dies selbst gestehn . Also Adieu , auf Wiedersehn ! « Noch auf der Treppe summte es in Krastiniks Kopf von » Buntem Allerlei « und » geborenem Redacteur « und ähnlichen Chosen . Er hatte es nie in seiner Einfalt für möglich gehalten , daß man sich der Redacteurschaft in einer Weise rühmen könne , als sei dies eigentlich etwas viel Höheres als Dichter- und Künstlerthum . Er wußte noch nicht , daß bei dem Worte » Schriftsteller « den deutschen Biedermann der Menschheit ganzer Jammer anpackt , eine Art horror vacui . Hingegen » Redacteur « - wie anders wirkt dies Zeichen auf ihn ein ! Das erinnert so an » feste Anstellung « und andere ersprießliche Dinge . Wie sollten die Redacteure daher in ihres Werthes durchbohrendem Gefühle nicht tief auf die Schreiber herabschauen , deren Manuscripte sie zum Druck befördern ! Also eine neue Spezies - der Redacteur-Größenwahn ! dachte Krastinik . III. Mitten in seiner Ungewißheit , ob er sich bezwingen oder noch weiter sich um Kathi kümmern solle , erhielt Rother einen langen Brief seines Münchener Freundes , des genialen Genremalers Knorrer . Der Brief lautete : » Lieber Kamerad ! Ich sitze hier in der Nähe von Meran , in Ulten . - Bis zum Gardasee war ich in den Früh-Frühling Südtirols hineingebummelt . Hei , Früh-Frühling , sanfte Himmelstochter ! Wie überall ein neues Wesen aus Allem weht und flüstert ! Die Stelle am Bache , wo das Vergißmeinnicht deutungsvoll uns mahnen soll , wird erst geahnt . Froh erstaunt schleicht man hin durchs Brautgeheimniß der Natur . Verzeih diesen lyrischen Schwulst ! Aber hier wird man , hol mich ' der Teufel , par ordre de Mufti ein poetischer Duselfritze . ' s ist doch hier alles wie sonstwo auch . Das Weibervolk ( aha , da kommt ' s ! hör ' ich Dich lachen ) , das Weibervolk , meine spezielle ägyptische Plage , ist doch hier dasselbe wie überall . Ein großes Mutterschaf ohne andre Bestimmung , als - - , das dabei von ätherischen Gefühlen blökt ! Meine Wirthin geilt mich an . Ihr Mann sei u.s.w. Die Natur ist eine infame Kupplerin . Man gruselt sich heimlich vor der ganzen Schmutzerei . O ich fühle es : Keuschheit allein macht stark . Und diese stumpfsinnige Selbstverständlichkeit , womit diese Cochonnerien sich in Scene setzen ! Meine Aufwärterin hier , ein äußerlich anständiges Mädchen , nahm einen Zehn-Gulden-Schein verständnißinnig entgegen und besucht mich Nachts . Nachher gestand sie mir , sie nahe dem Kap der guten Hoffnung , und da komme es auf Einen mehr oder weniger nicht an . Jaja , das sind so unsre kleinen Ehebrüche ! Pfui , Pfui darüber ! Und neben uns klebrigen Erdwürmern diese leblose Natur in ihrer vornehmen Ruhe , so keusch , so ernst , so stolz ! Von Mori fuhr ich nach Riva an den Gardasee - wie wurde mir da ! Diese grauen Kalkfelsen , die senkrecht in die wunderbare Bläue des Seespiegels hineinstürzen ! Diese Schneefäden , sich von den Bergen , die noch wie spitze Zuckerhüte herübernicken , in die Rebenterrassen hineinschlängelnd ! Rings das feine Silbergrau der zierlichen Olivenblätter , das helle Grün der Maulbeerbäume , das frische Weinlaub , der saftig derbe Ton des Citronenbaumes . Und auch unser heißgeliebtes Feigenblatt hängt überall in seiner fünfzackigen Helle , wie ein Panier der Unnatur , eine Selbstironie der Natur . Das Alles von einem durchsichtigen silbrigen Schleier umsponnen , der sich über See , Bergkette , Maisfelder , Villen und Bastionen schlingt . Riva ' s kleine Festungswerke bilden die letzte Grenzmark Oesterreichs , der Dampfer auf dem See bedeutet schon italienischen Boden . Ach , man schwelgt in malerischen Motiven . Mein Skizzenbuch füllte sich , ich male jetzt hier in Ulten nach meiner dortigen Studie den Ponale-Fall am Gardasee . Weiße Gartenmauern . Feurig glühende Rosen . Moosbewachsene Mühlen . Dunkeläugige Bübchen und Mädel in entzückend schmutzigen Röckchen , die uns eine Bastonada auf die Fußsohlen versprechen , falls wir ihnen nicht einen Soldo verabreichen . Mächtige Stier-Fuhrwerke , Schiffe im Hafen , alte bröckelnde Thürme und Thore . All das hart an die Felsen angeklext , deren großartige Linien der Schöpfungsmeister so klassisch componirte . Hier und da in die Landschaft ein paar spitze Cypressen mit ihren dunkeln pyramidenförmigen Laubkegeln oder ein Häuschen mit rothem Dach oder ein zerfallenes Gemäuer als ornamentale Sprengsel hineingesetzt . Wirkt wahrhaftig , als habe die Natur hier mal im größten Stil der Renaissance ( denk ' an den landschaftlichen Hintergrund aus Cadore ' s Gebirgen in Tizian ' s Gemälden ! ) ein monumentales Landschaftsbild kunstvoll angelegt . Welcher pastose Farbenvortrag , wie markig auf die Aether-Leinwand des Horizonts aufgetragen , und dann wieder wie fein mit dünnem Pinselvortrag abgetönt ! Aber so gar nicht Impressionalistisch , weiß der Teufel ! Dicke Massen Bleiweiß mit dem Spachtel nebeneinander kleben und dann unter einer falsch gewertheten Perspektive der Lichtreflexe mit Finger und Pinsel dran herumschmieren - das verschmäht diese italienische Natur . Sie hat doch einen ganz besonderen antiken Charakter , diese sonnendurchgohrene Italia , einen gewissen altrömischen Faltenwurf ihrer Toga , den ihr Germania mit ihren Tannenzöpfen nicht nachmacht . Man merkt hier überall den Michelangelesken Formensinn , die klare Würde Rafael ' scher Composition , die markig satte Farbentiefe der Venetianer . Sogar die Weiber - - ( ah , da sind sie wieder ! lacht mein Freund Eduard , nicht ? ) - Da sah ich in Trient , eskortirt von einem schlangenäugigen Abbate ( o wieviel Grandezza und Weltgeschichtlichkeit steckt in jedem italienischen Pfaffen ! ) eine fette Wildsau mit lüstern schmatzenden Lippen , aber doch einem großen Zug im Profil . Aber die Tochter - ah , diese ungesuchte Vornehmheit einer alten Race , einer uralten Cultur , im italienischen Typus ! Diese versteckte schläfrige Glut , diese schwärmerische Inbrunst , diese göttliche Faulheit und glückliche Beschränktheit in den süßen Augen