. Ich eilte daher schnell hinunter und ließ mich anwerben . Wir brachen noch denselben Tag von dem Orte auf , aber schon da auf dem Marsche fing ich an zu bemerken , daß dieses nicht das Leben war , das ich erwartete . Der platte Leichtsinn , das Prahlen und der geschäftige Müßiggang ekelte mich an , besonders unerträglich aber war mir , daß ein einziger , unbeschreiblicher Wille das Ganze wie ein dunkles Fatum regieren sollte , daß ich im Grunde nicht mehr wert sein sollte , als mein Pferd - und so versenkten mich diese Betrachtungen in eine fürchterliche Langeweile , aus der mich kaum die Signale , welche die Schlacht ankündigten , aufzurütteln vermochten . Damals bekam mein Oberst von meinem Vormund , der mich aufgespürt hatte , einen Brief , worin er ihn bat , mich auszuliefern . Aber es war zu spät , denn das Treffen war eben losgegangen . Mitten im blitzenden Dampfe und Todesgewühl erblickt ich plötzlich das beinahe bleiche Gesicht des Unbekannten wieder mir feindlich gegenüber . - Wütend , daß das Gespenst mich überall verfolgte , stürzte ich auf ihn ein . Er focht so gut , wie ich . Endlich sah ich sein Pferd stürzen , während ich selbst , leicht verwundet , vor Ermattung bewußtlos hinsank . Als ich wieder erwachte , war alles ringsum finster und totenstill über der weiten Ebene , die mit Leichen bedeckt war . Mehrere Dörfer brannten in der Runde , und nur einzelne Figuren , wie am Jüngsten Gericht , erhoben sich hin und her und wandelten dunkel durch die Stille . Ein unbeschreibliches Grausen überfiel mich vor dem wahnwitzigen Jammerspiel , ich raffte mich schnell auf und lief , bis es Tag wurde . In einem Städtchen las ich in der Zeitung die Bekanntmachung meines Vormunds , daß ich in dem Treffen geblieben sei , auch hörte ich , daß der Marchese mit seiner Tochter unser Schloß wieder verlassen habe . Ich war zu stolz und aufgeregt , um nach Hause zurückzukehren . Indes erwachte das Bild der kleinen Angelina von neuem in meinem Herzen . Ich bildete mir die liebliche Erinnerung mit allen Kräften meiner Seele aus , und so malte ich damals jenes Engelsköpfchen , das du hier zu meinem Erstaunen mitgebracht hast . Es ist Angelinens Portrait . Mein unruhiges und doch immer in sich selbst verschlossenes Gemüt bekam nun auf einmal die erste entschiedene Richtung nach außen . Ich warf mich mit einem unerhörten Fleiße auf die Malerei und streifte mit dem Gelde , das ich mir dadurch erwarb , in Italien herum . Ich glaubte damals , die Kunst werde mein Gemüt ganz befriedigen und ausfüllen . Aber es war nicht so . Es blieb immer ein dunkler , harter Fleck in mir , der keine Farben annahm und doch mein eigentlicher , innerster Kern war . Ich glaube , wenn ich in meiner Angst einen neuen Münster hätte aus mir herausbauen können , mir wäre wohler geworden , so felsengroß lag immer meine Entzückung auf mir . Meine Skizzen waren immer besser als die Gemälde , weil ihre Ausführung meistens unmöglich war . Gar oft in guten Stunden ist mir wohl eine solche Glorie von nie gesehenen Farben und unbeschreiblich himmlischer Schönheit vorgekommen , daß ich mich kaum zu fassen wußte . Aber dann war ' s auch wieder aus , und ich konnte sie niemals ausdrücken . - So schmückt sich wohl jede tüchtige Seele einmal ihren Kerker mit Künsten aus , ohne deswegen zum Künstler berufen zu sein . Und überhaupt ist es am Ende doch nur Putz und eitel Spielerei . Oder würdet ihr den nicht für töricht halten , der sich im Wirtshause , wo er übernachtet , eifrig auszieren wollte ? Und wir machen so viel Umstände mit dem Leben und wissen nicht , ob wir noch eine Stunde bleiben ! An einem schönen Sommerabende fuhr ich einmal in Venedig auf dem Golf spazieren . Der Halbkreis von Palästen mit ihren still erleuchteten Fenstern gewährte einen prächtigen Anblick . Unzählige Gondeln glitten aneinander vorüber über das ruhige Wasser , Gitarren und tausend weiche Gesänge zogen durch die laue Nacht . Ich ruderte voll Gedanken fort und immer fort , bis nach und nach die Lieder verhallten und alles um mich her still und einsam geworden war . Ich dachte an die ferne Heimat und sang ein altes , deutsches Lied , eines von denen , die ich noch als Knabe Angelina gelehrt hatte . Wie sehr erstaunte ich , als mir da auf einmal eine wunderschöne weibliche Stimme von dem Altan eines Hauses mit der nächstfolgenden Strophe desselben Liedes antwortete . Ich sprang sogleich ans Ufer und eilte auf das Haus zu , von dem der Gesang herkam . Eine weiße Mädchengestalt neigte sich zwischen den Orangenbäumen und Blumen über den Balkon herab und sagte flüsternd : Rudolf ! Ich erkannte bei dem hellen Mondenscheine sogleich Angelina . Sie schien noch mehr sprechen zu wollen , aber die Tür auf dem Balkon öffnete sich von innen , und sie war verschwunden . Verwundert und entzückt in allen meinen Sinnen , setzt ich mich an einen steinernen Springbrunnen , der auf dem weiten , stillen Platze vor dem Hause stand . Ich mochte ohngefähr eine Stunde dort gesessen haben , als ich die Glastür oben leise wieder öffnen hörte . Angelina trat , sich furchtsam auf dem Platze umsehend , noch einmal auf den Balkon heraus . Ihre schönen Locken fielen auf den schneeweißen , nur halbverhüllten Busen herab , sie war barfuß und im leichtesten Nachtkleide . Sie erschrak , als sie mich wirklich noch unten erblickte . Sie legte den Finger auf den Mund , während sie mit der andern Hand auf die Tür deutete , lehnte sich stillschweigend über das Geländer und sah mich so lange Zeit unbeschreiblich lieblich an . Darauf zog sie ein Papierchen hervor , warf es mir hinab lispelte kaum hörbar : Gute Nacht