von dem sie sich für heut beherrschen ließen . Ich wollte wissen , was sie alle taten , und blieb zuweilen stehn , um zuzusehen . Mein Führer glaubte , mich für immer in seiner Hand zu haben , und zeigte mir ganz offen , was man trieb . Es wurde hier gefälscht , gefälscht und nur gefälscht ! Das Echte hatte man der Außenwelt entzogen , das Wahre , Reine , Edle hier versteckt . Die Täuschung und den Schein , die Falschheit und Entstellung verfertigte man hier und trug sie dann hinaus als ehrliche , rechtschaffne , gute Ware ! Und diese Arbeit ging sehr flott von statten . Ich sah , es war ein glänzendes Geschäft ! Ein einziger Verrat , dem es gelang , ans Tageslicht zu kommen , bedeutete für dieses Fälschertum sofortigen Ruin ! Daher die einz ' ge Wahl : Mitmachen oder Tod ! Wozu von Beidem würde ich , wenn man mich zwingen sollte , mich wohl entschließen ? Bei diesem Gedanken entriß ich dem Schatten meine Hand mit einem so unerwarteten , kräftigen Rucke , daß er überaus schnell und klein zusammenfuhr . Er dehnte sich aber hierauf sofort zur riesenhaften Größe aus und donnerte mich an : » Was fällt dir ein ! Diese Hand gehört mir , denn du bist mein Eigentum ! Gib sie augenblicklich wieder her ! « Ich wußte , daß jetzt der Kampf zwischen mir und ihm beginnen werde . Und die anwesenden Sillan ahnten das wohl auch . Sie drängten sich herbei . Ich schob sie auseinander , um zur nächsten Nische zu gelangen , ergriff die dort brennende Fackel und drehte mich dann mit ihr nach ihnen um . Was geschah ? Sie verschwanden . Sie versteckten sich hinter ihre aufgehäuften Waren ; sie waren eben Schatten , die , bei Licht betrachtet , hinter ihre Gegenstände gehören . Nur der Eine blieb . Er allein hatte Mut , nämlich meinen Mut , von mir in seine wesenlose Schwammigkeit hinübergesaugt . Wir standen , beide hoch aufgerichtet , vor einander . Er schaute mir mit einem vernichtend sein sollenden Blicke in die Augen ; ich