viel Aufsehen wie die erste ; denn die Menschen fügen sich in vieles , und manche neue Erscheinung , die sie im ersten Augenblick mit Keulenschlägen empfingen , ist ihnen im Lauf der Zeiten vertraut und befreundet oder , oft richtiger gesagt , zur Gewohnheit geworden . An diesem Tage begehrte Friedrich von seinem Vater eine Unterredung , die er die ganze Woche schüchtern aufgeschoben hatte . Er stellte ihm vor , daß es jetzt höchste Zeit sei , an die Einrichtung eines kleinen Hauswesens zu denken , und daß er zu diesem Zwecke sein mütterliches Vermögen heraushaben müsse . » Nun , nun « , sagte der Alte , » es hat ja noch Zeit . Ich seh überhaupt nicht ein , wozu du so viel Geld brauchst . Du hast ja selbst gesagt , du wollest froh sein , wenn du mir als Knecht dienen dürfest . « » Ich bin ' s zufrieden « , entgegnete der Sohn , » aber ich muß doch wenigstens eine Stube haben , wo ich mit meinem Weib drin wohnen kann . « » Als Knecht kannst du bei mir wohnen wie bisher . « » Ja , wollt Ihr denn mein Weib auch zu Euch ins Haus nehmen ? « fragte der Sohn mit einem Freudenschimmer in den Augen . » Das kommt noch aufs Wohlverhalten an « , antwortete der Vater mit einem spöttischen Blick . » Am End wär ' s freilich das best , ich nähm euch beide unter Aufsicht ; ihr könntet ' s vielleicht brauchen . « Der Alte ging seinen häuslichen Verrichtungennach , ohne sich zu einer bestimmten Erklärung bringen zu lassen . Ein paar weitere Versuche seines Sohnes liefen ebenso ab , und er erhielt nichts als ausweichende , rätselnde , stichelnde Antworten , wobei der Alte jedesmal ein Geschäft oder einen Besuch zu benützen wußte , um das Gespräch abzubrechen . Friedrich verging beinahe vor Unmut und Ungeduld , aber er hatte Christinen versprechen müssen , diese letzten Tage der Prüfung vollends in Ruhe auszuharren . - » Sieh , ich hab Eselsgeduld « , sagte er oft zu ihr . Unterdessen war die Sonnenwirtin nicht müßig gewesen , im Wege der Gunst wie des Hasses auf ihre Gönnerin , die Amtmännin , und durch diese auf den Amtmann einzuwirken . » Es wäre ja doch schrecklich « , sagte sie , » wenn so ein eigensinniger , gewalttätiger Trotzkopf vernünftige Leute abzwingen könnte . « Der Amtmann , der sich gleichfalls von ihm überrumpelt sah , hatte , nachdem die erste kirchliche Handlung durchgesetzt war , doppelte Lust gewonnen , die Heirat doch noch am Ziele zu hintertreiben . Er schalt auf die Regierung , welche viel zu liberal sei und das junge Volk , wenn es nur brav Dispensgelder bezahle , ins Blaue hinein heiraten und den Gemeinden zur Last fallen lasse ; übrigens , meinte er , der Sonnenwirt brauche nur den Taugenichts aus dem Hause zu jagen und jede Verbindung mit ihm abzubrechen , dann habe er allen Boden unter den Füßen verloren , und wenn ihn die Regierung zehnmal für volljährig erkläre , so nehme ihn eben die Gemeinde nicht an . » Dafür laß Sie nur mich sorgen , Frau Sonnenwirtin . « » Wenn nur mein Mann nicht so schwach war ! « erwiderte die Sonnenwirtin hierauf . » Er will sich ' s nicht nachsagen lassen , daß er seinen Sohn , der ihm als Knecht zu dienen erbötig ist , von sich gestoßen hab , und doch kränkt ' s ihn auch wieder , daß er ihm sein Mütterlich ' s hinauszahlen soll , denn die Zeiten sind eben gar schwer . Die Eve Marget und die Magdalene haben ihren Anteil auch stehenlassen müssen , mit Vorbehalt , daß sie nachher am Vater mehr erben sollen . Nun besorgt er , wenn der Bruder sein Sach ganz rauskriegt und auf einmal , so könnten die Schwestern auch rebellisch werden . Er glaubt , er hab eigentlich die Nutznießung davon sein Leben lang , aber er weiß nicht gewiß , ob man sie ihm nicht vielleicht strittig könnt machen . « » Jedenfalls « , bemerkte der Amtmann , » ließe sich dieser Streit in die Länge ziehen , ich sehe jedoch nicht ein , zu was das in der Hauptsache führen sollte , denn wenn der Sonnenwirt seinem ungeratenen Sohne die Existenz garantiert , so kann ihn niemand am Heiraten hindern . Übrigens will ich mir die ganze Sachlage noch einmal in Revision nehmen und sehen , ob noch etwas zu machen ist . « Unter solchen Beratungen war die zweite Proklamation vorübergegangen , und der Vorteil des unabänderlichen Laufes der Dinge schien ganz auf Friedrichs Seite zu sein , als der Amtmann die Sonnenwirtin rufen ließ . » Gratuliere , Frau Sonnenwirtin « , sagte er , » zur leibeigenen Schnur ! « » Was ? leibeigen ? « rief die Sonnenwirtin . » Und davon hat das schlecht Gesindel gar nichts gesagt ? Das hebt ja alle Verpflichtungen auf ! « » Vielleicht haben sie es selbst nicht mehr recht gewußt « , sagte der Amtmann , » denn die Sache ist etwas in Vergessenheit geraten . Tatsache aber ist es , daß der Hans Jerg Müller und die Seinigen zu gnädigster Herrschaft im Verhältnis der Leibeigenschaft stehen . « » Dann « , rief die Sonnenwirtin mit einem Strahl von Hoffnung , » ist ' s doch möglich , daß der stolz Bub sein Kopf noch ändert . Eine Leibeigene wird er nicht zur Frau haben wollen . « » Diese Verhältnisse ließen sich ja mit Geld abkaufen « , bemerkte der Amtmann , » denn dazu ist gnädigste Herrschaft stets geneigt . Ohnehin bestund es , in neuerer Zeit wenigstens , aber schon seit lange , in einer jährlichen Geldabgabe . Früher mögen schwerere körperliche Leistungen erfordert worden sein : da es mich nicht interessiert hat , so habe