Reue , und feste Vorsätze gestärkt empor . Ich habe mich selbst überwunden , ich habe mein innerstes Wesen zum Opfer auf den Altar der Pflicht gebracht , und der himmlische Lohn folgt auf den Kampf . Ich kann nun zwar nicht mich über Calpurniens Edelmuth und ihre Verbindung mit Agathokles freuen - ach das ist noch nicht möglich ! - aber ich kann bei der Gewißheit , daß ich ihn verloren habe , einige Beruhigung in dem Gedanken finden , daß er mit ihr glücklich seyn wird . Heliodor hat mir zur Sühnung meines Vergehens eine Pflichtübung auferlegt , die mir wahrlich sehr schwer fällt , die nur die Erkenntniß ihrer Verdienstlichkeit mich anfangs ertragen machen konnte . Ich war bisher von der Krankenpflege befreit , meine Erziehung , meine Erfahrung in weiblichen Arbeiten bestimmte mich zum Unterricht der Schülerinnen , und ich widmete mich gern dieser Beschäftigung . Jetzt muß ich aus Heliodors Befehl - denn seine Ueberzeugung spricht sich nicht , wie bei unserm ehrwürdigen Vater Theophron , als Rath oder Ermahnung aus - ich muß auf seinen Befehl mich der Pflege der Kranken widmen , und da er mir , meiner vorigen Verhältnisse wegen , Kenntniß in äußern Verletzungen zutraute - o welche Scenen rief dies Gespräch hervor ! - so muß ich unter seiner und einer betagten Matrone Anleitung die Verwundeten besorgen . O meine Junia ! das war eine schreckliche Aufgabe ! Das erste Mal trug man mich ohnmächtig weg . Aber Heliodor war unerbittlich . In einer unvergeßlichen Stunde führte er mir die Heiligkeit der Pflicht , das Beispiel unsers Erlösers , die schimmernden Thaten so vieler Christen mit einer Beredtsamkeit zu Gemüthe , daß ich endlich , in Thränen zerfließend , in seine Hand den Schwur niederlegte , meinem Berufe treu zu bleiben , und sollte es mir Gesundheit und Leben kosten . Seit dem geht es merklich besser . Ich habe ziemlich viel Uebung ; denn die Grausamkeit der Heiden läßt es nicht an Unglücklichen fehlen , die der Hülfe unseres Hauses bedürfen . Mein Widerwille verliert sich , meine Geschicklichkeit nimmt zu , und ich sehe wohl ein , daß , das Grauen des ersten Anblicks abgerechnet , bei dieser Art von Kranken viel weniger Gefahr und Beschwerde ist . So will ich denn mein Loos mit Geduld tragen ; aber , so bald mein Schicksal entschieden - Agathokles vermählt , und das Daseyn eines vergessenen Geschöpfes ganz gleichgültig ist - eile ich in deine Schwesterarme - und ach ! ich denke - ich komme bald - sehr bald ! Fußnoten 1 Symposion , ein kleines Gastmahl . 69. Constantin an Eneus Florianus . Nikomedien , im Februar 303 . In einer sehr unruhigen Stimmung sende ich dir , mein väterlicher Freund , diesen Brief . Noch diese Nacht geht ein verläßlicher Bote damit heimlich auf einem Fischerkahne aus dem Hafen ab , und bringt ihn nach Byzanz zu unserm Vertrauten , der ihn dann auf bekannten Wegen weiter befördert . Die Stadt ist gesperrt , und Alles in dumpfgährender Bewegung . Heute Morgens ist gäh und unerwartet der Schlag gefallen , den Rache und Parteiwuth längst geheim bereitet hatte . Mit Anbruch des Tages zogen starke Abtheilungen von der Leibwache still und geheimnißvoll durch die Straßen der Stadt , nach allen christlichen Kirchen . Die gesperrten Thüren wurden mit Gewalt aufgesprengt , das Heiligste erbrochen , hervorgerissen , Geräthe , Schriften , Bücher , Alles auf einen Haufen geworfen und verbrannt , und endlich die Kirchen selbst mit wilder Wuth zerstört , und der Erde gleich gemacht . Schrecken und Betäubung waren die ersten Wirkungen dieses unerwarteten Vorfalls aus die ohnedies gebeugten Christen . Nach und nach ermannten sich Einige , die in unüberlegtem Eifer für ihr Heiligstes sich der Uebermacht zu widersetzen , oder auf den Trümmern ihrer Kirchen zu sterben beschloßen . Ein solcher Auftritt zog mehrere ähnliche nach sich , in wenig Stunden war die ganze Stadt in aufrührerischer Bewegung , auf allen Straßen , bei allen Tempeln stellte sich im Kleinen das Bild des großen Kampfs des Polytheismus mit dem Christenthume dar , überall sah man Mißhandlungen , Verwundete , Todte . Die Vernünftigern hielten sich in ihren Häusern verschlossen , selbst die Bessern unter den Heiden sah man keinen Theil an den wilden Ausbrüchen ihrer Partei nehmen - nur Pöbel wüthete gegen Pöbel , aber um so empörender und frecher . Die Ersten von uns erwarteten jeden Augenblick den Befehl , sich vor Gericht zu stellen . Ich war und bin noch auf jeden Fall bereitet . Es ist mehr als wahrscheinlich , daß Galerius nicht blos die Ausrottung einer verhaßten Glaubensform , daß er den Sturz mehrerer Gefürchteten zur Absicht bei diesen Maaßregeln hatte , deren Gewaltsamkeit das deutliche Gepräge seines wilden Gemüthes trägt . Agathokles theilte meine Vermuthungen und meine Besorgnisse . Gebietende Umstände hatten ihn schon vor mehreren Tagen bestimmt , seinen Glauben öffentlich zu bekennen . Seine Weigerung , sich wider die Christen gebrauchen zu lassen , diente dem düstern Galerius zum willkommenen Vorwande . Im Namen des Augustus ward ihm befohlen , seine Stelle als Tribun niederzulegen . Er gehorchte schnell und willig . Als die Nachricht in dem Quartier der Soldaten erscholl , entstand Unruhe und Lärmen unter den Treuen , die den geliebten Anführer nicht missen wollten . Mit einem Ungestüm , in dem sich noch der Geist der alten Prätorianer zeigte , drangen sie in den kaiserlichen Palast , und forderten ihren Obersten zurück . Die Schwäche bewilligte unzeitig , was Uebereilung und Rache eben so unzeitig verhängt hatte . Auf ihren Schildern , unter lautem Jauchzen , trugen sie ihren Anführer in seine Wohnung zurück . Hier blieb er eine Weile unangefochten , man wagte nicht , ihm einen Auftrag von Wichtigkeit zu geben , man fürchtete kleinherzig , daß er die anvertraute Macht mißbrauchen würde . Aber man umgab ihn , so wie mich , auf allen Seiten mit Lauschern und Spähern . Wir