ging in die Ecke , worin sein Lager aufgeschüttet war , und sprach , es mit untergeschlagenen Armen betrachtend : » Dieses ist Stroh , und zwar krummes , keinesweges aber Schilf . « - Er nahm die Laterne , begab sich mit ihr hinaus , leuchtete auf dem Platze vor dem Gartenhäuschen umher und sprach : » Ein gewöhnlicher Schneckenberg , und was da unten murmelt , ist ein Wässerlein ohne Namen . « - Er holte den Becher oder Kothon , das heißt , den alten irdenen Topf aus dem Gartenhäuschen und zerschmetterte ihn mit den Worten : » Du sollst mich nicht mehr verführen ! « durch einen heftigen Wurf . Dann sank er auf sein Strohlager zu einem festen und erquicklichen Schlummer nieder . Nach wenigen Stunden , als das Frühlicht angeglommen war ( denn er brauchte wenig Schlaf ) , erhob er sich wieder , rückte ein altes Schreibzeug zurecht , fand glücklicherweise einen Bogen Papier und schrieb an den Schulrat Thomasius . Mit diesem Briefe in der Hand trat er hinaus in das Morgenrot . Er freute sich der aufsteigenden Sonne und rief : » Es ist denn doch ein anderes Ding , die liebe Gottessonne , als der längst begrabene Heidengötze Helios . « - » Guten Morgen , Agesel ! « rief eine Stimme von unten ihm zu . » O glückliche Vorbedeutung ! « sagte der Schulmeister , » ich werde wieder bei meinem Taufnamen genannt , ja , den Agesilaus hätten wir wohl hinter uns . « Hinabblickend sah er den Kreisboten , welcher , seinen braunen Stecken in der Hand und die schwarzlederne Skripturentasche über den Rücken gehängt , längst des Gartens durch die Dornen seinen Dienstweg schritt . » Halt ! « rief der Schulmeister und warf den Brief hinunter , » nehmt das an den Herrn Schulrat mit , Rittersporn , aus Gefälligkeit . « Er ging nach dem Schlosse , wo er das Fräulein , welche auch wenig geschlafen hatte , schon munter fand . » Könnte ich nicht eine nützliche Beschäftigung erhalten ? « fragte er sie . » O ja « , war die Antwort , » es ist Holz zu sägen und kleinzumachen . « - Fröhlich ging der Schulmeister nach dem Holzstall , stellte den Sägebock unter dem Fenster des Freiherrn auf und begann nun jene geräuschvolle Arbeit , von welcher im vorigen Kapitel die Rede gewesen ist , emsig und unverdrossen , sich schon freuend auf das Hacken , wenn das Sägen vorbei sein möchte . Letzteres wäre sonach erklärt , mit dem Rumoren aber hatte es folgende Bewandtnis . In den alten Baron war durch die industriellen Entwürfe der Nacht ein unauslöschliches Feuer gedrungen . Vor seinen Augen erhoben sich Brücken , Kunststraßen , Paläste , ja ganze Städte aus versteinerter Luft . Er hatte sich zwar , nachdem er Münchhausen verlassen , abermals niedergelegt , konnte jedoch jetzt ebensowenig schlafen , als vorher , sondern wälzte sich , die Luftbauten vor den brennenden Augen , schlaflos von einer Seite zur andern . Nicht lange währte es , so wurde er bei seiner Lebhaftigkeit des unangenehmen Bettes müde , sprang auf und ging , einen närrischen aber festen Plan im Busen , auf den Söller . Es war ihm nämlich eingefallen , daß die Streitigkeiten unter den Luftaktionären häklicht und spitzig ausfallen könnten , und daß es daher , um das Syndikat mit Auszeichnung zu verwalten , rätlich sein dürfte , im voraus den Scharfsinn auf gerechte Urteilsfällungen einzuüben . Er beschloß daher , sich eine vorläufige Gerichtsstube einzurichten , und zwar fern von störendem Geräusche , oben auf dem Söller in der sogenannten Polterkammer , in welcher Lisbeth die Notizen über die Zinsrückstände gefunden hatte . Münchhausen sollte , das war sein Entwurf , ihm erdichtete Rechtsfälle , wie sie die jungen Studenten im Praktiko nach den Pandekten ausklauben , vorlegen , und er wollte sie dann nach der ratio nunquam scripta des Luftrechtes entscheiden . Er schloß die Polterkammer im ersten Dämmer auf . An der schrägen Dachwandung , wo gebrochene Lichter sich zwischen den Ritzen der Ziegeln und Schindeln hindurchstahlen , stand ein ehemaliger L ' hombretisch mit eingelegten Holzfiguren auf drei Beinen , den ernannte er zur Gerichtstafel . Er mußte , um zu ihm zu gelangen , einige Reihen leerer Champagnerflaschen , drei alte zerbrochene japanische Vasen , ein messingnes Papageienbauer und ein verbogenes Jagdhorn wegräumen ; Zeugen und Denkmäler einstiger glücklicher Tage . Hierauf ließ sich der Tisch bequem in die Mitte der Polterkammer bringen und mit Hülfe eines Guéridons von vergilbtem Alabaster , der sich dort auch irgendwo fand , auf einen sicheren vierten Fuß stellen . In einer andern Ecke stand ein orangeplüschener Großvaterstuhl , den schob er als Richterstuhl hinter die Gerichtstafel . Nun fehlten nur noch die Akten , die Bücher und das Richterkostüm , um dem Ganzen das gehörige ehrwürdige Ansehen zu geben . Akten und Bücher fanden sich leicht , denn es lagen da ganze Bündel alter Papiere und Haufen schweinslederner Bände auf dem Boden umher . Er nahm verschiedene Konvolute unbeantwortet gebliebener Mahnbriefe auf und bedeckte damit die Gerichtstafel . An deren Rändern ringsherum stellte er den » Abbé de la Pluche « , » Schelmuffskys Reisen « , das » Curieuse Welttheater « und die » Asiatische Banise « samt dem » Leben der weltberüchtigten Frau Neuberin « als richterliche Hand- und Hülfsbibliothek auf . Das Kostüm ließ sich schwerer entdecken , doch war er auch in dieser Beziehung zuletzt glücklich . Denn als er von der der Dachwand entgegengesetzten einen Bettschirm mit Schäfern aus Geßners » Idyllen « hinweggetan hatte , sah er eine Reihe alter Kleidungsstücke an den Nägeln hangen . Unter diesen erblickte er einen schwarzen Domino , von dem er sich erinnerte , ihn auf der Vermählungsredoute des letzten Fürsten von Hechelkram getragen zu haben , eine Sammettoque , in der seine Gemahlin einst einen englischen Herzog bezaubert hatte , und eine