übers zerrissene Felsental . 4. Licht , von Orient wiederkehrend , ach wie bist du so betörend , es verlöscht dein erster Strahl einen Augenblick die Qual ; Blut , so röter kehrst du wieder , und je feuriger , je trüber . O du heller Orient , den keiner so kennt wie ich , hast du schon vergessen mich ? Wer sitzt an meiner Stelle auf der Schwelle , erwartend das Frühgetön , das scharfe Wehn umflattert von Fledermäusen , umkrochen von Ameisen und doch schien mir ' s schön , wie dies Land von den Höhen . - Wer lang genug darinnen haust , der weiß , wo es graust . 5. Warum muß ich fliehen , woher sie alle ziehen , die strahlenden , die malenden , die luftig zerstreuten , im Leuchten erfreuten Blicke der Liebe ! - Des Unbedeutenden Macht hat keiner gedacht und des Bedeutenden Blick ist voller Tück . Was riß mich fort ? Was hielt mich dort ? Mich hielt ein Blick , sie hat ihn abgewendet vom Glück . Nun reißen vier Stricke am Wagen gespannet , mich weg von dem Glücke , ich hab mich ermannet . Den Wagen sie ziehen , die Steine erglühen , wär einer gerissen , ich hätte halten müssen . Warum reißet mein Schmerz doch nie und schreiet nur immer : » Flieh ! « Mit wem red ich , wer kennt mich , wer sind wir ? - Ich und die Luft hier . Der Lüfte lieb Wort , der Vogel zieht fort , wer war der erste im Flug , ihn treffe mein Fluch . Die Luft zieht ihm nach , und ich seufze mein einsam Ach ! Niemand hört mich , Keiner stört mich , und die sind mir jetzt Gesellschaft , meine ganze irdische Freundschaft . Sie liebt einen andern und ich muß wandern . » Herr , da liegt eine Leiche am Weg . « Schwager , fahr stille weg , er mußte auch wandern mit den andern , auch du geliebter Feind mußt wandern mit den andern , wenn gleich dein Leib geheiligt ist , seit sie dich hat geküßt . 6. Der hat das Ende der Welt erreicht , der von der Liebsten weicht ! Dem ihre Stimme fehlet in Freud und Grimme . O Erde nenne sie mir ! Du schweigest vor dir , bist frostig verschlossen und ich bin verdrossen . Ach meine Lieb war mehr als ich , denn sie bezwang mich . Ach meine Liebe ist nun für immer aus , sie fand kein Haus ! Wie ein verspätet Kind ausgeschlossen in Regen und Wind ; der Regen läuft ihm übers Angesicht , es stehet vor dem Hause dicht , es möchte noch klopfen an und es nicht wagen kann . Wenn vieles ich nicht sagen will , so sag ich nichts und schweige still . - Ich bin kein Kind , mir übers Gesicht wehte scharf der Wind , daß mir der Bart aufging ; die Jugend verging , ich hab sie nicht genossen , die süßen Gedanken sind alle zu nichts zerflossen . 7. Ich wandle weiter voraus vor des Wagens dunkles Haus ; ich seh ihn nicht , ich hör ihn klirren mit den Geschirren , und wie das Schicksal folgt er mir nach . Hier steh ich am Bach , im kleinen Haus gehet die Mühle mit Braus . Der Bach verrinnt , der Stein zerreibt , und keiner gewinnt und keiner bleibt . Ich schwanke zwischen Bäumen , da will mir träumen , als führ ich in dem schwarzen Meer in dunkler Nacht daher ; im schwarzen Meer die Masten , sie ziehen ohne Rasten , kein Schiffer will mehr grüßen , die tiefe Still wird büßen , den Leuchtturm versenkt schon der Sturm . Die Segel herunter , es gehet bald bunter . Ich bin auch einer der Euern , ihr müßt nicht feiern . Die Segel hernieder , ihr Brüder . Nun tragt mich ihr Füße durch Regengüsse . Die bestimmten erklimmten Wolken am Waldhang sich senken , es tropft mir das Haar so klar . Wer kann nachdenken ! - Wir machen im Dunkel große Augen und keiner kann sie brauchen . Ihr Wirbel im Meere , ihr füllet die Leere ; ihr Augen , Leuchttürme , Eingänge der andern Welt , neulebend möchte hinaus der Held ; ihr seligen Erinnerungen , ich leb in euch und bin von euch durchdrungen ; ihr lieben Augen der Geliebten , wie kann das taugen dem Betrübten , ihr habt mir Meer und Sturm und Himmel verschlungen und durchdrungen . 8. Müde sink ich in die Kniee , soll ich beten , weil ich glühe , viele Tropfen fallen kühl , keine Tränen , kein Gefühl ! Dieser Schritt ist nun der letzte und ich sink , der Selbstgehetzte , der sich selber hat gejaget , selbst zerrissen , nicht geklaget , und die keusche Jagdgöttin sinkt in Strahlen auf mich hin . 9. Meine Mütze voll von Trauben , Nüsse , die am Boden rollen , Pfirsichen rötlich , weich in Wolle , frischen meinen schwachen Glauben und ich denk an andre Zonen , wo die dunklen Menschen wohnen , wo ein Goldlack Mädchenblicke , schwarze Locken ohne Tücke . Stille wird ' s in meinem Herzen und im Hirne wird es wach , Liebe , süße Liebesschmerzen , lasset ihr doch endlich nach . Und die Fluten , die zerstörten , lassen mich , den Tiefbetörten hier im Grünen einsam stehn . Ach wie ist mir doch geschehn . Ach wo war ich doch so lange ; kühlend wehet ein Vergessen und mir wird nun endlich bange , daß ich gar nichts hab besessen . Hab ich einstmals doch gesessen meinem Glücke in dem Schoß und hier sitz ich nackt und bloß . Neun Monat lag ich im Mutterschoß und hab ihn mit Weinen verlassen , so ließ mich die Liebe nackt und bloß am Berge in