um Sie verdient ! Durch den Präsidenten kenne ich aber auch das Verhältniß , in dem unsere Güter zu der Kirche stehen . Sagten Sie nicht , daß Sie sichere Hoffnung hätten , Domherr zu werden an des verstorbenen Fernow Statt ? Ja , wenn der Herr seinen Segen dazu gibt ! Und jetzt scheint Ihnen die Scheidung erlaubt , die Sie früher verwarfen ? Was bezweckt die Frage , gnädige Frau ! Nichts , gar nichts ! mein Herr Kaplan , denn ich bedarf Ihrer Antwort nicht , sagte Caroline spöttisch . Aber nun begreife ich den Eifer , mit dem Sie mir die neue Untreue meines Mannes zu verrathen eilten ; nun verstehe ich die dringende Ueberredung , mit der Sie mich veranlaßt haben , Sie gegen den Willen meines Mannes zu sehen ! Nun sehe ich ein , weshalb die Trennung unserer Ehe für Sie nicht mehr als unzulässig erscheint ! Es war vergebens , daß der Kaplan sie zu unterbrechen suchte , ihre Heftigkeit ließ es nicht dazu kommen . Sie selber haben mir die Augen aufgethan , rief sie , und jetzt erst sehe ich klar ! Aber Sie waren damit zu schnell , Herr Kaplan ! denn wie sehr ich Sie auch schätze , ehe ich mich und meinen Sohn völlig in die Abhängigkeit von einem Dritten überantworte , ehe ich die Reichenbach ' schen Güter dem freien Besitze ihrer Eigenthümer entziehe , ehe ich meinen Sohn und mich , auch dem verehrtesten Manne , auf Gnade und Ungnade übergebe , will ich lieber all das Leiden noch länger ertragen , das meine jetzigen Verhältnisse mir auferlegen . In dem Augenblick hörte man den Knaben in dem Vorsaal . Der Kaplan erhob sich . Er hatte sein ruhiges Lächeln nicht einen Augenblick verläugnet . Ueberlegen Sie , was Sie mir sagten , prüfen Sie meine Behauptungen , theure Freundin ! sprach er , und wenn Sie sich , wie Sie müssen , von meiner Wahrhaftigkeit überzeugt haben werden , wenn Sie , wie schon so oft , verzweifelnd nach Beistand und Rath verlangen , dann denken Sie , daß ein Diener der Kirche Nachsicht hat für die Verblendeten , daß er persönliche Kränkungen zu vergeben wissen muß . Ich darf und will mich nicht an Ihre Worte erinnern , gnädige Frau , denn Sie sind es nicht , es sind die Qualen der Eifersucht , die aus Ihnen sprechen . Er wollte sich entfernen , Caroline blieb stehen , ungewiß , was sie beginnen solle . Plötzlich fragte sie : Wo sagten Sie , wo wohnt die Schauspielerin , derer Sie gedachten ? Ich weiß es nicht , entgegnete der Kaplan , aber was thut es auch zur Sache , da Ihre Geduld und Liebe Ihrem Gatten zu verzeihen wünschen . Sie wendete sich zornig von ihm ab . Ist Dein Vater schon zu Hause , fragte sie den Knaben , der eben in das Zimmer trat . Felix bejahte es , und die Mutter befahl ihm , den Vater zu ihr zu bitten . Der Knabe richtete die verlangte Botschaft aus , fügte aber aus eignem Antriebe die Nachricht hinzu , daß der Herr Kaplan dagewesen und eben fortgegangen sei . Alfred wußte das bereits . Das ist komisch , sagte Felix , der Herr Kaplan kommt so oft , lieber Vater , aber immer , wenn Du nicht zu Hause bist . Er kommt immer nur zu der Mutter , nie zu Dir ! Alfred sah den Knaben überrascht an , erschrocken vor der sittlichen Verwahrlosung , die denselben bedrohte . Felix misdeutete die Bestürzung des Vaters und fügte begütigend hinzu : Ich meine , es ist doch unrecht von Mama , weil Du es ihr neulich verboten hast , als ich in der Nebenstube war . Ein Sohn als Angeber seiner Mutter ! ein Kind , eingeweiht in solche Mishelligkeiten ! sagte Alfred schaudernd zu sich selbst , und statt zu Caroline zu gehen , hieß er den Knaben der Mutter sagen , daß er behindert sei , sie zu sprechen , weil ein Geschäft ihn zwinge , auszugehen . Er eilte , im Innern von dem traurigen Ereigniß in seinem Hause beschäftigt , davon , um Sophie zu holen , die seiner bereits lange warten mußte . Als er durch die Säulenhalle vor seinem Hause schritt , vertrat ihm eine Frau den Weg . Es war Caroline . Was willst Du ? fragte er , überrascht sie zu sehen . Ich muß Dich sprechen , Alfred ! sagte sie . Jetzt nicht , jetzt nicht ! rief er ungeduldig . Hat Dir Felix nicht gesagt , daß ich beschäftigt sei ? Was soll die unnöthige Eile ? Alfred ! man will uns arglistig trennen , der Kaplan - Jetzt plötzlich ? rief er , aber halte mich nicht auf , spiele nicht Komödie , Caroline ! Ich bin nicht in der Laune , Dir dabei zu helfen , und die Straße ist kein Ort dazu . Was wir miteinander zu sprechen haben , kann bis morgen ruhen . Er wollte an ihr vorbeigehen , sie aber hing sich an seinen Arm und sagte ängstlich dringend : Alfred ! Du gehst zur Harkourt ! Woran soll ich mich halten , wenn mein Mann mich verläßt ? An die Nachrichten und an die guten Lehren des Kaplans , entgegnete er ihr , den ich Dir zu sehen verboten und dem Du die Nachrichten über die Harkourt vermuthlich verdankst . Er machte sich gewaltsam los und eilte davon . XXI Als Alfred zu Sophien kam , erkannte er selbst sie kaum wieder . Sie hatte zu der dunkeln , nonnenhaften Kleidung , die sie jetzt beständig trug , eine Haube aufgesetzt , die mit breiter Stirnbinde das Gesicht verhüllte . Die geschickte Anwendung von Schminke trug dazu bei , sie völlig unkenntlich zu machen , und neben Alfred in einen Platzwagen steigend , fuhr sie nach der Wohnung des Präsidenten . Wie sie