lag gebeugt am Boden neben Haideröschen und netzte mit seinen Schmerzensthränen ihre schönen Haare . Clemens weinte ebenfalls wie ein Kind . Ehrhold dagegen stieß in gerechtem Grimme furchtbare Verwünschungen aus und erhob inmitten der bestürzten Hochzeitsgäste die Hand zum Schwur . Der Maulwurffänger fiel ihm in den Arm . » Halt ein ! « sagte er . » Nicht Du allein , nicht ein Einziger schwöre hier , wir alle , die wir Männer sind , verbinden uns in gemeinsamem Schwure zu gemeinsamer That ! Wer mir beistimmt , der thue , wie ich ! « Der Maulwurffänger kniete nieder . Alle ahmten seinem Beispiel nach . Dann erhoben sämmtliche Wenden zugleich mit dem Deutschen ihre Hände und dieser sprach : » So lange es noch Herren gibt , die ihre Macht mißbrauchen zum Nachtheile ihrer Untergebenen ; so lange noch ein Volk auf Erden lebt das in Armuth , Elend und Druck jammert und rechtlos umherirren muß : so lange laßt uns Brüder sein und mit einem Herzen , in einem Sinne handeln ! So lange laßt uns verbunden sein zur Befreiung des Volkes vom Druck der Herrschaft , welchen Namen sie auch führen mag ! So lange endlich laßt uns nicht schonen weder Gut , noch Blut , noch Leben ! Dazu verhelfe uns der gnädige Gott . Amen ! « In dumpfen Tönen sprachen alle Wenden diesen Schwur nach . Als das Amen monoton von ihren Lippen hallte , vernahm man in der Ferne Hufschläge eines davonjagenden Pferdes . Es war Magnus , der in schnellstem Carrière dem Ort seiner Bubenthat und der Rache der beleidigten Wenden entfloh.- Viertes Buch Erstes Kapitel . Der Fürst der Haide . Es war Ende September . Feuchte Schneestürme zogen brausend über die Haide und schleuderten hohe Kronen von den Wipfeln der uralten Tannen und Fichten , die sich mit ihren hundert Aesten wie ungeheuerliche Arme gespenstischer Riesen gegen die Wuth der Windsbraut schirmten . Der feuchte Boden , mit Schlinggewächsen , knorrigen Wurzeln , mit Nadeln und Tannenzapfen bedeckt , zeigte in der stürmischen Nacht nur an Stellen , wo die Waldung sich etwas lichtete , Schilder glänzenden Schnee ' s , auf denen Schaaren von Krähen saßen , die bei jedem neuen , pfeifenden Windstoß mit heiserm Gekrächz aufflogen und unstätt die in der Luft hin und her sausenden schwarzen Baumpyramiden umkreisten . Mitten in der dichtesten Wildniß thurmhoher Bäume lag eine sumpfige Waldwiese , die im Sommer nur mit einem wallenden Teppich ewig nickender Moorblumen bekleidet war . Ein ziemlich breiter und tiefer Fluß , der sich in zahllosen Krümmungen durch die endlosen Wälder wand , umspülte die Wiese mit seinen schwarzen , nie rauschenden Wellen . Der heiterste Sonnentag verwandelte sich in dem trüben Spiegel dieses schleichenden Gewässers in graue , kühle Dämmerung , und der silberne Glanz der Sterne zitterte und zerrann auf den still kräuselnden Fluthen wie bleicher Irrlichtsschein . Zuweilen trieb dieser Fluß kleine Inseln abgerissenen Moorbodens , die an hinein gestürzten , halb verwitterten Baumstämmen sich ansetzten und eine todesgefährliche , mit grünem Schlammmantel lockend verhangene Brücke bildeten . Schwarze Wasserschlangen und andere Insekten sonnten sich auf diesen zeitweilig erbauten Ueberbrückungen , bis ein plötzliches Anschwellen des Wassers den lockern Bau wieder zerstörte . Hart am Ufer dieses Flusses , der im weiten Halbbogen die erwähnte sumpfige Wiese umspülte , erhob sich ein breiter Erdwall von nur wenigen Fuß Höhe und hinter diesem starrten die schwarzen Mauern eines alten Gebäudes in die Luft . Epheu , Immergrün und wilder Hopfen umspannen einen großen Theil des Mauerwerks und überwölbten es im Frühling und Sommer mit grünendem Laubdache . Jetzt nickten die tausend und abertausend dünnen Aeste und Ranken blätterlos im Sturme und die großen feuchten Schneeflocken flimmerten kaum secundenlang an dem ruhelosen Geäst . Selten kamen Menschen in diese Gegend der Haide , da sie von allem Verkehr abgeschieden lag und durch natürliche Verhaue vom Winde niedergestürzter Riesenbäume fast unzugänglich gemacht wurde . Nur wer die Haide sehr genau kannte und durch kein Hinderniß sich abhalten ließ , in ihre unheimlichsten Abgeschiedenheiten einzudringen , fand diesen Versteck mit seinen schauerlichen Umgebungen . Der wallartige Aufwurf am Rande der moorigen Wiese , einige alte , Schanzen nicht unähnliche , Erhöhungen auf dem andern Ufer des breiten Flusses und mehrere auf der Wiese befindliche Reste zerstörten Gemäuers nebst der Umschrotung eines Brunnens deuteten auf ehemalige Befestigung dieses Ortes hin . Jetzt war Alles verfallen , begrast oder bemoost , und Sturm und Wetter nagten eben so unermüdet an den schwarzen Mauern , wie die begehrliche Welle des Flusses die uralten Erdschanzen unterwusch und zerstörte . Als wahrscheinliche Ueberreste einer Feste aus den Zeiten des an Raubnestern reichen Mittelalters nannte man diese Trümmer das Raubhaus . Wer es vom Volke kannte , mied es mit Absicht , da durch die gesammte Haide die Sage ging , die Moorwiese mit dem grauen Getrümmer sei schon seit Jahrhunderten von bösen Geistern bewohnt . Daß das arme unwissende Volk einem solchen Gerücht willig Glauben schenkte , war nicht zu verwundern , denn der Ort an sich schon weckte finstere Gedanken und vermochte die Einbildung mit schauerlichen Bildern zu ängstigen . Dazu kam , daß Viele , die zufällig oder durch Noth gedrungen dem Raubhause nahe gekommen waren , seltsame Stimmen gehört , unerklärliche Gestalten um die Ruinen , lohende Flammen auf Fluß und Wiese gesehen hatten - Erscheinungen , die ihre natürliche Erklärung in der sumpfigen , an entzündbaren oder leuchtenden Dünsten überreichen Umgebung fanden . Nach diesem von allem Volk gemiedenen und verrufenen öden Versteck wanderte in der erwähnten Sturmnacht ein einzelner Mann durch das Krachen , Stöhnen , Seufzen und Brüllen der vom Zorn der Elemente gegeißelten Haide . Die spärlichen Schneeflecke , im Dickicht zerstreut , waren seine Wegweiser . Immer richtete er seine Schritte nach diesen kleinen Lichtoasen in der grauenvollen Finsterniß der stürmischen Herbstnacht , und von ihnen geleitet errichte er nach langem Suchen das Ufer des schwarzen Flusses . Finster und leblos wie