, schüttelte die Faust : » Wir halten Wacht beim Wachstein , und wehe denen , so ihn berennen ! Felsen schmettern wir in ihre Reihen ... « - » Gut und Blut für die Herrenkinderla ! « rief der älteste Mann des Dorfes , mit einfältigem Lächeln sich neigend . » Sie sein unsre Gäste - wenn sie möchten fürliebnehmen - wir sein geringe Leute ! « rief man , und ein Weiblein platzte heraus : » Die Preislerin , die hat ' s fürnehmste Häusel . « - » Da hat ' s Speckeier und Brathühnla « , lallte der älteste Mann . » Nu freilich - ein Unterscheid muß halt doch sein zwischen Adelsblut und gemeinen Menschern . « Hellauf lachte das Fräulein unter Tränen . Dreßler entschuldigte : » Halten zu Gnaden ! « Die Preislerin trat aus der Menge und neigte sich : » Hätte mir ' s nicht nehmen lassen , die junge Herrschaft zu bewirten . Ebenfalls den Herrn Rentmeister und unsern Prediger . Wollet mir folgen , meine geehrten Gäste ! « Zum Danke reichte das Fräulein der Witfraue die Hand , und nach einem Grüßen und Vivatruf der Menge wurden die Schaffgotsche zur Glashütte geleitet . Ich ging neben dem Rentmeister und vernahm noch mancherlei von dem Vorgefallenen . » Eine Parteiung « - erzählte er - » zerreißt die kaiserische Armada . Wallensteinisch sind die einen , höfisch die anderen . Unser Herr hat stets zu Wallenstein gehalten ; der hinwiederum hat nicht vergessen , daß der Steinauer Lorbeer insonderheit den Schaffgotschischen Dragonern zu verdanken . Im Januar ist unser Herr im Pilsener Hauptquartier gewesen und hat aus Wallensteins eigenem Munde seine Ernennung zum Obergeneral aller schlesischen Völker vernommen . Wie er dann aber in Glogau seine neue Charge dem Generalleutnant Gallas meldet , schüttelt dieser spöttisch das Haupt und weiset einen schriftlichen Armeebefehl vor , wonach Colloredo der schlesische Obergeneral ist . Da stund unser Herr , der mir selber solche Kränkung geklagt hat , wie ein Schulbub errötend und zähneknirschend . Unter Vorbehalt weiterer Schritte hat er Urlaub genommen und nach längerer Ratlosigkeit einen Diener , den hurtigen Trompeterhans , nach Pilsen zum Generalissimo gesandt und um Aufklärung ersucht . Doch bevor der Trompeterhans zurücke war , hat die Verhaftung unseres Herrn stattgefunden . « - » Und welchen Bescheid hat schließlich der Trompeterhans aus Pilsen gebracht ? « - » Er ist noch immer nicht zurück . Seit ein paar Wochen haben wir schier jeden Tag gesprochen : Heut muß er endlich kommen . Gebe Gott , daß ihm nichts Schlimmes widerfahren ist . Seltsamerweis konnten wir auch über die Vorgänge im Hauptquartier nichts Gewisses in Erfahrung bringen - als seien alle Botschaften dorther abgeschnitten . Ein Gerücht will wissen , der Kaiser habe den Wallenstein abermals abgesetzt . Wallenstein aber wolle sich das nicht gefallen lassen und wende sich gegen den Hof ; wolle mit den Sachsen rasch Frieden schließen , ihre Truppen an die seinen angliedern und den Kaiser zu Wien besuchen . Anders , so scheint ' s , gibt der Kaiser nicht nach ; abpochen muß man ihm , was not tuet . Es wäre wohl besser gewesen , unser Herr Schaffgotsch hätte das früher eingesehen und nicht so lange mit der Tat gezögert . Hätte sollen dem Colloredo zuvorkommen und diesen selber beim Kopfe nehmen , den Gallas dazu und die ganze welsche Canaglia , so uns am Marke zehrt , den Piccolomini und Collalto , Diodati und Caretto , Maradas und Mora ... « Während dieser Rede hatten sich die Schaffgotschischen Knaben an uns herangemacht und lauschend ihre zagen Herzlein mit Hoffnung geletzet . In Preislers warmer Balkenstube , wo Brathühnla und Speckeier tatsächlich dufteten , tauete die kindliche Munterkeit auf , indessen ich mit dem Rentmeister beim Biere des weitern über die Zeitläufte redete . Der Herr legte dar , weshalb neuerdings der alte Gegensatz zwischen Wallenstein und dem Hofe zur ärgsten Schärfe geraten sei . Zwar zuerst nach dem Siege bei Steinau schien der Jubel zu Wien kein Ende zu nehmen , und Wallenstein war der glorreichste Held . Im Spätherbst jedoch gab es lange und bleiche Gesichter , da auf einmal der Weimaraner Bernhard die Hand auf Regensburg gelegt hatte , den Schlüssel zu Österreich und Bayern . Der Kaiser machte für solch gefährliche Schlappe den Wallenstein verantwortlich , weil dieser den Süden vernachlässigt habe . Vom Kaiser herbeigerufen , versuchte Wallenstein zuerst , in Eilmärschen Entsatz zu bringen , blieb aber auf halbem Wege in böhmischen Winterquartieren liegen . Zur Rechtfertigung machte er geltend , ein Winterfeldzug werde das Heer ruinieren , die Soldateska werde entweder meutern oder desperieren und krepieren . Nun flüsterten die Höflinge , der Generalissimus sei ein gar zu großer Herre worden und habe Absichten auf die böhmische Krone . Wallenstein , der wohl sah , wie man in Wien seine Stellung untergrub , suchte sich der Treue seines Heeres zu versichern . So kam im Jänner jener Oberstenkonvent im Pilsener Hauptquartier zustande , dem auch Herr Schaffgotsch beiwohnte ; einer seiner Diener hat mir davon Bericht gegeben . Den aus allen Lagern herbeigerufenen Kommandanten ließ der bettlägerige Generalissimus durch Feldmarschall Ilow eröffnen , wie er der ewigen Verdächtigungen und Zumutungen von Wien müde und höchlich disgustiert , überdies alt und gichtbrüchig sei und deshalb lieber auf sein Generalat verzichten und ins private Leben zurücktreten wolle . Darob gerieten die Herren in nicht geringe Bestürzung . Weil viele ihre Regimenter aus eigenem Beutel geworben und all ihre Wohlfahrt in die Armada gesteckt hatten , so liefen sie Gefahr , alles zu verlieren , sintemalen sie allein in Wallenstein ihre Bürgschaft sahen . Ihn umzustimmen und zum Ausharren zu veranlassen , sollte ein Bankett verhelfen , das Ilow in seinem Losamente gab . Nach dem Mittagsmahle blies Ilow die vom Weine schon heißen Köpfe durch eine Ansprache zur Glut an . Der Hof wolle die Armada um Quartier , Sold und Beute bringen .