für diese tröstliche Zusage . Charlotte aber fuhr fort : » Und wenn Ihr meinen Bruder wiederseht , James , so grüßt ihn und sagt , daß es mein einziger Kummer ist , seinem Staube gar keine Ehre zu erweisen , ihn so weit , weit entfernt begraben zu sehen ! « - In diesem Augenblick ließ eine zufällige Veränderung meiner Stellung mich durch das Fenster einen Menschen erblicken , der sich halb hinter eine alte Esche ganz nah an dem Fenster verbarg . Jetzt kam er einen Schritt näher , und ich erkannte , daß es Robert Goraich war ; er lehnte sich an den Baumstamm und blickte aufmerksam auf das Fenster , seine Arme hingen leblos herab , seine ganze Gestalt bewies die gänzliche Abwesenheit seiner Gedanken . Ich war im Begriff , Charlotte auf diese Erscheinung aufmerksam zu machen , als ein lauter Schrei des jüngsten Kindes , das Cecile so eben auf die Arme genommen hatte , unser sonderbares Gespräch unterbrach . Cecile entschuldigte seine Unart und suchte , ihn auf den Armen wiegend , durch den summenden Gesang zu beschwichtigen , mit dem Wärterinnen die Kinder einzuschläfern pflegen . Dazwischen tröstete sie das Kind gaelisch und entschuldigte sich bei uns auf englisch ; zugleich bemerkte ich , daß sie in ihrem Gesang und ihrer Zusprache oft die Worte : » geh , geh zur Ruh « ! aussprach , wobei sie das Kind weit von sich weghielt , als wollte sie es von sich legen . Nach und nach ging ihr Gesumm und ihr Gesang in wirkliche Worte über , die bald so deutlich wurden , daß ich sie , trotz meiner wenigen Kenntniß des Gaelischen , völlig verstand . Dieser Gesang hatte etwas unaussprechlich Ergreifendes , - es war eine Leidensklage , wenn es je eine gab . Da ich sogleich nach meiner Nachhausekunft den Sinn der Worte aufschrieb , setze ich sie hier her . Geh zur Ruh , gehe nun ! Schmerzlich sind mir deine Klagen , Und des Vaters Zorn , Geliebter , weckest du ; Geh zur Ruh ! Meine Liebe schenkt ' ich dir , Doch nun nehm ' ich dich vom Busen - Daß mein Leiden ende , geh in Frieden du ; Geh zur Ruh ! Klage nicht mehr , laß mir Frieden ! Bis nach langer Nacht am Morgen Freudig wir uns wiedersehn , geh du , Geh zur Ruh ! Mir konnte der doppelte Sinn dieses Gesanges , da ich Robert Goraich vor Augen hatte , nicht entgehen , und weder der arme James , noch Miß Graham konnten Verdacht daraus schöpfen ; allein die Kunst in dieser Frau Benehmen erregten einen so lebhaften Unwillen in mir , daß ich , sobald wir die Hütte verlassen hatten , ihn meiner Freundin zu verstehen gab . Anstatt ihn zu theilen , antwortete sie sehr ruhig : » Ich weiß , daß Cecile sehr viel Klugheit und Geistesgegenwart besitzt . « - Ich behauptete , die Geschicklichkeit , durch welche es dieser Frau gelungen sey , vor unsern und ihres sterbenden Ehemanns Augen mit ihrem Liebhaber zu verkehren , verdiene den Namen von Ränkeschmiederei . Charlotte sah mich erschrocken und höchst mißbilligend an . Der Verdacht , daß eine Gattin fähig seyn könnte , unter diesen Umständen aus pflichtwidrigen Bewegungsgründen zu handeln , erfüllte sie mit Abscheu . » Wie ? « rief sie , » Sie könnten muthmaßen ? Sie könnten voraussetzen , daß ein Weib alle Schaam also zu vergessen vermöchte , daß sie ihre Kinder könnte zu Landstreichern machen wollen ? ihren Namen mit der Schmach bedecken wollen , die Erste in Glen Eredine zu seyn , die ihren Stamm je befleckt ? O nein , nein ! lieber würde Cecile sich unterm Benarde begraben ! O nein ! eher stiege Robert , so verrückt er ist , selbst in die Gruft ! Nein , Miß Percy , was Ihnen auch die übrige Welt für Beispiele aufgestellt hat , in Glen Eredine werden Sie solche Abscheulichkeit nicht finden . « - Ich schwieg beschämt - denn selbst wenn sich Charlotte über die Tugenden der Erediner geirrt hätte , so wäre so ein Irrthum schon der Hochachtung werth . Jetzt schlich Robert eine Weile schweigend hinter uns her , endlich sagte er bittend zu Miß Graham : » Wollt Ihr nicht so gut seyn , ihr zu sagen : sie soll mich nur drei Garben für sie dreschen lassen ? Ich verspreche , so wahr ich lebe , ihrer Hüttenthür nicht zu nahen ; ich will in der Scheune bleiben und sie keineswegs plagen . « - » Es wäre ja thöricht , Robert , Euch also für eine Frau zu mühen , die Euch gar nicht ansieht . « - » Ich weiß wohl , daß ich thöricht bin « , antwortete der arme Mensch mit einem wehmüthigen Lächeln . Nach einigem Stillschweigen , indem er ehrerbietig hinter uns herging , wiederholte er seine Bitte , und noch einmal , und noch einmal , weil er die Abwehr immer vergessen zu haben schien . Nur andre Ursachen setzte er zu seiner Dienstleistung hinzu : » damit die Frau kann ihren Kleinen pflegen « , sagte er einmal , » und damit sie nicht in der Nacht zu dreschen braucht - ach , Schlafen thut so gut ! « - » Nun , so schlaft Ihr , guter Robert « ! entgegnete Charlotte . Er blickte mit irrem Lächeln vor sich hin : » Ich schlafe nicht mehr , « rief er leise und geduldig . » O Charlotte « , sagte ich und ergriff bittend meiner Freundin Hand , » ich habe Robert und Ihr Thal beurtheilt , wie die elende Welt , in der ich aufwuchs . Verzeiht ihr beide ! nur ein tugendhaftes Weib kann so eine bescheidne Liebe einflößen . « - » So ist ' s , meine Ellen . Schlaffe Moral und ungeordnete Sinne sind nie der Boden ,