Hier bin ich , o mein Gott ! Die noch viel längere und viel schwerere Reise durch diese Bände schließe ganz genau mit denselben Worten ab . Ich habe einen großen Teil meines Lebens da oben bei ihm und seinen Büchern gesessen , um seinen Worten zu lauschen und sie in mir nachklingen zu lassen . Daß ich meinen Stamm durch Kampf und Leid zum Frieden führte , habe ich ihm zu verdanken , und daß man mich als einen guten Hekim kennt , ist auch eines seiner Werke , für welche ihm die Liebe der Dschamikun zu danken hat . Grad die Krankheit , welche auch dich und deinen Halef ergriff , hat früher große und schwere Opfer von uns gefordert . Der Ustad aber hat ihre Macht gebrochen , indem er uns lehrte , wie sie zu behandeln sei . Ahnst du , warum sie so gefährlich sei , gefährlicher als viele , viele andere ? « » Sage es mir ! « » Du weißt es nicht , und eure Aerzte wissen es auch nicht . « » Ich vermute , der langen Betäubung wegen , die sie mit sich bringt . « » Du triffst das Richtige . Aber sage mir , was der Grund dieser Betäubung ist ! « » Die Seele zieht sich vom Körper zurück . « » Ja . Aber warum ? « » Natürlich der Krankheit wegen . « » Du wandelst im Kreise , Effendi . Und du kennst die Seele nicht . Hast du einmal den Ausdruck gute Seele gehört ? « » Ja . « » Böse Seele ? « » Nein . « » Jetzt kommt das Neue , was ich dir sagen wollte . Nämlich es giebt keine böse Seele . Die Seele scheut alles Böse , sogar schon alles Häßliche . Das Böse und das Häßliche hat nur darum so große Macht über uns , weil die Seele davon abgestoßen wird . Sie zieht sich zurück ; dann stehen wir ohne ihren Schutz allein . Der Mensch soll seine Seele nicht versuchen , sondern alles meiden , was sie , die sich nicht beflecken will , beleidigen muß . Er soll sie ja nicht zwingen , sich von ihm , wenn auch nur für die kürzeste Zeit , zu trennen . Hast du schon einmal gesehen , daß ein Mensch in Ohnmacht fällt ? « » Schon oft . « » So wirst du wissen , daß der Grund fast stets ein böser oder häßlicher war . Bei bösen Dünsten , bei häßlichen Gerüchen oder gar bei wirklichem Gestank befindet sich der Mensch nicht wohl ; er atmet schwer ; er kann sogar das Bewußtsein verlieren . Die Seele zieht sich von den Sinnen zurück , welche ihr diese Schmerzen bereiten . Wird dir dein Haus oder Zelt so verunreinigt , daß du es nicht mehr aushalten kannst , so verlässest du es . Nun denke über deine Veilchen und über Halefs Rosen nach ! « » Ah . Ich beginne , zu begreifen ! « » Diese Krankheit löst gewisse , feine Körperteilchen auf , ohne sie aber ausscheiden zu können . Der Verwesungsprozeß beginnt bei lebendem Leibe . Der Geruch wird dir das bewiesen haben . Ich fürchte dein Lächeln und will dir deshalb und einstweilen nur sagen , daß wir die duftenden Rosen und Veilchen nicht etwa nur darum zu euch gestellt und dein Lager mit ihnen bestreut haben , um unsere Nerven des Geruches zu schonen . Es ist vorzugsweise aus andern und tiefern Gründen geschehen . Bin ich ein guter Hekim , so habe ich mein Augenmerk nicht allein auf den Körper , sondern auch auf die Seele zu richten . Ich muß aus allen Kräften und mit allen Mitteln dahin wirken , daß sie sich nicht gänzlich vom Körper loslöse . Du ahnst nicht , wie oft du während deiner langen Bewußtlosigkeit im reinigenden Wasser gelegen hast . Diese Bäder haben noch ganz andere Gründe als nur die Säuberung des kranken Körpers ! Lächelst du ? « » Nein . « » Es schien mir so ! Wenn die Zersetzung des Körpers so weit vorgeschritten ist , daß die Seele die Sinne nicht mehr berühren kann , dann ist der Kranke aufzugeben . Darum setzte ich bei Halef meine Hoffnung darauf , daß er noch werde sehen , hören und sprechen können . Sie hat mich nicht betrogen . Aber die Seele des Leidenden darf nicht bloß können , sondern sie muß auch wollen . Es war ein wunderbar glücklicher Gedanke von dir , zu den Haddedihn zu schicken , daß Kara Ben Halef kommen solle . Und die vortreffliche Wirkung wird dadurch verstärkt , daß er seine Mutter mitgebracht hat . Der Anblick dieser beiden Lieben hat die Seele gezwungen , mit dem Körper verbunden bleiben zu wollen . Denn glaube mir , der Leib hat keine Macht , die Seele zu halten , wenn sie sich nicht halten lassen will oder halten lassen darf ! Gelingt es dem Arzte , dieses seelische Wollen zur Energie zu steigern , so kann er doppelt frohe Hoffnung hegen . Halef kam mir da mit seinem Wunsche entgegen , seinen Sohn zu Pferde und als Krieger sehen zu wollen , und du weißt , wie gern und schnell ich hierauf eingegangen bin . Ich glaube nun , daß er gerettet ist . « » Du glaubst es nur ? « » Ja . « » Wie gern möchte ich hören , daß du überzeugt seist ! « » Wahrte bis morgen ! « » Giebt es da eine Entscheidung ? « » Wahrscheinlich . Halef ist doch , wie ich gesehen habe , ein ausgezeichneter Reiter ? « » Nicht nur das . Er ist mit ganzer Seele bei allem , was das Pferd betrifft . « » Mit ganzer Seele ! Das ist das , was ich wünsche , denn diese seine Seele ist dadurch zu fassen . Ich denke