sogar im bloßen Feuer des Kopfes ) greift man weniger nach der Feder als nach der Saite ; und nur in ihr gelingt das musikalische Phantasieren besser als das poetische . Albano setzte sich - indem er der Tonmuse dankte , daß es vierundvierzig Ausweichungen gebe - mit dem Vorhaben an die Tasten , nun eine musikalische Feuertrommel zu rühren und wie ein Sturm in die stille Asche zu brausen und ein helles Funkenheer von Tönen aufzujagen . - Er tats auch , und gut genug und immer besser ; aber das Instrument sträubte sich . Es war für eine weibliche Hand gebauet und wollte nur in weiblichen Tönen , mit Lauten-Klagen reden , als eine Freundin mit einer Freundin . Karl hatt ' ihn nie so spielen gehört und erstaunte über die Fülle . Aber die Ursache war , der Lektor war nicht da ; vor gewissen Menschen - und darunter gehörte dieser - gefriert die spielende Hand , so daß man nur in einem Paar Blechhandschuhen hin- und herarbeitet ; und zweitens , vor einer Menge spielt sichs leichter als vor einem , weil dieser bestimmt vor der Seele haftet , jene aber zerflossen . Und noch dazu , beglückter Albano ! du weißt , wer dich hört . - Die Morgenluft der Hoffnung umflattert dich in Tönen - das wilde Jugendleben schreitet mit rüstigen Gliedern und lauten Schritten vor dir auf und ab - das Mondlicht , von keinem irdischen groben Lichte verunreinigt , heiligt das tönende Zimmer . - Lianens letzte Gesänge liegen vor dir aufgeschlagen , und der anrückende Mondschein kann dich sie bald lesen lassen - und die Nachtigall in der Mutter nahem Zimmer kämpfet , wie von der Tuba ins Feld gerufen , mit deinen Tönen . - - Liane trat mit ihrer Mutter erst spät herein , weil das heftige Ton-Getümmel für beide etwas Hartes und Peinigendes hatte . Er konnte beide seitwärts am untern Fenster sitzen sehen , und wie Liane die Hand der Mutter hielt . Karl ging in weiten Schritten nach seiner Sitte auf und ab und stand zuweilen an ihm still . Albano trat in dieser Nähe der stillen Seele bald aus der harmonischen Wildnis in mondhelle einfache Stellen heraus , wo nur wenige Töne sich wie Grazien und ebenso leicht verbunden hold bewegen . Der künstliche Wirrwarr enharmonischer Irrlichter ist nur der Vorläufer der melodischen Charitinnen ; und nur diese allein schmiegen sich an die weicheren Seelen an . Ihm war bis zur Täuschung , als sprech ' er laut mit Lianen ; und wenn die Töne immer wie Liebende dasselbe wiederholten vor Innigkeit und Lust : meinte er nicht Lianen und sagte ihr : wie lieb ' ich dich , o wie lieb ' ich dich ? Fragt ' er sie nicht : was klagest du , was weinest du ? - Und sagt ' er nicht zu ihr : blick in dies stumme Herz und flieh es nicht , o Reine , Fromme , Meine ? Wie errötet der Gute , als plötzlich der liebkosende Freund ihm die Hände um die Augen legte , die bisher ungesehen im Dunkel vor Liebe übergeflossen waren ! - Karl trat heftig zur Schwester , und sie nahm selber seine Hand und sagte Worte der Liebe . Dann flüchtete sich Albano in die brausende Wildnis so lange , bis die Augen getrocknet waren für den beleuchteten Abschied - langsam ließ er die Wiege unsers Herzens ausschwanken und schloß so mild ' und leise und verstummte ein wenig und stand langsam auf . - - O in dieser jungen stummen Brust lebte alles , womit die herrlichste Liebe segnen kann ! Sie schieden ernst . - Niemand sprach über die Töne - Liane schien verklärt - Albano wagt ' es in dieser Geisterstunde des Herzens nicht , mit einem Auge , das sich so kurz vorher gestillet hatte , lang ' auf ihren milden blauen zu ruhen . - Ihre gerührte Seele drückte sie , wie Mädchen pflegen , bloß am Bruder durch eine heißere Umarmung aus . - Und dem heiligen Jüngling konnte sie scheidend den Ton und den Blick nicht verhehlen , den er nie vergisset . - Er erwachte oft in dieser Nacht und wußte nicht , was sein Wesen so selig wiege - ach der Ton war es , der durch den Schlummer nachklang , und das liebe Auge , das ihn noch in Träumen anblickte . Zwölfte Jobelperiode Froulays Geburtstag und Projekte - Extrablatt - Rabette - die Harmonika die Nacht - der fromme Vater - die Wundertreppe - die Erscheinung 58. Zykel Glücklicher Albano ! du wärest es nicht geblieben , hättest du am Geburtstage des Ministers das gehöret , was er da vorbrachte ! Schon seit geraumer Zeit war Froulay voll bedenklicher gewitterhafter Zeichen , und jede Minute konnte - mußte man fürchten - der Donnerschlag aus ihm fahren ; er war nämlich munter und mild . So drohet auch bei phlegmatischen Kindern große Munterkeit Ausbruch der Pocken . Da er Hausvater war und Despot - die Griechen hatten für beides nur das Wort Despot- : so erwartete man von ihm als ehelichem Wettermacher94 , er werde die gewöhnlichen Stürme und Ungewitter für die Familie besorgen . - Eheliche Gewittermaterie zum bloßen Trüben der Ehe kann nie fehlen , wenn man bedenkt , wie wenig sogar zum Scheiden derselben gehöret , z.B. bei den Juden bloß , daß die Frau zu laut schreie , das Essen anbrenne , ihre Schuhe am Platze der männlichen lasse u.s.w. Noch dazu war manches da , worüber gut zu donnern war ; z.B. Liane , an welcher man die Missetat des - Bruders heimsuchen konnte , weil dieser hartnäckig wegblieb und um keine Gnade bat . Man ist immer gern auf Frau , Tochter und Sohn zugleich ungehalten und lieber ein Land- als Strichregen ; ein Kind kann leichter eine ganze Familie versalzen als versüßen . Aber Froulay verblieb der lächelnde Johannes . Ja trieb ers nicht