unheilvolle Regiment des Freiherrn ausgesprochen , hast seinen Sturz als eine Nothwendigkeit bezeichnet , und jetzt , wo dieser Sturz allen Anzeichen nach bevorsteht , willst Du nicht die Hand dazu bieten ? “ „ Laß das , Max , “ sagte der Doctor finster . „ Du weißt nicht , was es heißt , einen tödtlichen Schlag gegen den zu führen , den man einst geliebt hat mit der ganzen Gluth seiner Seele . Ich hoffte , Winterfeld würde mit seinem Angriffe durchdringen , ich hätte Arno Raven besser kennen sollen . Er hielt auch diesem Gegner Stand – zu seinem Unglück . Damals hätte er noch weichen , zurücktreten können , jetzt fällt er , fällt als ehrloser Verräther , gebrandmarkt mit der Schande der Verachtung , und das ist für eine Natur wie die seinige zehnfacher Tod . Ich – “ hier erhob sich Brunnow mit Heftigkeit – „ ich will ihm nicht auch noch den letzten Stoß versetzen . Mögen die , welche das Werk begonnen haben , es auch vollenden ! Es bleibt dabei ; ich reise übermorgen . “ Max drang nicht weiter in den Vater . „ Ich werde Dir wohl erst in einigen Wochen folgen können , “ bemerkte er nach einer kurzen Pause . „ Ich verlasse R. nur als erklärter Bräutigam , wenn ich die Einwilligung des Hofraths und überdies die Gewißheit habe , daß Agnes vor etwaigen Einflüsterungen und Quälereien der geistlichen Vormundschaft sicher ist . Aber vor allen Dingen – darf ich auf Deine Zustimmung rechnen ? “ Er hielt dem Vater bittend die Hand hin , und dieser legte ohne Zögern die seinige hinein . „ Ich habe Deine Braut nur einmal gesehen , “ sagte er , „ und gerade weil ihr Anblick mich so sympathisch berührte , glaubte ich nicht , daß sie im Stande wäre , Dich zu fesseln . Wir waren bisher sehr verschieden in unseren Neigungen . Meine Bedenken gelten einzig der Verschiedenheit Eurer Erziehung und Charaktere ; wenn Du glaubst , das überwinden zu können , mein Sohn – ich will Dich nur glücklich wissen . “ Ein herzlicher Händedruck besiegelte die Worte , und Max rief triumphirend : „ Jetzt gehe ich stehenden Fußes zu dem Hofrath und jage den allergetreuesten Unterthan seines allergnädigsten Souverains in Entsetzen mit der Aussicht auf einen demagogischen Schwiegersohn . Ich darf Dich doch auf eine Stunde allein lassen , Papa ? Du brauchst ohnehin Ruhe nach all den Glückwünschen und Antheilbezeigungen , mit denen man Dich heute Morgen überschüttet hat . Auf Wiedersehen – ich laufe Sturm auf meinen künftigen Schwiegervater . “ – – Der Hofrath Moser saß ohne jede Ahnung dessen , was ihm bevorstand , in seinem Wohnzimmer und las die Zeitungen ; sie verdarben ihm seinen Kaffee und seine Ruhe . Der Hofrath las natürlich nur die Regierungsblätter , aber auch diese vermochten es nicht mehr , die traurige Thatsache zu verschleiern , daß es rettungslos abwärts ging mit dem Staate , immer weiter auf der abschüssigen Bahn des Liberalismus . Und nun vollends die Nachrichten aus R. , die jetzt eine stehende Rubrik in den größeren Journalen bildete ! Moser hatte längst mit Erstaunen und Befremdung bemerkt , daß die gesammte Regierungspresse , statt in der nachdrücklichsten Weise für den Gouverneur der -schen Provinz Partei zu nehmen , sich zu der ganzen Angelegenheit sehr lau und gleichgültig verhielt , ihr Verhalten den letzten Vorgängen gegenüber aber überstieg alle Begriffe . Keine energische Verteidigung des Freiherrn , keine Empörung über die schändliche Anklage , nichts von Maßregeln gegen die verleumderische Zeitung ! Man sprach von einer „ unglaublichen Beschuldigung “ , hoffte , daß es dem Gouverneur gelingen werde , sich davon zu reinigen und deutete an , daß im andere Falle seine Entlassung unvermeidlich sei ; man gab also doch die Möglichkeit jener Thatsache zu . Und unmittelbar unter diesem Artikel stand die Nachricht , daß der ehemalige Hochverräther , Doctor Rudolph Brunnow , vollständig begnadigt und heute aus der Haft entlassen worden sei . Der Hofrath versank in finstere Gedanken . Er ging schon seit längerer Zeit mit dem Entschlusse um , sich pensioniren zu lassen . Seiner Pflicht gegen den Staat hatte er in beinahe vierzigjährige Dienste Genüge geleistet . Seine Tochter , das einzige Kind einer spät geschlossenen und früh durch den Tod zerrissenen Ehe , verließ ihn schon im nächsten Monat , um als Novize in ein Kloster zu treten ; er selbst war alt und der Ruhe bedürftig . Auch seine Stellung , einst sein höchster Stolz , machte ihm keine Freude mehr . Der neue Geist , der jetzt durch das Land wehte , drang selbst bis in die geheiligte Räume der Regierungskanzlei . Noch hielt die eiserne Hand des Freiherrn die Zügel straff , aber Moser dachte mit Schrecken daran , was geschehen werde , wenn diese Hand nun wirklich niedersank . Er glaubte kein Wort von den Lügen , die man überall ausstreute . Der Gouverneur konnte und mußte sie zu Boden schmettern , aber nach der unerhörten Behandlung , die er von der Regierung selbst erfuhr , entschloß er sich schwerlich zum Bleiben . Der Hofrath fühlte , daß seine Zeit vorbei sei , und war fest entschlossen , dem Beispiele seines Chefs zu folgen , wenn dieser seine Entlassung nahm . Das Oeffnen der Thür weckte Moser aus seinen Grübeleien . Christine meldete den Herrn Doctor Brunnow , und gleich darauf trat dieser ein . Der Hofrath stand auf und ging dem Gaste mit steifer Höflichkeit entgegen . „ Ich hoffe , Sie werden es nicht mißdeuten , Herr Hofrath , daß ich in den letzten beiden Wochen Ihrem Hause fern geblieben bin , “ begann Max nach der ersten Begrüßung , indem er den angebotenen Platz einnahm . „ Es war nur die Rücksicht auf Sie und Ihre Stellung . – – Jetzt , da mein Vater – – “ „ Ich weiß bereits von seiner Begnadigung ,