, als ich im Haag lebte , meiner Kaiserlichen Hoheit täglich Bericht erstatten mußte ( High-life-Prozesse gingen ihr über alles ) , und der Gegenstand , um den sich ' s dabei handelte , war so recht der Ausdruck eines verfeinerten oder meinetwegen auch überfeinerten Kulturlebens . So recht das Gegenteil von bloßem Naturburschentum . Es ist freilich eine ziemlich lange Geschichte ... « » Schade « , sagte Dubslav . » Aber trotzdem - wenn überhaupt erzählbar ... « » Oh , gewiß , gewiß ; das denkbar Harmloseste ... « » Nun denn , lieber Superintendent , wenn wirklich so harmlos , so mach ich mich ohne weiteres zum Anwalt unsrer gewiß neugierigen Damen , meine Schwester , die Domina , mit eingeschlossen . Wie war es ? Wie verlief die Geschichte , für die sich eine Kaiserliche Hoheit so lebhaft interessieren konnte ? « » Nun , wenn es denn sein soll « , nahm Koseleger langsam , und wie bloß einer Pression nachgebend , das Wort . » es lebte da zu jener Zeit eine schöne Herzogin in London , die ' s nicht ertragen konnte , daß die Jahre nicht spurlos an ihr vorübergehen wollten ; Fältchen und Krähenfüße zeigten sich . In dieser Bedrängnis hörte sie von ungefähr von einer plastischen Künstlerin , die durch Auftrag einer Wachspaste die Jugend wiederherzustellen wisse . Diese Künstlerin wurde gerufen , und die Wiederherstellung gelang auch . Aber nun traf eines Tages die Rechnung ein , die Bill , wie sie da drüben sagen . Es war eine Summe , vor der selbst eine Herzogin erschrecken durfte . Und da die Künstlerin auf ihrer Forderung beharrte , so kam es zu dem angedeuteten Prozeß , der sich alsbald zu einer cause célèbre gestaltete . « » Sehr begreiflich « , versicherte Dubslav , und Melusine stimmte zu . » Zahlreiche Personen traten in der Verhandlung auf , und als Sachverständige wurden zuletzt auch Konkurrentinnen auf diesem Spezialgebiete der plastischen Kunst vernommen . Alle fanden die Forderung erheblich zu hoch , und der Sieg schien sich rasch der Herzogin zuneigen zu wollen . Aber in eben diesem Augenblicke trat die sich arg bedrängt sehende Künstlerin an den Vorsitzenden des Gerichtshofes heran und bat ihn , an die erschienenen Fachgenossinnen einfach die Frage nach der Dauer der durch ihre Kunst wiederhergestellten Jugend und Schönheit richten zu wollen , eine Bitte , der der Oberrichter auch sofort nachkam . Was darauf geantwortet wurde , lautete hinsichtlich der Dauer sehr verschieden . Als aber , trotz der Verschiedenheit dieser Angaben , keine der Konkurrentinnen mehr als ein Vierteljahr zu garantieren wagte , wandte sich die Verklagte ruhig an den hohen Gerichtshof und sagte nicht ohne Würde : Meine Herren Richter , meine Mitkünstlerinnen , wie Sie soeben vernommen , helfen auf Zeit ; was ich leiste , ist " beautifying for ever " . Alles war von diesem Worte hingerissen , der hohe Gerichtshof mit , und die Herzogin hatte die Riesensumme zu zahlen . « » Und wäre dergleichen hierlandes möglich ? « fragte Melusine . » Ganz unmöglich « , entgegnete der für alles Fremde schwärmende Koseleger . » Es kann hier einfach deshalb nicht vorkommen , weil uns der dazu nötige höhere Kulturzustand und die dem entsprechende Anschauung fehlt . In unserm guten Preußen , und nun gar erst in unsrer Mark , sieht man in einem derartigen Hergange nur das Karikierte , günstigstenfalls das Groteske , nicht aber jenes Hochmaß gesellschaftlicher Verfeinerung , aus dem allein sich solche Dinge , die man im übrigen um ihres Raffinements willen belächeln oder verurteilen mag , entwickeln können . « Die meisten waren einverstanden , allen voraus Dubslav , dem dergleichen immer einleuchtete , während die Domina von » Horreur « sprach und sichtlich unmutig den Kopf hin und her bewegte . Woldemar erneute natürlich seine Versuche , die der Tante so mißfällige Konversation auf andres überzulenken , bei welcher Gelegenheit er nach dem Berühren verschiedenster Themata zuletzt auch auf den Coventgardenmarkt und den englischen Gemüsebau zu sprechen kam . Das paßte der Domina . » Ja , Gemüsebau « , sagte sie , » das ist eine wunderbare Sache , daran hat man eine wirkliche Freude . Kloster Wutz ist eigentlich eine Gartengegend ; unser Spargel ist denn auch weit und breit der beste , und meine gute Schmargendorf hat Artischocken gezogen , so groß wie ' ne Sonnenblume . Freilich , es will sie keiner so recht , und alle sagen immer : Es dauert so lange , wenn man so jedes Blatt nehmen muß , und eigentlich hat man nichts davon , auch wenn die Sauce noch so dick ist . Viel mehr Glück hat unsre alte Schimonski mit ihren großen Erdbeeren - ich meine natürlich nicht die Schimonski selber ; sie selber kann gar nichts , aber sie hat eine sehr geschickte Person - , und ein Berliner Händler kauft ihr alles ab , bloß daß die Schnecken oft die Hälfte jeder Erdbeere wegfressen . Man sollte nicht glauben , daß solche Tiere solchen feinen Geschmack haben . Aber wenn es wegen der Schnecken auch unsicher ist , Dubslav , du solltest solche Zucht doch auch versuchen . Wenn es einschlägt , ist es sehr vorteilhaft . Die Schimonski wenigstens hat mehr davon als von ihren Hühnern , trotzdem sie gut legen . Denn mal sind sie billig , die Eier , und dann wieder verderben sie , und die schlechten werden einem berechnet und abgezogen , und die Streiterei nimmt kein Ende . « Kurz vor elf brach das Gespräch ab , und man zog sich zurück . Der alte Dubslav ließ es sich nicht nehmen , die Damen persönlich treppauf bis an ihre Zimmer zu führen und sich da unter Handkuß von ihnen zu verabschieden . Es waren dieselben zwei Räume , die vor gerad einem Vierteljahr Rex und Czako bewohnt hatten , das größere Zimmer jetzt für Melusine , das kleinere für Armgard