dabei an den Wettritt zwischen euch beiden und uns . Du wirst dabei bemerkt haben , daß ich wahrscheinlich ein guter Scheik oder Hekim , aber kein tadelloser Reiter bin . Der innige Umgang mit dem Ustad hat mir nicht erlaubt , in der notwendigen , immerwährenden Uebung zu bleiben . Wäre das nicht , so hätte ich die Stute besser geritten und wäre von dir wenigstens nicht so schnell eingeholt worden . Ich erinnere mich , daß Halefs Augen leuchteten . Liebt er solche Anstrengungen der Pferde ? « » Ein Wettreiten auf edlen Rossen geht ihm über alles ! « » Wohl ! Es wird bei dem geplanten Feste ein solcher Ritt stattfinden - - - « » Das ist ja in zwei Wochen schon ! « unterbrach ich ihn . » Ich befürchte , daß er da noch zu schwach ist . « » Allerdings . Er soll auch nicht etwa mitreiten . Aber schon das Wort , der Gedanke wird von guter Wirkung auf ihn sein . Ich vermute , daß er morgen nicht nur für einige kurze Minuten erwacht . Finde ich , daß ich es wagen darf , so werde ich ihm über diesen Wettritt eine Bemerkung machen . Wirkt sie so , wie ich erwarte , so wird das geschehen , was du vorhin wünschtest : Mein Glaube , meine Vermutung wird sich in Ueberzeugung verwandeln . Aber freilich , kein Mensch und also auch kein Hekim ist allwissend . Wo wäre ein Sterblicher , der zu sagen vermöchte , was schon im nächsten Augenblicke mit ihm geschehen kann . Aber nach menschlichem Ermessen bist du gerettet , Effendi , und ich hoffe , von dem Hadschi morgen dasselbe sagen zu dürfen . « » Das , o Pedehr , haben wir nur euch zu verdanken , eurer Nächstenliebe und der aufopfernden Pflege , welche - - - « » Still , still ! « unterbrach er mich . » Sprechen wir lieber von dem Geschenk , welches ich dir morgen zu machen gedenke ! « » Ein Geschenk ? Auch noch ? « » Ja . « » Darf ich schon heut erfahren , was es ist ? « » Ja . Denn ich meine , daß man eine Freude nie zu früh bereiten könne . « » Nun , so sage es ! Was ist es ? « » Rate einmal , Sihdi ! « » Unmöglich ! Es giebt so vieles , womit du mich in deiner Güte erfreuen und stützen könntest . « » Stützen , stützen ! Das ist es ja ! Du hast es fast erraten ! « » Also stützen ? Etwa ein Stock ? « » Ja , ein Stock . Du sollst morgen versuchen , zum erstenmal wieder aufrecht zu gehen . Und wenn es nur einige Schritte sind , so wird es dich doch stärken . « » Stärken ! Jetzt bist nun du es , der das richtige Wort getroffen hat . Stärken ! Daß ich daran denken darf , morgen diesen Versuch zu unternehmen , das läßt schon jetzt mich fühlen , daß es mir gelingen wird . Wie doch schon im Gedanken eine so große Wirkung liegt ! « » So schlafe dich recht aus ! Es ist schon spät geworden . Chodeh behüte dich ! « Er ging , und ich that , was er gesagt hatte : Ich schlief bis tief in den nächsten Vormittag hinein . Als ich erwachte , sah ich Hanneh und Kara bei Halef sitzen . Eben kam Schakara vom Vorplatze herein . Sie sah meine Augen offen , nickte mir still zu und glitt wortlos hinaus , um mir meinen Morgentrank zu holen . Da sie ihn mir brachte , wurden die beiden andern auf mich aufmerksam und kamen zu mir herbei . Ich hörte von ihnen , daß Halef zwar noch schlafe , aber sich zuweilen leise bewege . Der Pedehr hatte angeordnet , sofort zu ihm zu schicken , sobald der Kranke die ersten Zeichen gebe , daß er wieder bei sich sei . » Wieder bei sich sei ! « Diese Worte ließen mich an meine gestrige Unterhaltung mit dem Genannten denken . » Wieder bei sich ! « Wer ist dieser » Sich « ? Dieser » Er « oder diese » Sie ? « Dieses Wesen , diese Persönlichkeit ? Nach der Ansicht des Pedehr ist es die Seele . Der » Geist « ist ihm Phantom . Er kennt am Menschen nur den Körper und die Seele . Die letztere ist das eigentliche Wesen . Was nun aber ist der Leib ? Die Seele kann sich von ihm trennen . Unter gewissen Umständen wird aus diesem Können ein Wollen , welches sich sogar - jedenfalls beim Sterben - zum unbedingten Müssen steigert . Ist sie die Herrin und der Leib der Diener ? Oder ist dieses Verhältnis für ihn vielleicht ein noch viel niedrigeres ? Gleicht er einer , allerdings aus Organen zusammengesetzten , Maschine , welche im Schlafe zu ruhen hat , während sie zu dieser Zeit heimkehrt , um für den morgenden Tag neue Aufgaben und neue Kräfte zu empfangen ? Bleibt sie auch während dieses seines Schlafes und während dieser ihrer Abwesenheit durch geheimnisvolle Fäden oder Beziehungen so mit ihm verbunden , daß sie bei jeder Störung zu seinem Schutz zurückgerufen wird ? Und wenn es so ist , wo liegt das Heim , zu dem sie einst am Grabe völlig Rückkehr feiert ? Im Leibe keinesfalls ! Die chemisch-mechanische Thätigkeit gewisser Organe in ihm wird selbst durch die tiefste Ohnmacht nicht beendet , denn diese Kräfte wirken unaufhörlich weiter , bis der dazu nötige Stoff vollständig aufgezehrt worden ist . Aber das willkürliche Leben ist unterbrochen , und alle ihm zugehörigen Bewegungen sind eingestellt , bis sie , die Herrin , wiederkehrt , um den » entseelten « Körper aufs neue zu » beseelen « . Was gestern vom Pedehr hierüber gesagt worden