Welt oder für den Himmel . Auch durfte sie ihr Vetter noch in den Vorhof begleiten , um sie der Priorin zu übergeben . Dort im Sprechzimmer durfte sie die letzten Worte mit ihm wechseln , die letzten Grüße ihren Lieben senden , den letzten Schwesterkuß ihm auf die Stirne drücken . Aber was sie ihm jetzt noch zu sagen hatte , das schien ihr besser gesprochen unter Gottes freiem Himmel , als da , wo die Heiligen an den Wänden auf ihre Worte lauschten . » Vetter , treibt ' s Dich , und Du kannst nicht anders , so zieh Dein Schwert gegen wen es sei , als ehrlicher Mann . Ist ' s Sünde , wird Gott es Dir verzeihen . Aber lieber Hans Jürgen , thu ' s nicht wie der Kasper sagt . Der Kasper , der mag Recht haben , aber vor Schlägen fürchtest Du Dich doch nicht . Wenn ' s auch klug ist , thu ' s nicht so mit dem Kurfürsten , wie er mit dem Vater . Halt ' auf Dich selbst . « Mit einem frohen Blick schlug er sich an die Brust : » Ich dienen , Männerchen machen , ich schweigen und lügen , damit - Agnes , so wahr - « Sie griff den Arm , den er zu einem Gelöbniß in die Höhe hielt : » Schwören sollst Du nicht . Um Gotteswillen schwöre nichts , denn Niemand weiß - aber lieber Hans Jürgen , so gefällst Du mir . So sollte Dich Eva sehen . « Sie wandte sich rasch ab , sie ergriff seine Hand , und mit hastigen Schritten eilte sie der Schwelle und der Thür zu , die jetzt in ihren Angeln knarrte , um hinter ihr - sich auf immer zu verschließen . Neunzehntes Kapitel . Der Ueberfall . Im Anfang war Frau von Bredow sehr traurig gewesen ; aber man kann nicht immer traurig sein . Der Knecht Ruprecht hatte die Kibitze wieder zwitschern gehört im Schilf . » Das ist ein gut Zeichen , gestrenge Frau ! « Er hatte die Tauben gezählt , und es fehlte keine . » Da stirbt im Jahr keiner aus dem Haus . « Und am Abend des Tages , wo Hans Jürgen mit Agnes nach Spandow gefahren , flogen drei Kraniche über die Burg . » Die Kraniche , Gestrenge , mit denen hat ' s was Eigenes . Die wilden Gänse sind dummes Vieh , die bedeuten nur einen strengen Winter ; aber die Kraniche sind kluge Thiere . Sie sehen das Verborgene , und wo ein Mörder ist , dem fliegen sie nach . Ja , es ist noch mehr Absonderliches in ihnen , und wo sie über ein Haus fliegen , das bedeutet große Ehre . « Wo sollte die Ehre herkommen ! Ihr Herr saß noch gefangen , und Jammer im Haus in Hülle und Fülle ; aber die klugen Vögel mußten doch etwas mehr wissen . War ja ein Schreiben des Dechanten eingegangen ; etwas verspätet , denn mit den Gelegenheiten sah es damals schlimm aus , und dunkel lautete es , aber doch tröstlich : sie solle , den Muth nicht verlieren , dem Herrn ihre Wege befehlen , und nebenbei hieß es , auf ihn , den Dechanten , allein vertrauen , denn es lasse sich noch vielleicht Alles zum Guten wenden . Und bald darauf war ein kurfürstlicher Reiter in die Burg gesprengt , und auf den Brief , den er dem Wachtmeister brachte , war die Einlagerung ausgeritten ; stumm und still , wie sie vorhin laut gewesen . Was der Bote sonst für Nachricht gebracht , das erfuhr Keiner . Nun war das Haus leer , und Frau von Bredow allein . Als so aller Lärm plötzlich stumm geworden , war ihr fast bang zu Muthe . Eine Thräne lief über ihre Backe . Da stand all ihr Unglück ihr erst recht vor Augen , ihre zerschlagenen Hoffnungen ; vor ihr lag es so trüb , ach so viel , so Großes , als hätte es vorhin in dem Gewirr keinen Platz gehabt . » Ach , du lieber Gott ! Was soll man anfangen ! « sagte die gute Frau , und wischte mit der Schürze über die Backe . Die Großmagd Anne Susanne blickte sie schlau an : » Gestrenge ! Der Herr ist fort . Da könnten wir ja mal scheuern . « » Scheuern ! « - Es mußte ein wunderbarer Klang sein . Die Thräne war verschwunden , eine helle Röthe zog sich über das eben noch blasse Gesicht der Edelfrau , und sie sah mit einem eigenen , fragenden Blick die kluge Magd an : » Du meinst , Anne Susanne ? « » So recht ordentlich , von , oben bis unten . Die Sonne kommt durch die Wolken . ' S wird ein warmer Tag ; da trocknet ' s balde . « » Da trocknet ' s balde , « wiederholte die Edelfrau . » So ein Tag kommt uns gar nicht wieder , Gestrenge . « » Da hast Du wohl Recht , aber , - « » Der Kaspar ist auch fort . Der läßt ja nicht Besen und Faß ran , wenn der Herr aus ist - « » Hast recht , ist ein unreinlicher Mensch , der Kaspar , aber ' ne treue Seele . « » Ach , Gestrenge , droben die Dielen und die Treppe , wie sieht das aus . Die Tauben , die rein flattern , und die kleinen Käuzchen , die Sperlinge , wenn der Herr sie füttert , und die Katzen ! Werden mit der Hacke d ' ran müssen . Der Besen thut ' s nicht mehr . « » Ob ' s aber auch recht ist , Anne Susanne ! Der Herr - « » I der wird auch froh sein , wenn er ' s nicht merkt . Man