über die nächste Umgebung fielen , so daß unweit der Halle die Schienen sich im fahlen Grau verloren , und dahinein glitt , wie lautlos und richtlos , der Zug und verschwand ohne Spur . So hauste nun die Sternsteinhofbäuerin allein auf dem großen Anwesen . Sie kam damit schlecht und recht zustande , die Nachbarn waren freundlich und das Gesinde willig , denn Helenens Lage erachtete man als ein hartes Müssen und in keinem Vergleich zu der Tonis , der mutwilligerweis den Alten verdrängt und sich unberaten als Herrn aufgespielt hatte , den man mit rückhältiger Genugtuung gerne in Verlegenheiten steckenließ , wenn nicht gar aus Bosheit in solche setzte . Der Bäuerin gegenüber ließ man es an keiner Wohlmeinung fehlen . Der Reif begann sich auf den Wiesen zu zeigen und das Laub auf den Bäumen zu vergilben , und unter der langen Zeit war nur ein Schreiben von fremder Hand auf dem Sternsteinhofe eingetroffen , das von Toni Nachricht brachte ; der junge Bauer hatte dasselbe , in offenbar mißlauniger Stimmung , einem schreibfertigen Kameraden in die Feder diktiert , er berichtete kurzweg , daß er - Gott sei Dank - guter Gesundheit sei , aber die Rackerei bis an den Hals satt habe und kaum glaube , das Ende davon erwarten zu können . Selbst zu schreiben , fände er keine Zeit und käme ihm ungelegen . Weitere Botschaft blieb aus , aber diese in ihrer Kürze und Schneidigkeit ließ seine Leute sowie das Gesinde erwarten , er werde mit einmal ins Haus fallen , eh wer einen Gedanken daran hätte ! An einem sonnigen Nachmittage , als die Zwischenbüheler vom » Segen « heimgingen , verließ die Sternsteinhofbäuerin unter den letzten die Kirche ; nachdenklich stieg sie die breiten Stufen vor derselben hinab , vor ihr hastete nur mehr ein altes Mütterchen in zappeliger Unbeholfenheit hinunter , sie erkannte in demselben die Matznerin , holte sie ein , leitete sie und brachte sie ungefährdet auf ebenen Boden . » Je , je « , lächelte die Alte , » wie du gut bist , Bäuerin . Vergelt dir ' s Gott ! « » Nix z ' danken , gern geschehn . Aber sag mir nur , eilt ' s dir so ? « » Ei , freilich , ich muß ja zu meiner Sepherl hoam . « » Was is denn mit der ? Ich hab s ' d ' längste Zeit nimmer gsehn . « » So is ' s dir nit z ' Ohren kämma ? Beim Grummetschneiden im albern Necken hat dös dumme Mensch - der arme Hascher - einer andern in d ' Sichel griffen und sich d ' Hand arg zerschnitten , und hitzt hab ich s ' daheim sitzen ; sie kann nix verdienen , und was richt ich , was mehr kaum kraln kann ? « Die Alte sah Helenen mit feuchten Augen an . » Warum seids auch nit gleich zu mir kommen , wie das gschehn is ? « fragte diese . » Hätt mer därfen ? « » Ich denk , ' s wär nix Bsonders , wanns mir vertrauets und ich euch aus alter Freundschaft hilf . « Die Matzner hustete verlegen . » Ich hab wohl gleich an dich denkt , aber sie wollt ' s nit leiden . « » Dalket gnug von ihr . « Die Alte nickte , dann sagte sie mit zutraulicher Geschwätzigkeit : » Du stellst dir ' s nit vor , Bäuerin , was für a Kreuz ich mit derer Dirn hab ! Sie hat amal kein Glück af der Welt , und no verscherzet s ' gar darbotene Hilf ! Warum s ' dir nit kommen wollt , denkst dir wohl , wirst ' s ja gmerkt habn , wie ihr dein Seliger ins Herz gwachsen gwest is ? Aber ihm war an ihr nix glegen . No , mach einer ein Knopf , wo der Schnur ' s andere End fehlt ! « Die Bäuerin senkte nachdenklich den Kopf . » Ich will mit der Sepherl nit drüber streiten , ob er ' s mit ihr nit besser gtroffen hätt , ' s war sein Sach und - wann ja - sein Schaden ; aber das sein alte Gschichten , Matznerin , die mehr nimmer herghören . Sag ihr , ich ließ sie grüßen , und wann s ' wieder heil is , soll sie sich anschaun lassen bei mir . Ich gäbet sie gern als Aushelferin der alten Kathel bei , und wann s ' anstellig is , wer weiß , was sich noch schickt . Bis dahin komm du , wann ' s euch an was fehlt , ich helf dir aus , das geht sie nix an . Du bist doch nit z ' stolz ? « Das alte Weib schied mit tausend Dankesbezeugungen von der Bäuerin . Als Sepherl von dem » großen Glück « , das ihr bevorstünde , und von der Unterstützung , die ihrer Mutter zuteil werden sollte , erfuhr , sagte sie : » Du magst von der Sternsteinhoferin nehmen , was du kriegst und was sie dir vermeint ; dir möcht ich nit zumuten , du solltst dir ein Abbruch tun noch ihr ein christlich Werk verleiden ; aber ich nehm nit ' s gringste von ihr , und unter einm Dach mit ihr z ' hausen , das brächt ich nit zuweg . Versteh mich auch recht , meinerwegen trag ich ihr nix nach , obwohl vielleicht allein mein Unglück war , daß sie gleichzeit mit mir und an einm Ort af der Welt gwesen is , aber wie s ' an ihm ghandelt hat , der mir der Liebere war als ich mir selber , das mag ich ihr verzeihn , wozu mich mei Christentum verpflicht , doch vergessen - vergessen kann ich ihr ' s nit ! « - - Nie , während ihres noch langen Lebens , betrat Sepherl den Sternsteinhof