zu Elisabeth und gegen Jaromir gewendet , fügte sie hinzu : » Und über die Ihrige erstaun ' ich gar nicht - auch hört ' ich Manches aus der Schule schwatzen - Elisabeth wollte immer nur Gedichte von einem neuesten Dichter lernen und war deshalb auf einem ihrer Hauslehrer gar nicht gut zu sprechen , welcher behauptete : die neuen Dichter taugten alle nicht und gerade die , welche die Besten hießen , wären der Leute Verderben - was würde er gesagt haben , wenn er jetzt , wie sonst so oft , mich auf der Wanderung hierher begleitet hätte . « So scherzte Aurelie ungezwungen und muthwillig , wie immer ihre Weise gewesen war . Die Drei nahmen auf den Moosstufen neben einander Platz , so gut es eben gehen mogte . » Aber nun erzähle , wie Du eigentlich hierher kommst , « sagte Elisabeth zu Aurelie , » so allein und überraschend - und Du siehst eher aus , als ob Du von einem Spaziergang kämst , als von einer Reise ! « Aurelie nahm ihren Hut ab , knöpfte die Handschuh auf , zog sie aus , wickelte sich aus der seidnen Mantille heraus , warf Alles zusammen neben sich in ' s Gras und sagte lächelnd : » Sieh , da wirst Du Dich wundern ; ich bin nicht etwa gekommen , um wie sonst Euer Gast zu sein - ich bin nun Eure Nachbarin und wahrscheinlich Ihre nächste , Herr Graf ! « » Ich wohne in der Wasserheilanstalt ; « sagte dieser . » So ist mir , hab ' ich gehört , « fuhr Aurelie fort , » und ich wohne auch da - « » Du ? - Nicht möglich ! « rief Elisabeth . » Ich glaube , ich bin noch im Stande , Deinen Neid zu erregen , « plauderte Aurelie neckend weiter , » ich bin mit Oberst Treffurth hier , meinem Onkel . Die Tante ist schon lange kränklich , wie Du weißt , und der Arzt rieth ihr die Wasserkur . Seit der Verheirathung ihrer Tochter fühlt sie sich sehr verlassen und einsam , und da sie zu kränklich ist , um nur irgendwie dem Hauswesen noch vorstehen zu können , hingegen einer weiblichen Pflege und Umgebung bedarf , so hat sie sich eine Gesellschafterin in ' s Haus genommen . Erst hatte die Tante ihre Tochter in deren neue Heimath begleitet , mit dem festen Entschluß , sich selbst dort anzusiedeln - allein das gebirgige Klima hat ihr nicht zugesagt , die Aerzte haben es ihr als eine Unmöglichkeit geschildert , daß sie dort länger als ein paar Wochen zubringen könne , ohne ihre Gesundheit ganz zu untergraben . So hat sie denn nachgeben und ihren frühern Wohnort behalten müssen . Sehr verstimmt kam sie dahin zurück und bat mich zu ihr zu kommen , um ihr wenigstens auf kurze Zeit die Tochter zu ersetzen zu suchen . Wie ich nun ankam , war bereits davon die Rede , daß sie eine Wasserheilanstalt besuchen solle - es fragte sich nur welche ? Ich war natürlich gleich für Hohenheim um Deiner Nähe willen , doch flüsterte man sich in der Residenz leise zu : eigentlich sei die hiesige Anstalt erbärmlich , und Alles , was man darüber geschrieben und lobpreisend gefabelt , sei Nichts als eine Mystification des Publikums , eine neue Art Markschreierei , welche der Wasserdoctor von Hohenheim zu seinem Vortheil erfunden habe . « Jaromir lachte und sagte : » Man thut dem guten Doctor Unrecht - an der ganzen Mystification sind Sie allein Schuld , Elisabeth , das will ich Ihnen ein Mal später erklären , da Sie jetzt ungläubig lächeln . « Aurelie sagte : » das wäre wirklich so allerliebst , als seltsam - aber um meine Erzählung fortzusetzen : die Nähe von Hohenthal in dem neuen Badeort wirkte endlich auch entscheidend auf meine Tante und schneller als mit dem Entschluß ging es mit unsrer Abreise , daher erhieltst Du auch keine vorbereitende Nachricht . Gestern am späten Abend sind wir hier eingetroffen und haben uns nothdürftig placirt . Onkel und Tante folgen mir in einem Stündchen zu Euch nach . Unterdeß mag die Doctor Thal - - « Aurelie unterbrach sich plötzlich : » Ach , das hab ' ich Dir noch gar nicht einmal gesagt . Die Gesellschafterin meiner Tante ist nämlich niemand Anders , als die Doctor Thalheim , die Frau unsers Lehrers , welchen Du so schwärmerisch verehrtest und welcher - « Elisabeth fiel ihr in ' s Wort : » Nicht möglich ! « rief sie . » So haben sie sich ganz und für immer getrennt ? Und hat er ihr auch sein Kind nicht länger anvertrauen mögen ? « Sie war zu sehr überrascht von Aureliens Neuigkeit , zu gespannt auf deren Antwort , als daß sie hätte bemerken sollen , wie ein leises , bitteres Zucken , eine vorübergehende schauernde Blässe der Bestürzung über Jaromirs vorhin so glückstrahlende Züge flog - auch ward er bald dieser äußern Bewegung Meister ; doch Aureliens Blick war zufällig während derselben auf ihn getroffen ; jetzt fuhr sie fort : » Ich glaube , die Thalheim hat gesagt , sie sei von ihrem Mann geschieden , ihr Kind ist gestorben - das mag sie noch zusammengehalten haben , jetzt soll er gar nicht mehr nach ihr fragen . Man könnte wirklich neugierig sein zu wissen , was eigentlich zwischen den beiden Menschen vorgefallen , es hieß ja immer , er sei der beste Gatte von der Welt , und auf einmal , als sie kaum von der schwersten Krankheit genesen , verläßt er sie , um sich auf einer Reise zu amüsiren . Verdenken kann ich ' s ihm nicht , denn häßlich ist sie und furchtbare Langeweile mag er auch bei ihr gehabt haben . Aber daß er das nicht schon viele Jahre vorher empfunden hat ! Da nannte man aber die Armuth sein einziges