aber nicht verfinstern dürften . » Darum bat ich sie , von Hochseß hinunter , hierher zu ziehen , wo du ihnen nur begegnen wirst , wenn du willst , « schloß er . Mit einem beruhigten Lächeln richtete sie sich auf . » Wie gut das ist ! « sagte sie . » Nun liegt es an mir , den Bann des bösen Blickes zu brechen und wieder gut zu machen , was du in blinder Sorge um mich schlecht gemacht hast . Morgen schon bitt ' ich sie , wieder droben zu wohnen . « Sie näherten sich dem Schloßtor . Pechfackeln leuchteten an seinen beiden Seiten . Lichtergirlanden überspannten den ganzen Hof . Und als Norina den Fuß auf die Schwelle der Haustür setzte , krachten Böllerschüsse , zehnfaches , weithin hallendes Echo weckend , vom Schloßturm . Mit einem Lächeln , das ihr alle Herzen gewann , so sehr ihre hohe Gestalt und ihre königliche Haltung auch ehrfurchtgebietend erschien , wollte sie an Konrads Arm an den Reihen der Bediensteten vorüber in die hell erleuchtete Halle treten . Da vertrat eine groteske Erscheinung , halb Clown , halb Gespenst , ihr den Weg : in gelbem , fleckigem , vielfach geflicktem Pierrotkostüm ein uralter Mann . Sie schwankte , entsetzt nach dem Herzen greifend . » Giovanni , was sollen die Possen ! « dröhnte Konrads zornige Stimme . » Fort mit dir ! « Und er packte ihn an beiden Armen . Der Alte aber sah ihn nicht und fühlte ihn nicht ; seine Augen hingen wie gebannt an Norina . » Mein Seil ist gespannt , Monna Lavinia , « sagte er mit der klanglosen Stimme der Greise , » soll ich nun tanzen , damit Ihr lacht ? ! « Wütend wandte sich Konrad an die Diener : » Was haltet ihr Maulaffen feil ? ! Schafft ihn fort ! « Schon sprangen sie vor , sich des lustigen Spaßes freuend , als Norina , wieder ganz beruhigt , den Blick lächelnd zu Konrad erhob . » Schilt ihn nicht , Liebster , « bat sie weich ; » er hat mich lieb . Er kommt aus der Heimat . Laß ihn mir ! « Und sie legte die schlanke Rechte schützend auf den Kopf des Alten . Der aber sank unter dieser Berührung zusammen ; mit einem knarrenden Tone aufweinend wie ein kleines Kind , kauerte er , sich in die Falten ihres weiten , weißen Mantels vergrabend , ihr zu Füßen . Stumm starrten die Diener . Anbetend umfaßte Konrads Blick die geliebte Frau . Die Bogenlampe über der Türe warf ihr mildes , weißes Licht auf Norina und den Narren . Die Monde , die kamen , von mildem Herbsthimmel überdacht , von Schneewinterflocken eingesponnen , waren geweiht von einem einzigen stillen Warten . Eine in Mutterseligkeit verklärte Frau , ging Norina durch Haus und Hof . Selbst die Knechte und Mägde in Ställen und Scheunen spürten etwas von dem Glanz und dem Frieden , der von ihr ausging . Sie vergaßen ihres Zanks und mäßigten ihre lauten Reden , wenn sie auch nur von ferne vorüberkam . Mit sauersüßem Lächeln waren die Tanten , - die ihr Märtyrertum nicht selbst in Frage stellen wollten , und sich darum nicht merken ließen , wie sie sich im Grunde ihres Lebens auf dem Eckartshof gefreut hatten , wie die Teilnahme der Nachbarschaft an ihrer » Verbannung « ihnen zur Daseinsbereicherung geworden war - in ihre alten Hochsesser Räume wieder eingezogen . Durch tägliche kleine Aufmerksamkeiten warb Norina förmlich um sie , und wenn sie nachmittags mit ihnen am Teetisch saß - sie hatte die Gewohnheiten der Gräfin Savelli wieder aufgenommen - , und zarte Spitzen um all die vielen winzigen Hemdchen und Jäckchen setzte , dabei den guten Ratschlägen der alten Fräuleins freundlich zuhörend , wurden selbst die Züge Nataliens und Elisens stundenweise ganz weich . » Eine Zauberin bist du ! « sagte Konrad zu ihr . Sie schüttelte lächelnd den Kopf : » Nur eine ganz von Liebe Erfüllte . « Zu Fuß und zu Wagen machten sie täglich weite Ausflüge . » Ich muß meines Kindes Land entdecken wie du dein Mutterland , « versicherte Norina . Aber ihr Entdecken war zugleich ein Erobern . Denn die Fülle ihrer Liebe ließ sie im ärmlichsten Hause Eingang finden und mit den geschärften Blicken der Liebenden die versteckteste Not entdecken . Wie eine fremde Königin kam sie und überschüttete mit Gaben , was litt und darbte . » Ich will meinem Kinde die Wege bereiten , « sagte sie leuchtenden Auges , » die Welt soll ihm entgegenlachen , wohin es blickt . « » Mein Kind ! « - Es traf ihn immer wieder wie ein Nadelstich . Er entsann sich nicht , daß sie das » unser Kind « je wiederholt hätte , und es gab Augenblicke , wo etwas wie Haß gegen dieses Kind , das nicht eine innigere Bindung , sondern eine Schranke zwischen ihnen zu werden drohte , in ihm aufstieg . Er liebte Norina . Seit sie sein Weib geworden war , begehrte er sie immer leidenschaftlicher . Und immer mehr versagte sie sich ihm . Eines Abends überraschte er sie , wie sie vor dem Spiegel ihre Haare kämmte , aus deren schwarzer Fülle Hals und Schultern wie Mondlicht leuchteten . Kaum daß sie den heißen Blick seiner Augen sah , als sie sich , dunkel errötend , wie ein scheues Mädchen in die Falten des herabgeglittenen Kimonos wickelte . » Sag mir die Wahrheit , Geliebte , « flehte er , ihre beiden Hände umklammernd , » und wenn sie noch so bitter ist . Liebst du in mir nur den Vater deines Kindes ? « Da lächelte sie ihr unbeschreibliches , seliges Mutterlächeln . » Nur , sagst du , nur ? ! « flüsterte sie und lehnte den Kopf an seine Schultern , » weißt du denn nicht , daß