ein Töpfchen mit Eingemachtem , das reichte er alles hinauf , und dann las er noch die Messer und Gabeln auf , die herumlagen , denn mit denen wollte er oben eine Diele entfernen , damit sie noch höher kommen konnten in den hohlen Kielraum des Schiffes . So schnitt er erst den Fußteppich durch und machte sich dann daran , mit dem unpassenden Werkzeug die Schrauben herauszuschneiden , welche die Dielen auf den Sparren festhielten ; denn aufdrehen konnte er sie nicht , weil er dabei sein Messer zerbrach . Über diesen Anstrengungen verspürten sie , wie das geringe Licht , das von unten durch das runde Fenster im Wasser kam , immer geringer wurde , denn es waren ja auch nur wenige Lichtstrahlen , die durch die schaumbedeckten Wellen bis zu dem Fenster drangen ; und dazu stand unten das Wasser in der Höhe von mehreren Fuß in der Kajüte , auf dem lustig eine Schachtel mit Streichhölzern und zwei Korke schwammen ; die Luft aber wurde immer verbrauchter und schien immer schwerer zum Atmen , entwich auch an einer Stelle durch den Druck des Wassers unten mit einem leisen Pfeifen , und dadurch stieg das Wasser in dem Raum langsam immer höher . Die beiden Männer arbeiteten fleißig , und der alte Mann hatte einen Überschlag gemacht , daß bis zum andern Morgen die ganze Luft aus dem Raume entwichen sein mußte und das Wasser bis oben stand und sie alle erstickte , wenn sie nicht die Diele bis dahin gelöst hatten und sich in den Kielraum retten konnten , der aber würde wohl immer über dem Wasser bleiben , weil er ja durch das viele Holzwerk unten getragen wurde . Wie es nun gänzlich Nacht geworden war und sie alle sehr müde waren , beschlossen sie , daß sie eine kurze Weile schlafen wollten , um neue Kräfte zu schöpfen , und der Vater erbot sich zur ersten Wache und wollte inzwischen weiterarbeiten im Dunkeln , und die zweite Wache sollte der Schwiegersohn übernehmen . So taten sie ; aber nach einer unbestimmten Zeit schreckte der Mann aus dem Schlafe auf und hörte nicht mehr das leise Geräusch des arbeitenden Messers , das kleine Späne loslöste , da wußte er , daß der alte Mann ertrunken war , und deshalb arbeitete er allein weiter . Es erwachte dann auch die Frau durch große Beklommenheit des Atmens , und das Wasser klatschte schon leise an die Platte des Tisches , auf dem sie saßen . Indessen war es dem Manne gelungen , daß er die Schrauben der einen Diele an seiner Seite herausgeschnitten hatte , und nun riß er die Scheuerleiste fort und faßte vorsichtig mit zwei Gabeln von beiden Seiten , um sie zu biegen , bis er sie mit den Händen fassen konnte ; und indem die Frau half , gelang es auch , daß sich die Diele so weit bog , und nun begriff er sie und riß an ihr mit aller Kraft , daß sie in der Mitte abbrach und über ihnen eine schmale Öffnung in den Kielraum wurde . Aber durch das Gegenstemmen hatten sich zwei Schrauben gelöst , durch welche die Tischbeine befestigt waren , und der Tisch glitt schräg ins Wasser . Die Frau hielt sich noch an der Diele über ihnen fest und schwang sich durch die gebrochene Öffnung in den Kielraum , das Kind aber war ins Wasser gerollt , und der Mann wollte das Kind retten und stürzte sich nach , aber er stieß mit dem Kopf gegen etwas , tat einen lauten Schrei und kam nicht wieder , und auch das Kind ist ertrunken . Nun kauerte die Frau oben im Kielraum vor der Öffnung , und der kalte Hauch des Wassers drang zu ihr empor . Nach langer Zeit kam eine geringe Helligkeit in das Wasser unten ; da war es noch höher gestiegen , und wie sie genau zusah , erblickte sie unter sich eine Hand mit gekrampften Fingern . Wie sie gerettet war und sich erholt hatte von allem , was sie ausgestanden , verspürte sie , daß eine Wandlung in ihr vorgegangen . Vornehmlich hatte sie jetzt den Wunsch , daß sie etwas tun wollte , aber der war ihr nicht gekommen durch Ängste des Gewissens , Reue und Absichten von Buße , sondern ohne einen andern Grund , nur weil sie ein neuer Mensch geworden war . Deshalb überlegte sie sich alles , ihr früheres Leben und seine Bedingungen , da fand sie , daß ganz notwendig alles so geschehen mußte , wie es wirklich geschehen war , und sie selbst hatte keine Schuld und auch andre nicht . Denn ihr Vater konnte nicht leben , wie er wollte , sondern war einem Zwange unterworfen , daß er immer an seine Arbeit denken mußte und keine andern Gedanken haben durfte . Und da er nun in einer andern Klasse der Gesellschaft lebte wie vorher und sein Kind auch in dieser Klasse leben mußte , so konnte er seine Frau nicht behalten ; deshalb war es nötig , daß er sein Kind Fremden anvertraute , die aber waren arme Menschen , welche gänzlich von dem Kinde abhingen , deshalb vermochten sie ihm nicht zu widerstehen . So war sie denn zu einem solchen Wesen geworden , wie sie bis dahin war , und nur das blieb zu verwundern , daß sie nicht noch Schlimmeres getan . Nun aber wollte sie einen neuen Weg gehen , und da schien es ihr das beste , wenn sie Krankenpflegerin würde , weil sie da wirklich tätig sein konnte , denn alle Untätigkeit war ihr jetzt ein Ekel . So lebte sie nun schon seit einigen Jahren und war sehr ruhig und genoß dasjenige Maß von Glück , das ihrer besonderen Art bestimmt war und wohl freilich nicht sehr groß sein mochte . Dieses alles erzählte die Schwester dem Hans , und der wunderte sich sehr über ihren Frieden . Aber nachdem er ihre Geschichte lange