und den gotischen Besitz in Gallien , zugunsten des Kaisers Justinian und seiner Nachfolger auf dem Throne von Byzanz . Er verspricht , Ravenna , Rom , Neapolis und alle festen Plätze des Reichs dem Kaiser ohne Widerstand zu öffnen . « Theodahad nickte . » Zweitens . König Theodahad wird mit allen Mitteln dahin wirken , daß das ganze Heer der Goten entwaffnet und in kleinen Gruppen über die Alpen geführt werde . Weiber und Kinder haben nach Auswahl des kaiserlichen Feldherrn dem Heere zu folgen oder als Sklaven nach Byzanz zu gehen . Der König wird dafür sorgen , daß jeder Widerstand der Goten erfolglos bleiben muß . Drittens . Dafür beläßt Kaiser Justinian dem König Theodahad und seiner Gemahlin den Königstitel und die königlichen Ehren auf Lebenszeit , und viertens « - » Diesen Abschnitt will ich doch mit eigenen Augen lesen « , unterbrach Theodahad , nach der Urkunde langend . » Viertens beläßt der Kaiser dem König der Goten nicht nur alle Ländereien und Schätze , die dieser als sein Privateigentum bezeichnen wird , sondern auch den ganzen Königsschatz der Goten , der allein an geprägtem Gold auf vierzigtausend Pfunde geschätzt ist . Er übergibt ihm ferner zu Erb und Eigen ganz Tuscien von Pistoria bis Cäre , von Populonia bis Clusium , und endlich überweist er an Theodahad auf Lebenszeit die Hälfte aller öffentlichen Einkünfte des durch diesen Vertrag seinem rechtmäßigen Herrn zurückerworbenen Reiches . Sage , Petros , meinst du nicht , ich könnte drei Viertel fordern ? « - - » Fordern kannst du sie , allein ich zweifle sehr , daß sie dir Justinian gewährt . Ich habe schon die Grenzen , die äußersten , meiner Vollmacht überschritten . « » Fordern wollen wir ' s doch immerhin , « meinte der König die Zahl ändernd . » Dann muß Justinian heruntermarkten oder dafür andre Vorteile gewähren . « Um des Petros schmale Lippen spielte ein falsches Lächeln : » Du bist ein kluger Handelsmann , o König . - Aber hier verrechnest du dich doch , « sagte er zu sich selbst . Da rauschten schleppende Gewänder den Marmorgang heran und eintrat ins Gemach in langem schwarzem Mantel und schwarzem , mit silbernen Sternen besätem Schleier Amalaswintha , bleich von Antlitz , aber in edler Haltung , eine Königin trotz der verlornen Krone : überwältigende Hoheit der Trauer sprach aus den bleichen Zügen . » König der Goten , « hob sie an , » vergib , wenn an deinem Freudenfeste ein dunkler Schatte noch einmal auftaucht von der Welt der Toten . Es ist zum letztenmal . « Beide Männer waren von ihrem Anblick betroffen . » Königin « - stammelte Theodahad . » Königin ! O wär ' ich ' s nie gewesen . Ich komme , Vetter , von dem Sarge meines edeln Sohnes , wo ich Buße getan für all meine Verblendung , und all meine Schuld bereut . Ich steige herauf zu dir , König der Goten , dich zu warnen vor gleicher Verblendung und gleicher Schuld . « Theodahads unstetes Auge vermied ihren ernsten , prüfenden Blick . » Es ist ein übler Gast , « fuhr sie fort , » den ich in mitternächtlicher Stunde als deinen Vertrauten bei dir finde . Es ist kein Heil für einen Fürsten als in seinem Volk : zu spät hab ' ich ' s erkannt , zu spät für mich , nicht zu spät , hoff ' ich , für mein Volk . Traue du nicht Byzanz : es ist ein Schild , der den erdrückt , den er beschirmen soll . « » Du bist ungerecht , « sagte Petros , » und undankbar . « » Tu nicht , mein königlicher Vetter , « fuhr sie fort , » was dieser von dir fordert . Bewillige nicht du , was ich ihm weigerte . Sizilien sollen wir abtreten und dreitausend Krieger dem Kaiser stellen für alle seine Kriege - ich wies die Schmach von mir . Ich sehe « , sprach sie , auf das Pergament deutend , » du hast schon mit ihm abgeschlossen . Tritt zurück , sie werden dich immer täuschen . « Ängstlich zog Theodahad die Urkunde an sich : er warf einen mißtrauischen Blick auf Petros . Da trat dieser gegen Amalaswintha vor : » Was willst du hier , du Königin von gestern ? Willst du dem Beherrscher dieses Reiches wehren ? Deine Zeit und deine Macht ist um . « - » Verlaß uns , « sagte Theodahad , ermutigt . » Ich werde tun was mir gutdünkt . Es soll dir nicht gelingen mich von meinen Freunden in Byzanz zu trennen . Sieh her , vor deinen Augen soll unser Bund geschlossen sein . « Und er zeichnete seinen Namen auf die Urkunde . » Nun , « lächelte Petros , » kamst du noch eben recht , als Zeugin mit zu unterzeichnen . « » Nein , « sprach Amalaswintha mit einem drohenden Blick auf die beiden Männer , » ich kam noch eben recht , euren Plan zu vereiteln . Ich gehe geradeswegs von hier zum Heere , zur Volksversammlung , die nächstens bei Regeta tagt . Aufdecken will ich daselbst vor allem Volk deine Anträge , die Pläne von Byzanz und dieses schwachen Fürsten Verrat . « » Das wird nicht angehn « , sagte Petros ruhig , » ohne dich selbst zu verklagen . « » Ich will mich selbst verklagen . Enthüllen will ich all meine Torheit , all meine blutige Schuld und gern den Tod erleiden , den ich verdient . Aber warnen , aufschrecken soll diese meine Selbstanklage mein ganzes Volk vom Ätna bis zu den Alpen ; eine Welt von Waffen soll euch entgegenstehn , und retten werd ' ich meine Goten durch meinen Tod von der Gefahr , in die mein Leben sie gestürzt . « Und in edler Begeisterung eilte sie aus dem Gemach . Verzagt