unbefriedigte Sehnen nach dem Glücke einer Mutter , das sie so tief nachzufühlen verstand , ausdrückte . - » Möchte ich , « setzte sie leise und mit feuchten Augen hinzu , » noch dereinst Ihre Schülerin werden können ! « Frau von Sevigné drückte die dargereichte Hand nicht mit höfischer , sondern mit menschlicher Zärtlichkeit an ihre Lippen und fügte leise Worte der Hoffnung hinzu , welche die junge Fürstin kopfschüttelnd anhörte . » Eine Stuart ! eine Stuart ! « sagte sie blaß werdend , mit Bitterkeit und Schmerz - » denken Sie , meine Liebe , ob sie Hoffnung auf Glück nähren darf - ob ihnen geschieht nach der Ordnung der Natur ! « » O , Madame , « rief die Sevigné , » so werden Sie wenigstens dazu bestimmt sein , uns zu lehren , wie man die Unbilden des Schicksals durch die Erhabenheit der Gesinnungen zu besiegen vermag ! « » Meinst Du , süße Trösterin ? « erwiederte die Prinzessin mit dem sanften Ausdrucke von Schwermuth , der zuweilen über den frischen Glanz ihrer Schönheit wie ein Wolkenschatten glitt . » Doch hier , « fuhr sie fort , alles persönliche Gefühl augenblicklich unterdrückend , » was wollen wir mehr ? Welch ' ein schöneres Bild mütterlichen Glückes können wir nach den Mittheilungen unserer Sevigné finden , als unsere theure Marschallin von Crecy ? « Und so neigte sie sich mit der vollen Anmuth einer Fürstin über die indeß zwischen Leonin und Louise eingetretene Marschallin , welche mit der eigenthümlichen Grazie , die einer vollendeten Dame von Range zukam , ihren Sohn der Prinzessin vorstellte . Leonin erschrack fast vor dem blendenden Glanze der Schönheit , der er nun gegenüber stand , und die unglückliche Henriette , die das zärtlichste Herz vergeblich in ihrer Brust trug , mußte sich mit den kleinen Triumphen zerstreuen , die ihr jeder Mann , der ihr zu nahen wagen durfte , bereitete . Sie sammelte lächelnd das Geständniß der Bewunderung von Leonin ' s sprachloser Blödigkeit ein , und erhob sich sodann ; denn das Rauschen der Thüren und die plötzliche tiefe Stille des Vorzimmers zeigte an , der König sei gekommen ! Ludwig der Vierzehnte stand auf dem Punkte des Alters , wo die Frauen den Männern erst das Prädikat des Interessanten beilegen , was für sie so wichtig ist , daß keine Jugend , keine Schönheit ohne diese Zugabe der Zeit ihnen die anmuthige Eigenschaft des Gefährlichen verleiht . Ludwig hätte nicht König zu sein brauchen , um allen Frauen als schön und ausgezeichnet zu erscheinen - aber als König rechnete man ihm die Vollendung als Mann um so höher an ; und in der That konnte sich Niemand ihm zur Seite stellen , er wäre im einfachsten Kleide in den hintersten Reihen der Erste geblieben . Als er eintrat , hatte er den Kopf halb über die Schulter gewendet , um den Herzog von Lauzun anzuhören , der ihm einige Worte sagte . Heiterkeit , Geist und Scherz lagen dabei auf seinem Antlitz ausgedrückt , und man konnte unmöglich anmuthiger lächeln , als eben der König , wie er dem Herzog einige Worte erwiederte . Jetzt aber erblickte er Madame Henriette , die mit der Lebhaftigkeit der Huldigung ihm entgegen eilte . Die leichte Haltung der kurzen Besprechung mit Lauzun war sogleich verschwunden - jetzt war er der huldigende Ritter , welcher , der Schönheit gegenüber , nur ihr Diener sein kann , und den Stolz , den er fühlen darf , nur von der Ehre ihrer Nähe empfängt . Als er die glänzende , blühende Fürstin zu ihrem Sitze zurückführte , hielt er ihre Hand so , daß er sie den Versammelten darzustellen schien ; und indem er selbst den gebieterischen erhabenen Anstand entfaltete , der seine Schönheit so imponirend machte , schien er nur stolz sein zu wollen als ihr Führer , von Allen für sie allein die Huldigung fordernd . Und doch war diese ihm fast ungetheilt zugewendet - denn er war Jedem in irgend einer Art ein Vorbild - ein erfülltes Ideal . Selbst Leonin hatte die schöne Henriette vergessen und alles Blut drängte sich zu seinem Herzen , als er den angebeteten Monarchen jetzt in einer Vollendung vor sich sah , die er früher weder Gelegenheit hatte zu beobachten , noch zu fassen . Der König zog ein Tabouret vor den Sitz , den die Prinzessin einnahm , und setzte sich nieder , als habe er Lust , knieend den lebhaften Worten derselben zuzuhören . Er hielt jedes Mal mit der Prinzessin auf diese Weise ein kurzes Zwiegespräch , welches anscheinend von Keinem der Hofleute beobachtet ward ; und doch war gewiß kein Wechsel der Miene oder der Farbe , kein Lächeln , kein Seufzer , welcher nicht von der argwöhnischen Schlauheit ihres Hofstaates belauscht wurde . Leonin aber sah Alles ohne Beziehungen und Berechnungen . Verloren war er in dem Anblicke dieser ungewöhnlichen Erscheinung , und Alles schien ihm gerechtfertigt , was er seit seiner Rückkehr von dem überschwänglichen Enthusiasmus der Menge erfahren , und was ihm mindestens überraschend geschienen . Als einen Helden , als einen Feldherrn hatte er ihn nennen hören , kühn , scharfsichtig und großartig im Rathe ; er hatte gefürchtet vor den ernsten Pathos eines römischen Imperators zu treten . Und jetzt sah er einen heiter lächelnden jungen Mann , mit einer Anmuth und Leichtigkeit der Bewegung , mit einem poetischen Schmelze der Augen und des Mundes - einen der schönsten Männer , der sich dessen nicht bewußt sein wollte , um den Frauen allein eine Huldigung zu gestatten , auf die er sie durch seinen Willen anwies , allen Männern auch hierin zur Richtschnur dienend . Leonin fühlte , daß diese Vereinigung etwas Erstaunenswürdiges , fast Berauschendes hatte , und daß man sich eben dem Zauber seiner Persönlichkeit so völlig ohne Rückhalt hingab , weil man seiner übrigen Herrscherfähigkeit gänzlich vertraute . Sein Alter hatte ihn vom Hofe entfernt gehalten , er