die nur der deutsche Frühling kennt . Die Besitzung des Geheimrats Rottenstein war nur ein kleines Landgut , aber wie geschaffen zum behaglichen Ruhesitze des Alters . Das nicht große , aber sehr freundliche Haus lag im Schatten der alten Linden , die ihm den Namen gegeben hatten . An den ausgedehnten Garten schloß sich das Weingütchen , die höchste Freude des alten Herrn , der seinen Wein selbst zu keltern pflegte . Von der rebenumsponnenen Veranda , die an der Hauptseite des Hauses lag , hatte man einen schönen Blick auf den Rhein , zur Linken stiegen die sonnigen Weinberge des Ufers empor und zur Rechten ragte in einiger Entfernung , aus den dichten Laubmassen eines Parkes , ein mächtiges Gebäude auf , Schloß Brankenberg , das langer als ein Jahrhundert im Besitz einer alten Adelsfamilie gewesen war und jetzt einen neuen Herrn hatte . Auf der Veranda saßen der Geheimrat und sein Gutsnachbar und auf dem Tische funkelte in den Gläsern der Wein , » eigenes Gewächs « , auf das der alte Herr ungemein stolz war . Der heimische Winter schien ihm sehr gut bekommen zu sein , er sah weit wohler und frischer aus als im Herbst , er gehörte nun einmal zu den Naturen , die nur auf dem Heimatboden gedeihen . Robert Adlau hatte sich gar nicht verändert in seiner markigen , kraftvollen Erscheinung , nur etwas bleich sah er heute aus , und die breite schwarze Binde , die er um die Stirn trug , schien auf irgend eine Verletzung hinzudeuten . » Also auf die glückliche Genesung ! « sagte Rottenstein , sein Glas erhebend . » Das ist freilich schnell genug bei Ihnen gegangen , Robert . Ein anderer hat wochenlang mit einer solchen Kopfwunde zu thun , und Sie laufen schon nach acht Tagen wieder umher , als ob gar nichts geschehen sei . « » Es war ja nicht all des Aufhebens wert , das davon gemacht wurde , « entgegnete Adlau mit einem Achselzucken . » Eine längere Betäubung infolge des Sturzes , ein etwas starker Blutverlust – mir thut nur mein schöner Fuchs leid , der bei der Geschichte draufgegangen ist . « » Nun , besser doch der Fuchs als Sie ! Uebrigens sah die Sache im Anfange recht gefährlich aus . Sie ahnen gar nicht , was das für ein Anblick war , als ich nach Brankenberg gerufen wurde und Sie anscheinend leblos und blutüberströmt daliegen sah . Der Doktor machte auch zuerst ein sehr bedenkliches Gesicht , und auch jetzt meint er , eine Natur wie die Ihrige sei ihm noch nicht vorgekommen . « » Ja , meine Natur ist gut . Uebrigens habe ich dem Inspektor tüchtig den Kopf gewaschen , weil er nichts Gescheiteres wußte , als schleunigst zu Ihnen zu schicken und Sie zu erschrecken mit der Nachricht . Was ging denn das Sie an ! « » Was es mich anging ? « rief der Geheimrat unwillig . » Glauben Sie , daß mir Ihr Leben und Sterben gleichgültig ist ? « » Nun ja – Ihnen vielleicht nicht , « sagte Robert langsam . » Andere freilich – « er brach plötzlich ab , als habe er schon zu viel gesagt , der alte Herr aber fiel eifrig ein : » Ja , andere Freunde haben Sie freilich nicht hier , aber das ist doch nur Ihre eigene Schuld . Ich wollte Ihnen längst schon eine Strafpredigt halten wegen dieses Einsiedlerlebens , das Sie nun bereits seit sechs Monaten führen . Sie haben keinen einzigen Besuch in der Nachbarschaft gemacht , verkehren mit niemand , ziehen sich hartnäckig von jeder Geselligkeit zurück . Wie halten Sie es denn nur aus in dem großen , öden Schlosse , so ganz allein ? « » Nun , im Sommer wird es ja Leben genug geben , wenn meine Schwester mit Mann und Kindern kommt , « entgegnete Adlau ausweichend . » Für jetzt habe ich noch sehr viel zu thun , viel mehr , als ich anfangs glaubte . Ich habe bisher noch gar keine Zeit für die Geselligkeit gehabt . « » Ja , Sie kehren in Ihrem Brankenberg so ziemlich das Unterste zu oberst , « lachte der Geheimrat . » Unsere Landwirte sperren Mund und Nase auf über all das Neue , das da aus dem Boden hervorwächst , aber um so mehr nimmt man Ihnen die Zurückgezogenheit übel . Ich muß es oft genug hören , daß ich in der ganzen Umgegend für Sie der einzige Mensch zu sein scheine . « » Und der will mich jetzt auch verlassen , « warf Robert mit etwas gezwungenem Scherz ein . » Sie wollen ja nach der Schweiz . « Rottenstein nickte und ließ einen schmerzlichen Blick über seinen Garten hingleiten , der in voller Lenzespracht blühte und duftete . » Im nächsten Monat . Meine Tochter hat sich für den Sommeraufenthalt in Interlaken entschieden , und dort treffen wir uns . Ich habe sie ja seit einem halben Jahre nicht gesehen . « Die letzten Worte klangen sehr weichmütig . Adlau blickte ihn mit halb spöttischer , halb mitleidiger Miene an . » Ich fürchte , ich habe Ihnen einen schlechten Dienst geleistet mit der damaligen Entführung . Sie sind gar nicht angelegt für einen solchen Gewaltstreich und haben ihn gewiß längst schon bereut . « » Nicht doch ! Ich war ja froh , diesem ewig drohenden Aegypten , mit seinen Pyramiden und Mumien , zu entrinnen , aber freilich , Elfriede – sie nahm mir das sehr übel . Ich habe bittere Dinge lesen müssen . « » Warum warfen Sie nicht die ganze Verantwortung auf mich allein , wie ich Ihnen riet ? « Der alte Herr schwieg verlegen , er hatte das allerdings gethan , aber das war nur ein erschwerender Umstand gewesen in den Augen seiner Frau Tochter . Er wußte am besten , was er brieflich hatte aushalten müssen .