er bewohnte . Ihnen folgte der lange Zug der Verwandten und Gäste . Hans von Tucher führte Elisabeth von Scheurl , die als neue Edelfrau zwar weder stolzer noch prächtiger gekleidet einherschritt , als sie schon immer gethan , aber heute vielleicht noch schöner war als sonst , weil der Strahl einer milden Rührung auf ihrer Stirn ruhte , mit der sie sich sagte , daß es ihr Werk war , daß die geliebte Ursula dies schöne Fest des menschlichen Lebens begehen konnte . Gabriel Muffel führte Frau Eleonore Tucher , Stephan ' s Schwägerin , und so folgten noch viele Paare , bis die Spielleute kamen , die lustige Weisen aufspielten , indeß vom Sebaldsthurme alle Glocken feierlich läuteten , bis der Zug durch die herrliche Brautthür die Weihrauch durchduftete , festlich geschmückte erhabene Kirche betreten hatte und Braut und Bräutigam am Hochaltar vor den trauenden Priester knieeten . Eine große Menschenmenge war in der Kirche versammelt , und als Elisabeth um sich blickte , gewahrte sie Eberhard von Streitberg mit dem Propste Anton Kreß im Gespräch . Sie hatte jenen seit dem Maskenfest nicht wiedergesehen , denn wie schon vor diesem , seit sie nur wußte , daß er hier war , hatte sie jeden Ausgang vermieden , um ihm nicht zu begegnen , und ihn darum auch nicht wiedergesehen , noch von ihm gehört . Was wollte er immer wieder hier , wenn er nicht ihretwillen kam ? was mußte sie von ihm fürchten ? was hatte er mit dem Propst so angelegentlich zu reden und dabei auf sie herabzublicken , als sei sie der Gegenstand des Gespräches ? - Ihr grauete , und doppeltes Weh erfaßte sie an dieser heiligen Stelle , an der sie selbst ein frevelhaftes Ja zu dem ungeliebten Mann gesprochen , weil jener Einst-Geliebte sie um den Glauben an die Liebe und an die Männer betrogen hatte . Sie war froh , als die Trauung vorüber war und sie sich diesen Basiliskenblicken wieder entziehen konnte . In ihrem Hause ward das glänzende Hochzeitsfest gefeiert , dem auch der König mit Kunz von der Rosen und andern seinen Rittern selbst beiwohnte . Auch der Markgraf von Brandenburg war erschienen und noch viele hohe Gäste , sammt Allen , die am Hochzeitszug sich betheiligt . Auch Konrad Celtes war zugegen . König Max selbst hatte seine Gegenwart gewünscht und beschlossen , den Dichter ganz an sich zu fesseln , Elisabeth sah ihren Wunsch erreicht , ihr eigenes Streben dazu war mit einem glücklichen Erfolg gekrönt : in ihrem eigenen Hause sah sie den König und den Dichter vereint und sich nahe gebracht , wie sie schon vor zwei Jahren zu König Max gesprochen : » Mich kümmert es wohl , die beiden einzigen Männer , die ich als die edelsten ihres Geschlechtes verehre , berufen , dem gesunkenen deutschen Reiche wieder aufzuhelfen , Hand in Hand wirken zu sehen und die neue Zeit heraufzuführen , der Alle , welche denken können , sich entgegensehnen . « Elisabeth beobachtete gegen Celtes wie gegen den König eine gleich strenge Zurückhaltung - eine strengere als vordem . Weder dem Einen noch dem Andern hatte sie ein Alleinsein mit ihr gestattet , obwohl der königliche Gast in einer aufgeregten Stunde einen Versuch gemacht hatte . Sie hatte sich Kunz von der Rosen zu ihrem Schützer und vertrauten Freund gewählt und ihm darauf gesagt , daß sie von ihm fordere , dafür einzustehen , als des Königs kluger Rath , daß jener das Recht der Gastfreiheit nicht verletze , noch daß sie selbst genöthigt werde es zu thun . Kunz nahm dabei noch einmal vor der ernsten Frau die Narrenmütze ab und sagte , daß er sich freue , unter allen feinen Kunststücklein Nürnbergs das feinste bei ihr zu finden : das schöne Weib eines alten Gatten , das ihm , selbst dem schönsten und mächtigsten Herrscher gegenüber , die Treue bewahre - und er werde Alles aufbieten , daß solch ' heilig Kunstwerk selbst unverletzt bleibe , ja unbedroht von jedem Vandalismus . Seitdem war ihr der König mit erneuerter Achtung begegnet , und als sie an dem Hochzeitsfest , da er im Gespräch mit Celtes war , in seine Nähe kam , rief er sie zu sich und sagte : » Nun , edle Frau - seid Ihr nun mit mir zufrieden ? Mir fiel eben ein , wie ich einst mit Euch tanzte und Euch versprach , jede Bitte zu erfüllen , die Ihr an mich richten möchtet : Ihr batet für das Brautpaar und für Konrad Celtes - für Euch selbst wußtet Ihr nichts , und endlich besannt Ihr Euch darauf , daß ich einmal in Eurem Hause wohnen möchte . Das ist geschehen und auch das Andere ist erfüllt : das Brautpaar ist heute vermählt und Konrad Celtes wird mich begleiten und im Dienste des römischen Königs Größeres noch wirken können , als in dem des Bischofs von Worms . « » Majestät , « sagte Elisabeth , » verzeiht , wenn ich noch nicht die rechten Worte fand für meinen Dank ! « » Nicht Dank ! « antwortete er . » Als ich Euch die Rose gab , sagte ich Euch , daß ich , wenn Ihr sie mich wiedersehen ließet , Euch jeden Wunsch erfüllen würde , den Ihr daran knüpft . Die Rose habt Ihr wohl mir immer zu Ehren getragen , aber einen Wunsch habt Ihr nicht daran geknüpft . « » Ihr sagt es selbst , « antwortete sie , » daß Ihr heute alle meine Wünsche erfüllt habt - für mich selbst ist nichts mehr übrig zu wünschen - « und zu hoffen ! dachte sie dabei und lächelte befriedigt , weil sie vor uneingestandenen Schmerzen hätte weinen mögen . » Die Rose bleibt mir als Talisman , « fuhr sie fort , » wer weiß , welche Gnade ich noch einst damit von Euch erbitte - heute kann ich Euch nur danken für die schon erwiesene