die am Morgen im Kaminzimmer vor den brennenden Scheiten saß , obwohl draußen die Herbstsonne lau schien und zu den hohen Bogenfenstern hereinfiel , starrte sehr verträumt und doch eifrig in die Flammen , so den Abend der vergangenen Fröhlichkeit noch ferne im Blick vor sich sehend , und hatte dabei Einhart immer wieder zu erzählen begonnen , wie schmerzlich ein jeder Einzelne unter ihren frohen Gästen seine Abwesenheit gefühlt hätte . Aber Einhart blieb dabei , daß er heim müßte , und man beredete nur dann , daß er den Morgen benützen möchte , um sich auf dem Nachbarschlosse zu verabschieden . Seine Gefühle waren brennend genug . Er wünschte heimlichen , jähen Verlangens Verena zu sehen . Er mußte um alles in der Welt die verzehrende Ungewißheit seiner Seele ertöten , die einen hohen Grad krankhafter Kümmernis angenommen . Und er hatte es wohl erwogen , daß , wenn er in den Morgenstunden käme , es gelingen würde , mit Verena allein zu sprechen . Aus ihren Augen , aus ihren Händen , aus ihren Worten oder aus ihrer Stummheit , aus irgend einem Zeichen es zu lesen , was ihn auch nur beim fernen Ahnen mit ruheloser Zerrissenheit neu erfüllte . Gegen elf Uhr fuhr der gräfliche Wagen vor das Schloß , um Einhart dann zu Renaulds hinüber zu fahren . Einhart stieg in den Wagen mit sehr vornehmer Ruhe . Er hatte sein ganzes Weltmannstum wie seinen dunklen , vollen Mantel um sich geworfen und schritt hochaufgerichtet . Schon die Stufen herab kam er wie ein Grandseigneur und ließ sich vom Diener die große Pelzdecke sorgfältig um die Füße hüllen . Aber wie es bei Einhart manchmal geschah : Im Wagen , in der inbrünstigen Bewegung seiner Ideen , hatte er alle Rücksicht auf Besuch und Abschied bald hinter sich gelassen . Es war in ihm nur der eine Gedanke noch herrschend geblieben , wie er die zarte , junge Verena sehen würde . Die Neugierde seines Herzens und seiner Augen war so hitzig und erregt geworden , daß er nur noch wünschte , so schnell wie möglich in die graudunklen Augen zu sehen , in den Grund dieser Augen , in Verenas Seele , und aus der leisen Stimme eine Entscheidung über sein Leben einzusaugen . So war er beim Ankommen nur eilig die Stufen im Treppenhause hinaufgestiegen , und hatte hastig gewünscht , daß man ihn Frau von der Trau melden möchte . Es gab auch gar kein Staunen der Diener weiter , die in ihren bunten Livreen in dem lichten Treppenhause herumstanden . Auch gar kein Besinnen in Einhart . Sein Auge brannte so bestimmt und herrisch von seinem Verlangen , er hatte eine so befehlende Sicherheit , als er emporschritt , daß niemand an etwas Sonderliches in seiner Absicht sich zu denken vermaß . Verena empfing ihn fast zärtlich . Wie Einen , den sie mit viel Ahnung von Gutem zutraulich ansah . Ihre grauen Augen hatten eine sanfte Zurückhaltung , die vom frühen Morgen herrührte . Als wenn sie sich noch nicht ganz zu sich und der Welt eingefunden . Sie sah äußerst lieblich aus . Die aschblonden Scheitel hingen noch weicher und loser um die kleinen Ohren und gaben ihr eine sehr wohlige Jugend . Ihre Augen gewannen gleich eine leuchtende Wärme , als sie Einhart angesehen . Sie trug in schlanker Gestalt eine glatte , goldgelbe , fließende Sammetgewandung und hatte außer der Perle auf ihrer klaren Stirn nichts von Schmuck angetan . Einhart war wie erstarrt in ihren Anblick . Es erstarb in ihm alle Hast . Er besann sich dann und fing an Worte zu machen . Aber Verena lächelte ihn so ahnungslos gütig und zerstreut an , bat ihn so arglos auf das kleine , zierliche Sofa mit den goldenen Lehnen und den großen Silberblumen im rosa Felde , das mitten im Zimmer stand , hockte sich so sanft und froh über seinen Besuch vor ihn in einen der blumigen Fauteuils , daß in Einhart alles wie plötzlich in eine richtige , tiefe Zärtlichkeit einsank . » Oh mein Gott , lieber Meister ! « sagte sie . » Es wird uns allen ganz bange , wenn Sie jetzt wirklich wieder von uns gehen . « » In allen lassen Sie Ihr Herz zurück , « sagte sie so ahnungslos und klar , als wenn sie von etwas ganz Fernem spräche . Und dann begann sie ganz zutraulich und redselig zu erzählen , wie seine reiche Art die Welt zu sehen , ihr Trauer und Trübsal von der Seele genommen und sie zu einem froheren Leben neu wachgerufen . » Meine sehr liebe Frau Verena , « sagte Einhart und versuchte , sich aus seiner besonderen Lage aufzurichten , ohne noch groß an seine inneren Erwartungen sich zu erinnern . Aber Verena lächelte kindlich zärtlich . » Sie nennen mich mit dem Vornamen , « sagte sie ganz fröhlich . » Oh Meister Einhart , « sagte sie . » Sie haben mir viel Gutes getan . Wissen Sie das ? « Einhart staunte Verena mit großen , funklen Blicken an und erwartete jetzt jedes ihrer Worte . » Ich will es Ihnen nur offen sagen , daß Sie mir lieb geworden sind , wie ein Vater , « sagte sie . » Sie haben mich herausgelockt . Ihre Worte klangen mir wie ein Sturmwind , der mir in die Seele fuhr , und allerhand welkes Laub verjagte . Nun lebe ich wieder neu . Nun lebe ich wieder und singe ich wieder . Und beginne mich einzufinden in diese Welt . « Einhart hörte die Stimme und sah diese ahnungslose Zärtlichkeit ihm zugewandt , sah die fromme , jungfräuliche Jugend plaudern wie ein Kind voll Zutrauen zu ihm , wie zu einem sicheren Hüter über den Tälern . Und er sah mit einfältigen Augen ewig auf den flaumigen , roten Mund , der mit der Güte eines schwesterlichen Vergnügens jetzt auch Erinnerungen hinsprach und wie