meinem Berichte , « begann sie wieder und richtete sich auf aus ihrer halbliegenden Stellung . » Ich mache es , wie der Romandichter , der den Haupteffekt bis zuletzt aufhebt « ; es war nicht zu verkennen , daß sie während dieser Vorrede , die scherzhaft klingen sollte , nach Kraft und Festigkeit rang , um das , was sie sagen mußte , ruhig vorzubringen . Ihr Auge haftete angestrengt auf einem der gegenüberliegenden Bosketts , während sie fortfuhr : » Unserem Hause steht ein glückliches Ereignis bevor , Emil - wird sich verloben . « Sie hatte sicher erwartet , ihr Zuhörer werde sofort seine höchste Ueberraschung aussprechen , denn nach einem augenblicklichen Schweigen drehte sie sich erstaunt nach ihm um . Er hatte die Hand auf Stirn und Augen gepreßt , und der Teil des Gesichts , den sie nicht bedeckte , war aschbleich . Bei Helenes Bewegung jedoch ließ er die Hand sinken , erhob sich rasch und trat an das offene Fenster , um frische Luft einzuatmen . » Bist du unwohl , Rudolf ? « rief sie ängstlich hinüber . » Ein vorübergehender Schwindel , weiter nichts , « antwortete er und näherte sich ihr wieder . Seine Züge sahen entstellt aus . Er ging einigemal im Zimmer auf und ab und nahm dann seinen Platz wieder ein . » Ich habe dir gesagt , daß Emil sich verloben will , Rudolf , « begann Helene wieder , jedes Wort markierend . » Das hast du gesagt , « wiederholte er tonlos und mechanisch . » Du billigst diesen Schritt ? « » Der geht mich nichts an . Hollfeld ist sein eigener Herr ; er kann thun , was ihm beliebt . « » Ich glaube , er hat gewählt . Dürfte ich , so wollte ich dir den Namen des jungen Mädchens nennen . « » Ist nicht vonnöten ... Ich werde ihn früh genug hören , wenn er von der Kanzel herab verkündigt wird . « Sein Gesichtsausdruck war eisig , die Stimme klang rauh und abweisend , und aus den Wangen schien auch der letzte Blutstropfen entwichen zu sein . » Rudolf , ich bitte dich , sei nicht so entsetzlich schroff ! « bat Helene flehentlich . » Ich weiß ja , daß du die vielen Worte nicht liebst , und bin an deine lakonischen Antworten gewöhnt ; aber in diesem Augenblicke bist du geradezu abstoßend , und gerade jetzt , wo ich eine Bitte an dich richten möchte . « » Sprich nur ; soll ich vielleicht die Ehre haben , Brautführer des Herrn von Hollfeld zu sein ? « Helene zuckte zusammen vor dem schneidenden Hohne , mit welchem diese Worte gesprochen wurden . » Du bist dem armen Emil abgeneigt , und das macht sich heute wieder einmal recht geltend , « sagte sie vorwurfsvoll nach einer kleinen Pause , während welcher Herr von Walde aufgestanden war und mit raschen Schritten einigemal das Zimmer durchmessen hatte . » Ich bitte dich inständig , lieber Rudolf , höre mich ruhig an ; ich muß heute mit dir über die Angelegenheit sprechen ! « Er lehnte sich mit verschränkten Armen an einen Fensterpfeiler in der Nähe und sagte kurz : » Du siehst , ich bin bereit , zu hören . « » Das junge Mädchen , « hob sie stockend an , diesmal weniger infolge einer Gemütsbewegung , als weil sie der eiskalte Blick ihres Bruders einschüchterte , » das junge Mädchen , das Emil gewählt hat , ist arm . « » Sehr uneigennützig in der That ; weiter ! « » Emils Einkünfte sind nicht sehr bedeutend - « » Der arme Mann hat nur sechstausend Thaler Revenüen ; er muß notwendig dabei verhungern . « Sie schwieg , sichtlich betroffen . Ihr Bruder übertrieb nie ; die Summe , die er aufstellte , war sicher bis auf den Groschen richtig angegeben . » Nun , er mag schon reicher sein , als ich glaubte , « hob sie nach einer kurzen Pause wieder an ; » das kommt übrigens hier ganz und gar nicht in Betracht ... Ich habe die Erwählte sehr , sehr gern « - mit welcher Anstrengung sie sprach ! - » sie hat etwas gethan , wofür ihr mein schwesterliches Herz ewig dankbar sein wird . « Herrn von Waldes verschränkte Arme lösten sich ; er trommelte mit den Fingern der Linken so heftig gegen die Fensterscheibe , daß Helene meinte , das Glas müsse zerspringen . » Sie soll meine Schwester sein , « fuhr sie fort ; » ich will nicht , daß sie Emils Haus arm betrete , und möchte ihr sehr gern die Einkünfte von Neuborn zuweisen ... darf ich ? « » Das Gut gehört dir , du bist majorenn , ich habe hier durchaus nicht das Recht , zu verweigern oder zu erlauben . « » O ja , Rudolf , insofern , als du die nächsten Ansprüche an mich und mein Erbe hast ... Also bin ich deiner Zustimmung gewiß ? « » Vollkommen , wenn du denn durchaus der Ansicht bist , daß sie dazu gehöre - « » Dank , vielen Dank ! « unterbrach sie ihn und bot ihm die Hand ; aber er schien es nicht zu bemerken , obgleich sein Blick auf sie gerichtet war ... » Verdenkst du mir das ? « fragte sie nach einer Weile beklommen . » Ich verdenke es dir nie , wenn du den Wunsch hast , Menschen glücklich zu machen ; du wirst dich erinnern , daß ich dir stets bei dergleichen Gelegenheiten rückhaltlos die Hand geboten habe . Wohl aber mache ich dir den Vorwurf der Uebereilung ; du bist sehr schnell bereit , jenes junge Wesen ins Unglück zu stoßen . « Sie fuhr wie von einer Viper gestochen in die Höhe . » Das ist ein harter Ausspruch ! « rief sie heftig , » dein Vorurteil gegen