nehmen , auf etwas niedrigeren Lehnstühlen neben ihr zu beiden Seiten wollten Herzog und Herzogin sitzen . Zierliche Pagen in Blau und Silber standen hinter Thron und Lehnstühlen , und hielten auf weißen goldgestickten Atlaskissen die Ehrengeschenke , welche die geschicktesten Ritter aus den Händen der Königin als Dank empfangen sollten . In der Auswahl dieser schönen und kostbaren Sachen hatte die Herzogin ihren ganzen Geschmack bewiesen . Auf ihre Veranlassung , durch Wilhelmis und andrer Vertrauten Bemühungen war bunte Reihe gestiftet worden , die verschiednen Stände , Gäste in und ohne Kostüm , saßen gemischt untereinander , ja sie selbst hatte ein gutes blödes Kind , welches ängstlich nach einem freien Platze umherschaute , auf einen Sessel in ihrer Loge genötigt . Neben dem Kaufmann saß der Enterbte , der an dem Caroussel keinen Anteil nehmen wollte , und mit allerhand spitzigen Bemerkungen halblaut um sich warf . Dem herzoglichen Sitze grade gegenüber leuchtete der große , geräumige Pavillon von roter und gelber Leinwand , unter welchem sich die Kavaliere zu Roß versammelt hielten . Die Wappen des Herzogs und der Herzogin standen gepaart auf beiden Seiten der breiten Öffnung , behütet von kräftigen Schildhaltern . Als alles sich gesetzt hatte , richtete sich jeder Blick nach dem Pavillone . In diesem war ein kleiner Verzug entstanden . Unterwegs hatte sich nämlich , Hermann wußte selbst nicht wie ? ein Ritter zu den übrigen gefunden , welcher eine halbe Larve vor dem Gesichte trug . Sein Putz überstrahlte an wilder Pracht den der andern weit , ebenso auffallend erschien sein Tier . Als man ihn fragte , wer er sei , antwortete er , er nenne sich den Neffen des Enterbten . Im Pavillon verlangte Hermann , daß jener sich demaskieren solle , welches höflich aber bestimmt verweigert ward . Hermann wußte nicht recht , wie er sich hiebei zu benehmen habe , während er aber noch zaudernd stand , ertönte der erste Trompetenstoß , und nun war keine Zeit zu verlieren . Um kein Aufsehn zu erregen , und in der Meinung , daß hier ein artiger Scherz beabsichtigt werde , reihte er den Neffen des Enterbten eiligst bei dem letzten Gliede ein , während die Trompeter schon aus dem Pavillon ritten . So breit war die Öffnung des letztern , daß mit Bequemlichkeit sechs Mann hoch ausgeritten werden konnte . Voran zogen zwölf Trompeter und Pauker , ihre Instrumente mit schwerem Silberzeug verziert . Hinterdrein folgte der Herold , in der Rechten eine große Pergamentrolle haltend . Nach ihm ritten in vier Zügen vierundzwanzig Kavaliere mit entblößten Schwertern . Dieser herrliche und glanzvolle Aufzug bewegte sich unter den Tönen eines triumphierenden Marsches längs der Umschränkungen des Platzes hin . Als er vor dem Balkone des fürstlichen Paars angelangt war , senkten die Kavaliere die Schwerter , schwieg die Musik , entfaltete der Herold die Pergamentrolle . Er verlas die Namen der Edelleute , und erbat für sie von dem Burgherrn und der Burgfrau Vergunst , ritterlich Wesen sehn lassen zu dürfen . Die Herrschaften neigten sich gewährend , der Zug setzte seine Runde fort . Nach deren Vollendung zogen sich die Kavaliere wieder in den Pavillon zurück , Trompeter und Pauker aber schwenkten ab , und ritten unter dem Balkone der Herrschaften auf . Nunmehr war es an der Zeit , zu der Wahl zu schreiten , welcher alle schönen Busen mit gerechter Bewegung entgegenschlugen . Ein andrer Herold in Friedenskleidern , einen Kranz in den Haaren , kam geritten , hielt in der Mitte des Platzes , und rief mit lauter , verständlicher Stimme : Wann wird der Dank zum lieblichen Gewinne ? Wann ihn die Kön ' gin beut der Schönheit und der Minne ! Wem ziemt die Wahl ? Den Schönheit setzt in Qual ; Wohlauf , ihr Herrn ! Erkiest sie allzumal ! Die Herzogin hatte nämlich , um Neid und Eifersucht möglichst zu entfernen , beschlossen , dem Zufall das Amt aufzutragen . Jeder Herr sollte auf ein elfenbeinernes Täflein den Namen derjenigen schreiben , welcher er die Würde zudachte . Aus diesen Täflein , in eine Urne geworfen , sollte dann Damenhand das beglückte Los ziehn . Anfangs hatte sie sich hiebei ganz auf den Takt der Anwesenden verlassen zu dürfen geglaubt , bei der nunmehr doch sehr gemischten Natur der Gesellschaft waren aber den beiden Edelknaben , welche die Stimmen einsammeln sollten , geheime Anweisungen erteilt worden , und wir dürfen wohl verraten , daß bei dieser Gelegenheit der Unterschied der Stände scharf im Auge gehalten wurde . » Was bedeutete der Spruch jenes Menschen ? « fragte der Kaufmann seinen Nachbarn . » Nichts « , versetzte der Enterbte , » er drehte sich , wie das ganze Fest , um nichts . « Die beiden Edelknaben , der eine mit den Täflein , der andre mit der Urne näherten sich ihnen . » Ich wüßte keine , der ich die Palme gönnte « , sagte der Enterbte ; » geschwind , alter Herr , fällt Ihnen kein Mädchenname bei ? « Der Kaufmann erwiderte : » Meine Bekanntschaft unter dem jungen Frauenzimmer ist auch sehr schwach , ich kenne fast niemand außer meiner Tochter Cornelie . « - » Bravo ! « rief der Enterbte , schrieb und warf sein Täflein in die Urne . Nachdem die Knaben den Umgang gemacht hatten , erhob der Herold wieder seine Stimme und rief : Die Lose ruhn verhüllt ! Von Frauenhand Wird nun in des Geschickes Dienst gezogen , Und glücklich , die der zarte Finger fand ! Die andern doch sind auch nicht ganz betrogen . Ob sie auch fern vom Thron des Festes blieben , Ein Herz beherrschen sie ; des , der sie aufgeschrieben ! Diese Wendung fand allgemeinen Beifall . Man wiederholte sie lachend und scherzend ; die anmutigsten Gesichter mußten die meisten Neckereien anhören . Ein alter lustiger Herr sagte : » Dies ist sonach die wahre Republik Polen , wo jeder , wenn er