über welche ich übrigens hinweggehen kann , da sie einen Fremden nicht interessieren . « » Nein , nein ! « rief der Lord ; » ich habe schon öfters von dieser kritischen Wut Ihrer Landsleute gehört . Zwar haben auch wir , z.B. Edinburg und London einige Anstalten dieser Art , aber sie werden , höre ich , in einem ganz anderen Geiste besorgt als die Ihrigen . « » Allerdings sind diese Blätter in meinem Vaterlande , eine sonderbare , aber eigentümliche Erscheinung . Wie in unserer ganzen Literatur immer noch etwas Engbrüstiges , Eingezwängtes zu verspüren ist , wie nicht das , was leicht und gesellig , sondern was mit einem recht schwerfälligen gelehrten Anstrich geschrieben ist , für einzig gut und schön gilt , so haben wir auch eigene Ansichten über Beurteilung der Literatur . Es traut sich nämlich nicht leicht ein Mann oder eine Dame in der Gesellschaft ein Urteil über ein neues Buch zu , das sich nicht an ein öffentlich ausgesprochenes anlehnen könnte ; man glaubt darin zu viel zu wagen . Daher gibt es viele öffentliche Stimmen , die um Geld und gute Worte ein kritisches Solo vortragen , in welches dann das Tutti oder der Chorus des Publikums einfällt . « » Aber wie mögen Sie über diese Institute spotten , mein Herr Baron ? « unterbrach ihn der Lord ; » ich finde das recht hübsch . Man braucht selbst kein Buch als diese öffentlichen Blätter zu lesen , und kann dann dennoch in der Gesellschaft mitstimmen . « » Sie hätten recht , wenn der Geist dieser Institute anders wäre . So aber ergreift der , welcher sich nach diesen Blättern richtet , unbewußt irgend eine Partie , und kann , ohne daß er sich dessen versieht , in der Gesellschaft für einen Goethianer , Müllnerianer ; Vossiden oder Creuzerianer , Schellingianer oder Hegelianer , kurz für einen Y-aner gelten . Denn das eine Blatt gehört dieser Partie an , und haut und sticht mehr oder minder auf jede andere , ein anderes gehört diesem oder jenem goßen Buchhändler . Da müssen nun fürs erste alle seine Verlagsartikel gehörig gelobt , dann die seiner Feinde grimmig angefallen werden , oft muß man auch ganz diplomatisch zu Werk gehen , es mit keinem ganz verderben , auf beiden Achseln ( Dichter- ) Wasser tragen und indem man einem freundlich ein Kompliment macht , hinterrücks heimlich ihm ein Bein unterschlagen . « » Aber schämen sich denn Ihre Gelehrten nicht , auf diese Art die Kritik und Literatur zu handhaben ? « fragte der Marquis ; » ich muß gestehen , in Frankreich würde man ein solches Wesen verachten . « » Ihre politischen Blätter , mein Herr , machen es nicht besser . Übrigens sind es nicht gerade die Gelehrten , die dieses Handwerk treiben . Die eigentlichen Gelehrten werden nur zu Kernschüssen und langsamen , gründlichen Operationen verwandt , und mit vier Groschen bezahlt . Leichter , behender sind die Halbgelehrten , die eigentlichen Voltigeurs der Literatur . Sie plänkeln mit dem Feind , ohne ihn gerade gründlich und mit Nachdruck anzugreifen ; sie richten Schaden in seiner Linie an , sie umschwärmen ihn , sie suchen ihn aus seiner Position zu locken . Auch dürfen sie sich gerade nicht schämen , denn sie rezensieren anonym , und nur einer unterschreibt seine kritischen Bluturteile mit so kaltem Blute , als wollte er seinen Bruder freundlich zu Gevatter bitten . « » Das muß ja ein eigentlicher Matador sein ! « rief der Lord lächelnd . » Ein Matador in jedem Sinne des Worts . Auf spanisch - ein Totschläger , denn er hat schon manchen niedergedonnert ; und wahrhaftig , er ist der höchste Triumph dieser Matador , und zählt für zehen , wenn er Pacat ultimo macht . Und bei den literarischen Stiergefechten ist er Matador ! denn er , der Hauptkämpfer ist es , der dem armen gehetzten und gejagten Stier den Todesstoß gibt . « » Gestehen Sie , Sie übertreiben ; - Sie haben gewiß einmal den unglücklichen Gedanken gehabt , etwas zu schreiben , das recht tüchtig vorgenommen wurde , und jetzt zürnen Sie der Kritik ? « Der junge Deutsche errötete . » Es ist wahr , ich habe etwas geschrieben , doch war es nur eine Novelle , und leider nicht so bedeutend , daß es wäre rezensiert worden ; aber nein ; ich selbst habe einige Zeit unter meines Oncles Protektion den kritischen kleinen Krieg mitgemacht , und kenne diese Affären genau . Nun , mein Oncle brachte mir also die verschiedenen Formen und Klassen bei . Die erste war die sanftlobende Rezension . Sie gab nur einige Auszüge aus dem Werk , lobte es als brav und gelungen , und ermahnte auf der betretenen Bahn fortzuschreiten . In diese Klasse fielen junge Schriftsteller , die dem Interesse des Blattes entfernter standen , die man aber für sich gewinnen wollte . Hauptsächlich aber war diese Klasse für junge schriftstellerische Damen . « » Wie ? « erwiderte der Lord , » haben Sie derer so viele , daß man eine eigene Klasse für sie macht ? « » Man zählte , als ich noch auf der Oberwelt war , sechsundvierzig jüngere und ältere ; Sie sehen , daß man für sie schon eine eigene Klasse machen kann , und zwar eine gelinde , weil diese Damen mehr Anbeter und Freunde haben , als ein junger Schriftsteller . Die zweite Klasse ist die lobposaunende . Hier werden entweder die Verlagsartikel des Buchhändlers , der das Blatt bezahlt , oder die Parteimänner gelobt . Man preist ihre Namen , man ist gerührt , man ist glücklich , daß die Nation einen solchen Mann aufweisen kann . Die dritte Klasse ist dann die neutrale . Hier werden die Feinde , mit denen man nicht in Streit geraten mag , etwas kühl und diplomatisch behandelt . Man spricht mehr über das Genus ihrer Schrift und