nicht entging . Es blitzte wo sie erschien , die Konversation wogte in sanften Wellenlinien einer gewählten Sprache , aber sie stockte plötzlich , wenn sie zu anderen Kreisen sich wandte . Man fühlte sich genirt , wo sie hinzutrat , und frei , wenn sie den Rücken gedreht . Das wird freilich in allen Gesellschaftskreisen sein , wo eine an Geist und Bildung überragende Erscheinung der Unterhaltung ihr Siegel aufdrückt , die minder Gebildeten fühlen das unsichtbare Joch , die Magie des Geistes , gegen die sie , ohne sich selbst bloß zu geben , nicht rebelliren dürfen , sie fühlen sie sogar doppelt , wo der Geist sich zu ihren Vorstellungen herablässt , und sie würdigt , in ihrer Sprache zu reden . Aber diese Gesellschaft war eine ungleich andere , als die gemischte , in der wir neulich die Geheimräthin zu beobachten Gelegenheit hatten . Sie war eine gewählte . Die Geheimräthin kannte Alle , sie wußte was man vermeiden , was man andeuten dürfe , und doch traf sie es nicht , daß es den Leuten wohl ward . Eine liebenswürdige Wirthin , eine geistvolle Frau ! war das allgemeine Urtheil ; wohlverstanden das , was Zwei sich sagten , die sich und ihre Meinungen noch nicht kannten . Wenn sie sich verständigten , kamen einige » Aber « hinterher . » Aber sehr scharf . « - » Geistreich , sehr geistreich , aber ihr Geist schneidet . « - » Enfin , « sagte ein Dritter , » sie hat Alles , um eine Gesellschaft zu entzücken , nur fehlt ihr der Aplomb . « Es waren Wandelsterne und Fixsterne . Zu jenen gehörten die Wirthin und ihre Pflegetocher . Wenn Jene mit ihrem leisen Tritt die Kreise durchwandelte , konnte man sie mit einer Geistererscheinung vergleichen . Das ist ein gewagtes Gleichniß ; aber eben so gewagt ist es doch , wenn Andere Adelheid mit dem aufgehenden Morgenstern verglichen , oder gar mit einer Sonne , die Frohsinn und Lust verbreite . Wer schärfer gesehen , hätte vielleicht auch die Anstrengung des jungen Mädchens bemerkt , so zu erscheinen , wie die Pflegemutter es wünschte , immer munter , naiv , geistreich . Es war noch ein anderer weiblicher Stern von sehr verschiedener Natur , auf den wir später treffen werden . Jean Paul war noch nicht da , auch Herr von Wandel ließ noch auf sich warten . Dagegen schien an dem großen Ofen eines Nebenzimmers einer der Fixsterne zu stehen in der Person des französischen Gesandten Laforest . Der Diplomat brauchte seine Kreise sich nicht aufzusuchen , oder er wollte es nicht , aber er zog magnetisch die kleinen Lichter an sich . Er war heute sehr aufgeräumt und liebeswürdig , behauptete man . Ein Bonmot ging schon durch die Zimmer . Auf eine unbescheidene Frage : was ihm in Berlin am besten gefalle , hatte er geantwortet : die Oefen . Andere hatten schon gehört , daß er gesagt : es sei das einzige Gute , was er in Berlin gefunden . Noch Andere , er habe gesagt : in einer Stadt , wo er nichts kalt und warm gefunden , sei eine Maschine , die man nach Belieben heizen und kühlen könne , der preiswürdigste Gegenstand . In einer Herrengruppe musterten Einige die Gesellschaft . Man wunderte sich , den Geheimrath Lupinus von der Voigtei unter den Gästen zu sehen . » Was wundert Sie das , « sagte der Regierungsrath von Fuchsius . » Er ist völlig frei gesprochen und Alles bleibt ja beim Alten . « » Aber sein Leben auch dasselbe . Es ist doch ein Skandal , wie ich hörte , « bemerkte ein Major noch in jüngeren Jahren ; er hatte nicht den preußischen Pli . » Wir bleiben Alle , was wir sind , « sagte aufseufzend Fuchsius . » Seit Lombard zurück , die Anstrengungen der Königin , neue Lebensgeister ins Ministerium zu bringen , gescheitert sind , ist es mit allen den guten Vorsätzen und den schönen Ansätzen vorüber . Welche treffliche Reden und Memoiren sind umsonst geschrieben . « » Zum Teufel mit den Reden ! « sagte ein General , den grauen Schnurrbart streichend ; aber es leuchtete noch Feuer aus seinen lebhaften Augen . » Das denkt vermuthlich der Geheimrath Lupinus auch , « fuhr der Rath fort . » Warum soll er sich geniren ? Es schwimmt ja Alles wieder in diesem Sumpfe süßer Gewohnheit weiter . Und wenn der Staat selbst sich auf dem Lotterbrette weiter streckt und wiegt , was darf er vom Einzelnen fordern , daß er sich aufrafft ! Der König , das gebe ich Ihnen zu , wünschte es - « » Wenn er nur wenigstens die französischen Orden nicht angenommen hätte ! « rief der General , der sich auf einen Stuhl gesetzt , und presste die Brust auf der Rabatte zusammen . » Schimpf und Schande ! Mag er sie der Clique austheilen , aber der preußische Ehrenrock ist beschimpft , wenn auch Militairs sie tragen müssen ! « » Das kommt auf Ansichten an ! « erlaubte sich der jüngere Militair zu entgegnen . » Der feindliche General , den Napoleon in seinen Bulletins lobt , fühlt sich doch mehr geschmeichelt , als selbst durch die Orden , die ihm sein eigener Fürst ertheilt . « » Spitzfindigkeiten , mein Herr von Eisenhauch ! « fiel der General ein . » Sie gerade würden sich am meisten schämen . - Alliancen , wo sie natürlich und möglich sind , ein Entschluß , wo die Ehre gebietet , und Krieg , wo es die Existenz gilt . « Fuchsins sagte , sich vorsichtig umblickend : » Nehmen Sie sich etwas in Acht . Man weiß in Saint Cloud , daß Sie ein militärischer Ideologe und ich weiß , daß Laforest Sie beobachten lässt . Aus Enghiens Beispiel wissen wir wenigstens , wie der neue Kaiser zu schrecken versteht . «