die seine an . „ Sie wissen , daß Sie mit mir umgehen können , wie mit einem Spielzeug “ , sagte Herbert und machte den schüchternen Versuch , seine verkrümmten Beine in eine bequemere Stellung zu bringen . „ Aber treiben sie es nicht zu weit — “ „ O hat der Herr Professor Lust , sich aufs hohe Pferd zu setzen ? “ „ Das nicht , nur auf einen höheren Stuhl “ , schal ­ tete Herbert unwillkürlich ein . „ Nun , so nehmen Sie dies Tabouret , trockener Deutscher , der keinen Sinn hat für orientalischen Komfort . So — ist es nun gut ? Also hören Sie . Wenn Sie Lust haben , sich auf ein hohes Pferd zu setzen , so sei es wenigstens das meine . Wie oft schon stellte ich Ihnen meinen Ali zur Verfügung — machen Sie mir nur ein einziges Mal den Spaß , Sie zu Pferde zu sehen . Wollen Sie ? Ach — es müßte köstlich sein ! “ „ Ich danke Ihnen , ich tue alles für Sie , was Sie wünschen , ich gehe für Sie in den Tod , — aber Ihnen Gelegenheit geben , mich auszulachen , — das ist zu viel verlangt . “ „ Nun denn , so führen Sie mich einmal Arm in Arm über die Straße ! — O — das erschrockene Ge ­ sicht des ehrsamen Herrn ! In den Tod wollen Sie für mich gehen — aber nicht mit mir über die Straße ? Seht doch , seht , welch ein prächtiger Held für eine Tragödie . Schweigen Sie , ich weiß Alles , was Sie sagen wollen und können : Frau , — Schwester , — Basen , — Tanten , — guter Ruf , — angesteller Professor , — es könnte , nach den Worten der Schrift , ein groß ’ Geschrei über das Volk kommen ! Alle Kaffee- und Teetassen der Stadt N * * * würden davon wiederklingen , daß Professor Herbert mit einer Emanzipierten über die Straße ging ! — Aber das ist nicht gegen den Anstand , im Halbdunkel zu mir zu schleichen , meine Finger- und Fußspitzen zu küssen und später in Gesellschaft die Achseln über mich zu zucken ! Schämen Sie sich , Herbert — Sie sind ein feiger Wicht , der zu nichts gut ist , als den Messager d ’ amour49 zwischen mir und Möllner zu machen . “ „ Gräfin “ , drohte Herbert , „ bringen Sie mich nicht aufs Äußerste — oder Sie werden es bereuen . Sie kennen meine Leidenschaft für Sie , wissen , daß ich Alles tue für einen einzigen Kuß dieser Lippen , — aber Sie lassen mich am Quell verdursten , am ge ­ deckten Tisch verhungern und Spott und Tadel sind mein Lohn ; das ist eine Behandlung , die kein Mensch erträgt ! “ „ Nun denn — point d ' argent , point de Suisse ! “ 50 rief die Gräfin , „ für jede gute Botschaft , die Sie mir von Möllner bringen — sollen Sie einen Kuß haben . Ich setzte diesem Manne zu lieb eine Schlange an meinen Busen , warum sollte ich mich nicht von einem deutschen Philister wie Sie küssen lassen ? 51 — Aber vorher müssen Sie noch erst alle Qualen verschmähter Liebe durchkosten , damit Sie sich um so mehr beeilen , den meinen ein Ende zu machen ! “ „ Gräfin , das ist eine schlimme Aussicht für mich , denn ich glaube schwerlich , daß ich Ihnen jemals eine gute Botschaft bringen werde . Alles , was ich tun kann , ist , daß ich Ihnen überhaupt Botschaft bringe , und wenn Sie mir eine schlechte nicht eben so lohnen wie eine gute , so sollen Sie von mir gar nichts mehr erfahren und können sich einen andern Vertrauten suchen . “ Er machte Miene aufzustehen , doch sie hielt ihn bei der Hand und sah ihn mit ihren großen blitzenden Augen bittend an . „ Herbert ! “ Diesem Blick und dem Ton , mit dem sie das eine Wort sagte , konnte der unglückliche Professor nicht widerstehen . Er sank neben ihrem Löwenschemel nieder und drückte die Lippen auf die Perlen und Flitter ihres gestickten Pantoffels . „ Sehen Sie wohl , daß Sie nicht so schlimm sind , wie Sie mich glauben machen wollen ? “ sagte sie mit einem verächtlichen Lächeln , welches er zum Glück nicht sah , auf ihn herabblickend . „ Haben Sie Erbarmen mit mir “ , stöhnte er . „ Ich bin grenzenlos elend . Zu Hause nichts als Jammer und Klagen . Eine durch Krankheit entstellte , zerrüttete Frau , die meiner ästhetischen Natur Widerwillen ein ­ flößt und mich , wenn ich bei tausend geschäftlichen Unannehmlichkeiten Trost brauche , noch mehr nieder ­ beugt . Dazu Unbill aller Art , Verkennung meines Talentes , Mißerfolg bei Allem , was ich ergreife — und nun dieser Kontrast , wenn ich Abends zu Ihnen komme ! Das Schönste , das Begehrenswerteste , das die Erde bieten kann , liegt hier vor meinen Blicken , aber die Wonne , die mich bei seinem Anschauen durchströmt , ist ein schleichendes Gift , das mich verzehrt , denn nichts , nichts von all der Herrlichkeit ist mein , ich stehe wie ein Knabe vor dem Weihnachtstisch , der einem andern aufgebaut ward , ich bin nur da , um die Lichter am Baume anzuzünden , damit der Andere sehe , was ihm beschert ist , und wenn ich ihn glücklich herbeigebracht habe , den Spröden , Widerspenstigen , daß er Besitz ergreife von seinem Reichtum — dann — dann muß ich leer von hinnen gehen , — o das ist fürchterlich ! “ Er grub sein Gesicht in die Mähne des Löwen und die zuckende Bewegung seiner Schultern verriet , daß er weinte . Die Gräfin sah mit dem Mitleid ,