davon versprochen hatte - Beseligung , Verklärung , Offenbarungen die ich nicht empfand . Fidelis verfiel in eine unsägliche Schwermuth . Tagelang kam er gar nicht zum Vorschein , oder wenn - so doch nur in den Stunden wo die ganze Hausgesellschaft um mich versammelt war . In der ersten Zeit nachdem ich ihm sein Geständniß entlockt und ihm dadurch Hofnung gegeben hatte , war es ihm Bedürfniß und Labsal gewesen den Goldstrom der Empfindung schrankenlos an mir vorüberfluten zu lassen ; nun wurde er wieder sorgsam eingedämmt . Allein das kostet eine ganz andre Mühe als wenn der Damm nie weggerissen worden ist . Ich zitterte vor ihm ; ich war unsinnig genug zu fürchten er könne mir in einem Ausbruch von Verzweiflung Vorwürfe machen daß ich ihn nicht damals abreisen ließ . Ich hätte mein Leben drum gegeben , wenn ich das Verhältniß wieder auf den Standpunkt hätte führen können wo es bei meiner Rückkehr von Hannover war , als ich mich unbestimmt hofnungsfreudig neben ihm fühlte . Ich fragte ihn einmal ob er jezt viel arbeite . » Sehr viel , « entgegnete er . Doch ich hörte an seinem Ausdruck daß er nicht musikalische Arbeit im Sinn habe . Indessen nach und nach schien er doch wieder zu einiger Sammlung zu kommen , und der geliebten Musik mit Andacht sich zu widmen . Sie war ja seine erste Liebe ! - Es währte nicht lange so brachte er uns einige Gesänge aus dem Salomonischen Hohen Liede . Als ich sie hörte rief ich : » Fidelis ! ich sehe den Karfunkel und den Saphir auf Ihrem Goldreif ! « » Nicht wahr ? « fragte er und sah mich an . » Aber sie sind auch noch mit Perlen überrieselt , « setzte ich hinzu . » O , sagte er mit einem ganz unbeschreiblichen Ausdruck , Sie sind klug , Sibylle , so klug daß Sie das Gefühl nachfühlen ohne es wirklich zu fühlen . Das klingt etwas mystisch , nicht wahr ? Ich bitte , halten Sie es der Nachwirkung des mystischen Salomonischen Liedes zu gut . « Er selbst hatte wie immer den biblischen Text zusammen gestellt , aber nicht lateinisch - sondern zum ersten Mal deutsch . Mir traten die Thränen in die Augen über diese deutschen Worte . Sein Herz spricht darin - sagte ich zu mir selbst - zum ersten Mal hat es der Liebe Worte gegeben und das konnte nur in der Muttersprache sein . O ich begriff das Alles ! ich verfolgte all diese Schattirungen mit Rührung , mit Freude ; aber bei dem himmlischen Schluß des Gesanges , der so ganz auf Fidelis paßte : » Ich schlafe , aber mein Herz wacht « - sagte ich : » Bei mir ist ' s grade umgekehrt : ich wache , und mein Herz schläft . « Der Frühling war gekommen in seiner ewigjungen Lieblichkeit , mit seiner ewigneuen Erlösungskraft . Die winterliche Befangenheit schien sich zu lösen und vor den weichen Lüften zu schmelzen . Fidelis sah aus als habe er eine Auferstehung gehalten ; ich faßte wieder etwas Muth zum Leben ; da kam er eines Morgens zu mir mit der Erklärung : er müsse nun fort . » Fort ? jezt fort ? aber weshalb denn jezt ? « stammelte ich starr vor Erstaunen . » Gerade jezt ! entgegnete er mit einer himmlischen Liebe im Blick . Jezt ist es wieder uns Beiden möglich ohne Verzweiflung an einander zu denken - folglich ist die Trennung auszuhalten ; meinerseits sag ' ich nicht .... zu ertragen . « » Meinerseits .... nicht auszuhalten ! rief ich bewildert . Fidelis , ich komme um wenn Sie mich verlassen . « » Nicht doch ! nicht doch ! Sie ertragen Schmerz , Verlust , Täuschungen , Erfahrungen mit seltner Kraft . Sie haben früh gelernt sich zu fassen und zu überwinden , und das Schicksal hat Sie eine tüchtige Schule in dieser Richtung durchmachen lassen ; ich sage mit Ueberzeugung : Sie werden es ertragen , meine geliebte Gräfin . « » Ja , Fidelis , ja , ich werd ' es ertragen ! rief ich außer mir ; aber wie Niobe , indem ich versteinere . O bleiben Sie bei mir ! es ist in Ihnen ein Gemisch von Wärme und Kraft , von Energie und von Innigkeit , von Schwung und von Klarheit - welches um Sie eine eigenthümliche Atmosphäre voll Glanz und Frische verbreitet in der mir wol ist . Im tiefeinsamen Wald , im Hochgebirg , auf dem Ocean - da weht auch so ein wunderbar erfrischender Lebenshauch , so ein Aether der in unsrer engen schwülen kleinlichen Alltagswelt nicht wehen kann , und der sich daher in die Seelen der Auserwählten flüchtete , welche die großartigen Anlagen der Natur wie durch Mirakel auch großartig entwickelt und deren Tiefe , Höhe und Weite mit einer göttlichen Essenz von Liebe gefüllt und durchdrungen haben . Alle Menschen kommen mir vor wie Schatten .... aber Sie haben ein Sein . Sie können was Sie wollen - nicht heut und nicht morgen , sondern immer ! Sie halten fest , Sie vergessen nicht , Sie trösten sich nicht mit dem Endlichen darüber daß die Unendlichkeit nicht mit Händen zu greifen ist ! Sie sind unüberwindlich wie die gefeyten Helden der Romantik ! O lassen Sie mich leben von Ihrem Leben und bleiben Sie bei mir , Fidelis ! « » Aber siehst Du denn nicht , Du unseliges Weib , daß Du zehren willst vom Mark meines Lebens ? « fragte er mit einem Ton der mich durchschauerte . » Ja , ich seh ' es , « sagte ich vernichtet . » Nun dann werden Sie auch sehen , daß ich nicht bleiben kann , nahm er nach einer Pause das Wort . Ich liebe Sie - ich mögte aus Liebe den Athem meiner Seele und das Blut meines Herzens Ihnen geben - und Sie