Blume trinken - ? « » Ich danke - « Jetzt spielte Adam den Beleidigten . Er sah das kleine , knurrige Weib herausfordernd an . Dabei bemerkte er , daß die Donna kein uninteressantes Gesicht hatte . Die Züge waren nur etwas scharf , herb , zu nuancirt gefaltet , die Haut zerrissen und porös , als ob sie früher stark geschminkt worden wäre . Neue Gäste kamen . Handwerker mit den breitspurigen Gerüchen ihrer Werkstätten , Arbeiter : gebückt , gekrümmt , nachlässig , schleppend und schwerfällig im Gang , unreinlich , abgeschunden , zerrissen , rußig , allenthalben mit Fabriksspuren und Arbeitsnarben besät , in den Gesichtern Gleichgültigkeit , Stumpfsinn , oft auch zehrenden Gram , der sich in den Physiognomie ' n seinen bestimmten Ausdruck geschaffen , hier und da Spuren einstiger Intelligenz , aber stark verwischt und verkümmert . Ab und zu erschien wohl auch Einer , der nach Kleidung und Benehmen einer » besseren « Gesellschaftsklasse angehörte . Das Sprechen wurde lauter , schriller , die Stimmen vermischten und verwirrten sich . Jetzt brannten alle Gasflammen , das letzte Streifchen , das letzte Pünktchen müden , graublauen Abendlichts war aufgezehrt . Man hatte in den Eingeweiden der Häuser keine Zeit , auf das völlige Hinsterben des Tages zu warten . Der konnte sich draußen auf der Straße , wo die breiten , schwarzen Schatten lagen , auf dem Felde , im Walde mit der siegenden Finsterniß abfinden . Hier lechzte das Leben nach neuen Krystallen . Verblutende läßt man allein . Auch das Licht , das verblutet . Und so bleibt es keusch und makellos . - Hinter dem Busset war der Wirth erschienen . Die Kellnerin lief auf und ab . Sie behandelte die Gäste schroff , herb . Das gefiel Adam . Er ließ sie nicht aus den Augen . Sie mußte das fühlen . Oefter , mit jähem , unvermitteltem Rucke , sah sie sich nach ihm um . Er fing ihren Blick lächelnd , ironisch , wie in halber , kopfnickender Genugthuung lächelnd , auf . Sie zuckte zurück ... und sah doch wieder zu ihm hinüber . Wohl streng und finster ... und doch dünkte es Adam zuweilen , als läge ein heißes , namenlos heißes und brünstiges Flehen in diesem Blick - eine erschütternde Bitte um Hülfe ... Rettung ... Erlösung .... So blieb er sitzen ... und trank - ihr zu Gefallen . Sie interessirte ihn jetzt . Wieder Eine ... wieder Eine ... wieder Eine ... Aber es war nun einmal so . Und er konnte sich des geheimnißvoll zwingenden , immer wachsenden Eindruckes nicht erwehren . Und er trank weiter - ihr zu Gefallen . Sie sah ihn so eigenthümlich an , wenn sie ein frisches Glas Bier vor ihm hinstellte . Und jetzt waren gerade alle Gäste versorgt , und sie hatte einen freien Augenblick . Sie wandte sich langsam nach Adam um . Der winkte ihr mit den Augen . Sie trat zu ihm hin und beugte sich zu ihm nieder . Gesicht lag neben Gesicht , Adam hörte ihr heftiges , hastiges Athmen . » Wie heißt Du - ? « raunte er ihr leise zu . » Leni . Bleib ' noch ' n Bißchen hier - ich muß Dir nachher ' was sagen - - « Und er blieb und blieb und trank und trank weiter - ihr zu Gefallen . Er fühlte , wie das schaale , abgestandene Zeug Gewalt über ihn gewann , wie seine Gedanken kürzer , eckiger , springender wurden , seine Bewegungen schwerer , ungelenker ... er starrte öfter vor sich hin , secunden- , minutenlang , das Sprechen und Schreien und Klappern um ihn herum rann zusammen zu einem schweren , dumpfen , summenden Geräusch , jetzt war es ihm plötzlich einmal , als ob er sich einen Augenblick vorher ganz vergessen hatte , er hatte eine Secunde lang nicht existirt , er hatte stumpf vor sich hingebrütet und war doch zugleich ganz ausgelöscht gewesen , nun rollte er sich wieder auf und gliederte sich , straffte sich ... und da züngelte Leni ' s Blick wieder zu ihm herüber ... und bat ihn ... und fragte ihn ... und flehte ihn an ... und sie kam zu ihm , berührte leise sein Haar , liebkoste ihn ... und bog seinen Kopf zu sich in die Höhe und schaute in seine Augen mit ihren kalten , dunklen , menschenanklagenden Augen . Und er blieb und blieb und trank und trank weiter : dieses warme , abgestandene , zähschleimige Gesöff weiter - ihr zu Gefallen , ihr zu Liebe - Nun lief das Lokal mit all ' dem zechenden , schreienden Menschengesindel , was sich da zufällig in ihm zusammengefunden hatte , um Adam im Kreise herum . Das war fatal . Er hatte die bewußte » Contenance « verloren . Nur eine Prise frischer Luft konnte hier mildern . Der Angezechte hatte eine gewisse Furcht vor dem Aufstehen . Immer wieder sank er in sich zusammen und blieb sitzen . Endlich , ohne daß er es noch einmal bewußt gewollt hatte , schnellte er mit einem verbogenen Rucke in die Höhe und tastete schwerfällig-ungelenk nach seinem Hute . Die Kellnerin kam auf ihn zugelaufen . » Was habe ich - ? « fragte Adam mit schwerer , unsicherer Zunge . » Du willst schon gehen - ? Warum denn - ? « » Mir ist nicht wohl ... Das ist auch ' n Dunst - ' ne Luft - ' n Gestank - hier - nicht zum Aushalten ! . Also wie viel Bier ? . Und ... und ... das ... das Bröt - chen - ? « Leni rechnete mürrisch zusammen . Sie hatte wieder ihr erstes , abweisendes , verächtlich achselzuckendes Benehmen angenommen . Adam warf das Geld auf den Tisch . Das Weib war ihm jetzt verflucht gleichgültig . Nur ' raus aus dieser entsetzlichen Bude ! Er hatte keine