, wird dich mein Trank wohl zu erkräftigen vermögen , es ist Wein aus dem Keller des heiligen Antonius . « Der angebliche Doktor hatte eine Flasche unter dem Mantel hervorgezogen , die er jetzt öffnete . Es stieg ein seltsamlicher Duft aus der Flasche , der die Jünglinge betäubte , so daß sie , wie von Schläfrigkeit übernommen , in die Sessel sanken und die Augen schlossen . Aber Francesko riß in wilder Wut , verhöhnt zu sein als ein ohnmächtiger Schwächling , die Flasche dem Doktor aus den Händen und trank in vollen Zügen . » Wohl bekomm dir ' s « , rief der Jüngling , der nun wieder sein jugendliches Gesicht und seinen kräftigen Gang angenommen hatte . Dann rief er die andern Jünglinge aus dem Schlafe auf , worin sie versunken , und sie taumelten mit ihm die Treppe hinab . - So wie der Berg Vesuv in wildem Brausen verzehrende Flammen aussprüht , so tobte es jetzt in Feuerströmen heraus aus Franceskos Innern . Alle heidnische Geschichten , die er jemals gemalt , sah er vor Augen , als ob sie lebendig worden , und er rief mit gewaltiger Stimme : » Auch du mußt kommen , meine geliebte Göttin , du mußt leben und mein sein , oder ich weihe mich den unterirdischen Göttern ! « Da erblickte er Frau Venus , dicht vor dem Bilde stehend und ihm freundlich zuwinkend . Er sprang auf von seinem Lager und begann an dem Kopfe der heiligen Rosalia zu malen , weil er nun der Frau Venus reizendes Angesicht ganz getreulich abzukonterfeien gedachte . Es war ihm so , als könne der feste Wille nicht gebieten der Hand , denn immer glitt der Pinsel ab von den Nebeln , in denen der Kopf der heiligen Rosalia eingehüllt war , und strich unwillkürlich an den Häuptern der barbarischen Männer , von denen sie umgeben . Und doch kam das himmlische Antlitz der Heiligen immer sichtbarlicher zum Vorschein und blickte den Francesko plötzlich mit solchen lebendig strahlenden Augen an , daß er , wie von einem herabfahrenden Blitze tödlich getroffen , zu Boden stürzte . Als er wieder nur etwas weniges seiner Sinnen mächtig worden , richtete er sich mühsam in die Höhe , er wagte jedoch nicht , nach dem Bilde , das ihm so schrecklich worden , hinzublicken , sondern schlich mit gesenktem Haupte nach dem Tische , auf dem des Doktors Weinflasche stand , aus der er einen tüchtigen Zug tat . Da war Francesko wieder ganz erkräftigt , er schaute nach seinem Bilde , es stand , bis auf den letzten Pinselstrich vollendet , vor ihm , und nicht das Antlitz der heiligen Rosalia , sondern das geliebte Venusbild lachte ihn mit üppigem Liebesblicke an . In demselben Augenblick wurde Francesko von wilden freveligen Trieben entzündet . Er heulte vor wahnsinniger Begier , er gedachte des heidnischen Bildhauers Pygmalion , dessen Geschichte er gemalt , und flehte so wie er zur Frau Venus , daß sie seinem Bilde Leben einhauchen möge . Bald war es ihm auch , als finge das Bild an sich zu regen , doch als er es in seine Arme fassen wollte , sah er wohl , daß es tote Leinewand geblieben . Dann zerraufte er sein Haar und gebärdete sich wie einer , der von dem Satan besessen . Schon zwei Tage und zwei Nächte hatte es Francesko so getrieben ; am dritten Tag , als er wie eine erstarrte Bildsäule vor dem Bilde stand , ging die Türe seines Gemachs auf , und es rauschte hinter ihm wie mit weiblichen Gewändern . Er drehte sich um und erblickte ein Weib , das er für das Original seines Bildes erkannte . Es wären ihm schier die Sinne vergangen , als er das Bild , welches er aus seinen innersten Gedanken nach einem Marmorbilde erschaffen , nun lebendig vor sich in aller nur erdenklichen Schönheit erblickte , und es wandelte ihn beinahe ein Grausen an , wenn er das Gemälde ansah , das nun wie eine getreuliche Abspiegelung des fremden Weibes erschien . Es geschah ihm dasjenige , was die wunderbarliche Erscheinung eines Geistes zu bewirken pflegt , die Zunge war ihm gebunden , und er fiel lautlos vor der Fremden auf die Kniee und hob die Hände wie anbetend zu ihr empor . Das fremde Weib richtete ihn aber lächelnd auf und sagte ihm , daß sie ihn schon damals , als er in der Malerschule des alten Leonardo da Vinci gewesen , als ein kleines Mädchen oftmals gesehen und eine unsägliche Liebe zu ihm gefaßt habe . Eltern und Verwandte habe sie nun verlassen und sei allein nach Rom gewandert , um ihn wiederzufinden , da eine in ihrem Innern ertönende Stimme ihr gesagt habe , daß er sie sehr liebe und sie aus lauter Sehnsucht und Begierde abkonterfeit habe , was denn , wie sie jetzt sehe , auch wirklich wahr sei . Francesko merkte nun , daß ein geheimnisvolles Seelenverständnis mit dem fremden Weibe obgewaltet und daß dieses Verständnis das wunderbare Bild und seine wahnsinnige Liebe zu demselben geschaffen hatte . Er umarmte das Weib voll inbrünstiger Liebe und wollte sie sogleich nach der Kirche führen , damit ein Priester sie durch das heilige Sakrament der Ehe auf ewig binde . Dafür schien sich das Weib aber zu entsetzen , und sie sprach : » Ei , mein geliebter Francesko , bist du denn nicht ein wackrer Künstler , der sich nicht fesseln läßt von den Banden der christlichen Kirche ? Bist du nicht mit Leib und Seele dem freudigen frischen Altertum und seinen dem Leben freundlichen Göttern zugewandt ? Was geht unser Bündnis die traurigen Priester an , die in düstern Hallen ihr Leben in hoffnungsloser Klage verjammern ? Laß uns heiter und hell das Fest unserer Liebe feiern . « Francesko wurde von diesen Reden des Weibes verführt , und so geschah es , daß er mit den von sündigem , freveligem Leichtsinn