Angst , daß sie diesen heiseren Todesschrei des Erschlagenen noch einmal hören müßte . Die Finsternis eines Kerkers ? Nein ! Das war die schwere Nacht , die sich über das Schlachtfeld beugte . Mit dunklem Mantel umwickelte sie die vielen noch Lebenden , die sich in Schmerz und Wunden krümmten , und bedeckte schwarz die vielen Toten , die sich nimmer regten . Wie verkohlte Pfähle lagen sie da . Nur ein einziger glich noch einem Menschen , war klar zu sehen , deutlich zu erkennen . Wie in schöner Sonne lag er inmitten dieser grauenvollen Finsternis , hatte einen roten Blutstrom auf der weißen Stirne , war tot und hatte dennoch offene , lebende Augen . Und als die Suchende kam , diese verzweifelt und ruhelos Irrende , da richtete sich der Tote wie durch ein Wunder auf , war anzusehen wie die Lichtgestalt eines Heiligen , streifte mit langsamer Hand das Blut von seiner Stirne fort , lächelte ein bißchen und sagte leis : » Ich bin nicht , was du mich gescholten hast . Warum erschlugst du mich ? « Sie wollte schreien und streckte die Arme . Da zerfloß das leuchtende Bild in der Finsternis . Und die tastenden Hände der völlig Erwachten fühlten die kühle Mauer , fühlten das Tischlein mit Teller und Glas , die Vorhänge des Bettes und die linden Kissen , die heiß waren von der Glut ihres zitternden Leibes . Und da fiel in ihre Seele ein neuer Sturm , der sich mischte aus Schmerz und Sehnsucht , aus Glück und Freude . Jetzt wußte sie , dieses Fürchterliche war nur ein Traum gewesen , ein böser Traum , der sich weitergesponnen hatte vor ihren offenen Augen . Und da wußte sie auch wieder , wem diese kleine Stube gehörte - wußte , in wessen Bett sie lag . Erschrocken und selig preßte sie unter zerbissenem Schluchzen das Gesicht in die Kissen , die naß wurden von ihren Tränen . Und während ein lautloses Schluchzen ihren Körper schüttelte , glitt alles , was seit den Gewitterstunden auf dem Untersberg nur ein unbewußtes Erleben gewesen , in jagenden Bildern an ihr vorüber . Diese grauenvolle Nacht ! Sie ist wie ein Zorngericht des Himmels , der die sündhafte Erde verdammt . Dieses ohrenbetäubende Rauschen des Regens , der den lohenden Brand des Waldverhaues ertränkt und in der Finsternis auf die Menschen lospeitscht ! Dieses Feuerschwimmen der Blitze , das ruhelose Gebrüll des Donners ! Zwischen Sturzbächen und springenden Felsbrocken kämpfen sich die Sechsundzwanzig Schritt um Schritt durch die steile Wand , bei jedem Atemzug bedroht von einer unsichtbaren Faust des Todes . Mühsam und keuchend klettern sie . Kein Blitz mehr . Nur manchmal noch ein mattes Aufleuchten . Und immer ferner rollt der Riesenkarren des Donners . Unter dicken Nebelfluten will der Morgen grauen . Die Sechsundzwanzig hocken hinter Steinblöcken , die zum Sturz gerichtet sind , und harren im Gewoge des Nebels auf das Sturmzeichen vom Fuchsenstein . Der Tag wird hell , und sausender Westwind fährt in die Nebelschwaden . Manchmal taucht eine Bergrippe , ein Stück des Tales aus dem wirbelnden Grau heraus . Da dröhnt der erste Schuß der Landshuterin . Schuß um Schuß , glle mit dem Echo zusammenrinnend zu einem ununterbrochenen Tongebrüll . Jetzt ein dumpfes Gerassel . Ein Turm ist gefallen , ist ein Schutthaufen über zerdrückten Leichen . Verwehte Menschenstimmen , wie das Kreischen lustiger Kinder . Spielen sie Krieg , diese Kleinen ? Man hört ein Gemecker wie von winzigen Trompeten . Durch einen Riß des Nebels sieht man drunten im Tal das Aschenfeld des niedergebrannten Waldverhaues . In dieser Asche kriecht eine lange , bunte Raupe mit glänzenden Haarbüscheln - die Kolonne der Stürmenden mit Langspießen und Mauerleitern . Wirres Geschrei , und jetzt ein feines Klingen , als würde ein Sack Münzen ausgeleert . » Achtung ! « schreit Malimmes . » Die sind bei der Mauer schon handgemein . « Auf dem Fuchsenstein drei schmetternde Trompetenstöße . » Los ! Fürwärts ! « Ein Geklirr der Schienen und Platten . Eiserne Schultern stemmen sich gegen die fällig gestellten Felsblöcke . Sechsundzwanzig Stimmen schreien die Sturmlosung . Die Blöcke fangen zu rollen an , springen und poltern , verschwinden krachend im Nebel . Schreck und Verwirrung rennen dem Häuflein der Sechsundzwanzig als Kampfgenossen voraus . Der Widerstand der Besatzung , von einer dunklen Gefahr im Rücken gefaßt , wird schwächer und zerflattert . Wie ein Schwärm von Flöhen hüpfen die Bayrischen über die zerbröselte Mauer . Und Fünfundzwanzig , die aus dem Wald herausbrechen , schlagen mit blitzenden Schwertern los . Nur einer , ein schlanker Bub , bringt keinen Streich zuwege , ist wie ein Blinder , wie ein halb Ohnmächtiger . Malimmes , der immer lacht und schreit , muß mit dem sausenden Bidenhänder die Hiebe der Gadnischen von dem Buben abwehren und kreischt ihm zu : » Denk an den Jakob ! « Und da schrillt die Stimme des Buben : » Jakob , Jakob , Jakob , Jakob ! « Jeder Schrei dieses Namens wird ein zorniger Streich mit dem , Eisen . Klirrendes Gemenge . Spritzendes Blut . Braune Gesichter werden bleich . Menschen stürzen und seufzen , winden sich stöhnend unter eisernen Tritten . » Los , los , fürwärts « , brüllt Malimmes , » hinter meinem Herren her , oder mein Herr ist hin ! « Mit dreschenden Hieben hat Runotter eine Gasse durch das kämpfende Gewühl gebrochen . Er schlägt und schlägt . Seine Augen suchen . Jetzt ein Schrei wie in tierischer Freude . Er hat den Gegner gefunden , den er suchte . Prasselnd fallen des Runotters Hiebe auf diesen Keuchenden nieder , der sich verzweifelt wehrt . Die Stahlhaube des Gadnischen Hofmanns geht in Scherben , ein rotes Bächlein fährt ihm über Nase und Bart. Da saust der lange Bidenhänder zwischen die beiden hinein , Malimmes stößt den Bruder seitwärts , faßt den Taumelnden am Bein ,