Gustav Büttner stand als strenger Aufseher hinter ihnen . Gustav setzte seinen Ehrgeiz darein , daß bei seiner Gruppe nicht über Schleuderarbeit geklagt werden durfte . Das Auge des schneidigen Herrn Inspektors schien oft genug nach einer Gelegenheit zu Tadel oder gar zu Lohnabzügen zu suchen , wenn er plötzlich an die rübenhackenden Leute herangesprengt kam ; aber bis dahin hatte er keine Möglichkeit gefunden , seine wohlwollende Absicht auszuführen . Anders gestaltete sich die Sache , als die Erntezeit herankam . An Stelle des Stücklohnes sollte nun laut Kontrakt Tagelohn treten . Die Arbeiter , die sich ausgerechnet hatten , daß sie nun nicht mehr den guten Verdienst haben würden , den sie bei der Akkordarbeit erzielen konnten , sahen der Änderung des Lohnsatzes mit Unlust entgegen . Es war darüber schon viel hin und her gesprochen worden unter den Leuten . Man hatte es dem Aufseher nahe gelegt , wegen Aufhebung dieses Vertragspunktes mit dem Arbeitgeber zu verhandeln . Aber Gustav hatte erklärt , was geschrieben sei , sei geschrieben , und an dem Kontrakte dürfe nicht gerüttelt werden . Darüber erhob sich Murren unter den Leuten ; einzelne erklärten , im Tagelohn würden sie faulenzen . Häschke gab das Gelegenheit , seinem Herzen gründlich Luft zu machen . Er schimpfte auf den Arbeitsherrn und seine Beamten , gebrauchte Worte , wie » Lohnsklaverei « und » Ausbeutung des Arbeiters « . - Gustav warf ihm daraufhin vor , er sei ein » Roter « . Häschke nahm den Vorwurf pfiffig lächelnd hin ; die » Roten « seien noch nicht so schlimm wie die » Goldnen « , meinte er . Eines Tages kam der Inspektor an die Arbeitergruppe herangeritten und teilte ihnen in protzig barschem Tone mit , daß morgen mit beginnender Roggenernte der Tagelohn in Kraft trete . Er erwarte pünktlichsten Beginn der Arbeit bei Sonnenaufgang und größten Fleiß ; Bummelei werde er nicht dulden . Schließlich drohte er mit Lohnabzügen und Fortjagen auf der Stelle . Damit sprengte er an der Reihe entlang , daß den Leuten Sand und Erdklöße ins Gesicht flogen . Häschke blickte dem jungen Beamten mit einem eigentümlichen Lächeln nach . » Daß de dich nur nich geschnitten hast , Kleener ! « meinte er . » Wenn wir früh vor fünfen antreten , so is das freiwillig . Sollen wir Überstunden machen , dann megt Ihr hübsch drum bitten . So steht die Sache , Freundchen ! « Am nächsten Morgen war ein Teil der Arbeiter nicht dazu zu bewegen , vor fünf Uhr zur Arbeit zu gehen trotz Gustavs bald drohendem , bald gütlichem Zureden . Der Stimmführer dieser Aufsässigen war Häschkekarl . Im Kontrakte stehe nichts davon , daß sie zu Überstunden verpflichtet seien . Der Arbeitstag laufe von fünf Uhr früh bis sieben Uhr abends . Ungebeten würden sie nicht eine Minute länger arbeiten , als sie es nötig hätten . Gustav war in übler Lage . Er konnte Häschke nicht widerlegen , und wiederum durfte er als Aufseher eine Auflehnung gegen die Brotherrschaft nicht dulden . Was aus alledem entstehen konnte , war nicht abzusehen . Schwerer denn je drückte die Verantwortung , die er für so viele Köpfe übernommen , auf ihn . Er versprach schließlich , die Wünsche der Leute dem Inspektor vortragen zu wollen . Dadurch beruhigten sich die erregten Gemüter etwas . Während der Mittagspause ging er aufs Vorwerk zum Inspektor . Der Beamte riß erstaunt die Augen auf , als er den Aufseher zu ungewohnter Zeit bei sich eintreten sah . Als er vernommen hatte , um was es sich handle , geriet er in maßlose Wut . » Was ! Ihr wollt Forderungen stellen ? Das ist Betrügerei ! Was steht im Kontrakte ? Ich kann euch allezusammen entlassen - ohne weiteres ! Überstunden ! Nicht einen Pfennig zahle ich mehr . Wer Morgen früh nicht Punkt vier Uhr auf dem Posten ist , dem ziehe ich drei Mark ab . Rasselbande ! Mit euch wird man wohl noch fertig werden ! - « Gustav hörte sich das Schimpfen des erbosten Menschen nicht bis zum Ende an , machte kurz Kehrt und verließ das Zimmer . Gustav war anfangs im Zweifel gewesen , ob die Forderungen , welche er im Namen seiner Leute gestellt , auch wirklich berechtigt seien ; nunmehr war er fest entschlossen , der Überhebung des Beamten seinen Trotz entgegenzusetzen . Als er zu den Arbeitern zurückkehrte und ihnen brühwarm berichtete , wie er behandelt worden sei , brach das Gefühl langverhaltener Erbitterung bei allen durch . Häschke sprach die Ansicht der Mehrzahl aus , als er erklärte , daß die gebührende Antwort hierauf nur Niederlegen der Arbeit sein könne . Obgleich Gustav die ihm und seinen Leuten widerfahrene Ungerechtigkeit tief empfand , erschien ihm der Gedanke einer Arbeitseinstellung doch bedenklich . Häschke hatte nicht unrecht , wenn er ihm hohnlachend vorwarf , ihm säße noch die » Vorgesetztenangst « vom Militär her in den Gliedern . Der Plan , die Arbeit niederzulegen , kam Gustav ungeheuerlich vor ; das grenzte an Desertieren , an Meuterei . Er wollte und konnte so etwas nicht gutheißen . Aber Häschke stellte ihm die Sache mit beredtem Munde noch einmal vor : man war in seinem guten Rechte . Der Inspektor war es , welcher den Kontrakt brechen wollte , nicht sie . Wenn sie sich hierin nachgiebig zeigten , würden bald noch andere Übergriffe von seiten des Arbeitgebers und seiner Beamtenschaft erfolgen . Es handele sich hier nicht bloß um die paar Groschen , um deretwillen der Streit entbrannt war , sondern um die Sache . Sie dürften der Ehre halber nicht klein beigeben , denn das könnte aussehen , als hätten sie Furcht . Der Aufseher aber müßte in erster Linie für seine Leute und ihre Rechte eintreten , denn nur in diesem Vertrauen wären sie ihm hierher gefolgt . Im Stiche dürfe er sie nicht lassen . - Mit solchen , auf Gustavs Ehrgefühl berechneten Gründen