aber dies nicht fertig bringen , weil sie sich dabei nicht nur vor sich selbst , sondern sogar vor Gott genieren . Sie sahen den Säemann der göttlichen Liebe über die Felder schreiten , und sie sahen , daß die Krähen des Unglaubens hinter ihm den Samen wegfraßen ; sie sind unthätig nebenhergegangen ; sie ließen ihn ungestört säen , und sie hinderten die Vögel nicht , diese Arbeit der Liebe um den Erfolg zu bringen . Die einen haben sich vor Gott versteckt ; die andern sind weder für noch gegen ihn gewesen ; nur werden die ersteren ihn jetzt auch nicht sehen , und die letzteren erwartet ganz dieselbe Gleichgültigkeit . Sie mögen sehen , wie sie hinüberkommen . Weiter ! « » Es kommen jetzt weißgekleidete , fleckenlose Gestalten , an deren Spitze ich den Wahlspruch Nadahfa ! 121 lese . Ihr Gang ist sehr vorsichtig , damit ihr Fuß nichts Unsauberes berühre , und ihre Hände sind unausgesetzt bemüht , die Stäubchen zu entfernen , welche ihren Gewändern angeflogen sind . « » Ja , das sind die Reinen , die Unbefleckten , deren einziges Bestreben war , auch nicht die allergeringste Unsauberkeit an sich sehen zu lassen . Sie gingen in Beziehung auf ihren äußerlich moralischen Lebenswandel auf den Zehenspitzen , um ihre Füße ja nicht zu beschmutzen ; sie thaten die lächerlichsten Schritte und Sprünge , um sich die sittlich trockenen Stellen auszusuchen ; sie hielten sich stets allein , und setzte sich ja einmal ein anderer neben sie , so rückten sie erschrocken von ihm ab . Sie kamen niemals mit der Polizei , niemals mit einem Paragraphen des Strafgesetzes in Berührung ; sie hüteten sich auch vor jeder andern Sünde , die nicht von diesem Gesetz getroffen wird . Schon der Gedanke , daß etwas von ihnen falsch gedeutet werden könne , versetzte sie in Schreck , denn der gute Leumund war ihr allerhöchstes Gut im Leben und im Sterben . So war ihr ganzes Bestreben nur auf ein gutes Aussehen nach außen , auf ihren Ruf bei den Mitmenschen gerichtet ; an ihrer innern Reinheit aber arbeiteten sie nicht . So ein Fleckenloser war gewiß keines Diebstahls fähig , aber dem Herrgott hat er den größten Teil seines Lebens abgestohlen ! Eines strafbaren Betruges machte er sich niemals schuldig , aber sein Weib hat er um das Lebensglück und seine Kinder um den frohen , schönen Glanz ihrer Jugend gebracht ! Ein Mörder , ein Totschläger , ein Unmensch war er nie , aber für seine Wissenschaft konnte er Tausenden von Pferden , Hunden , Katzen und andern armen , tief beklagenswerten Tieren die entsetzlichsten Martern und den qualvollsten Tod bereiten ! Ein Hochverrat , eine Majestätsbeleidigung wäre ihm unmöglich gewesen , aber die himmlische Majestät Gottes hat er in seinem Innern unzähligemal geschändet ! Meineid und Fahnenflucht verachtete er , aber vom Militär hat er sich lossimuliert ! Raub und Erpressung hielt er für die schändlichsten der Thaten , aber Bücher hat er unter anderm Titel und unter vorsichtiger Veränderung der Namen nachgedruckt und seine Arbeiter gezwungen , sich für ihn für geringeren Lohn zu schinden , weil sie nur von ihm abhängig waren ! Falschmünzerei oder falsches Gewicht war bei ihm nicht zu finden , aber die Geschäftsgeheimnisse seines Mitbewerbers hat er ausgespürt , und seinen Kunden verkaufte er Wasser in der Milch und das Fleisch verendeter oder krank gewesener Tiere ! Bestechung gab es nicht in seinem Amte , doch die Stelle , welche er zu vergeben hatte , bekam der Schützling seines Freundes , aber nicht der ihrer Würdige ! So waren diese alle äußerlich rein , aber innerlich voll Schmutz . Nun mißt die Wage dort nicht den äußern , sondern den innern Menschen . Denkst du auch jetzt noch , daß diese Reinen glücklich über die Brücke kommen werden ? « Der Münedschi antwortete : » Mir ist das Herz zum Brechen schwer ! So viele , viele , viele ich bisher gesehen habe , es war kein einziger unter ihnen , den du der Gnade Allahs für wert gehalten hast . Soll denn der Abgrund alle , alle verschlingen ? Soll ich mich denn nicht wenigstens über einen , nur einen einzigen freuen , der drüben an das Thor der Seligkeit gelangt ? « » Sie waren der Gnade Gottes nicht würdig , weil sie nicht nach ihr gestrebt haben . Wer auf seine vermeintlichen Verdienste pocht und dafür den verdienten Lohn , aber keine Gnade fordert , der wird auch keine finden . Aber ich bemerke , daß dein Wunsch in Erfüllung geht . Sag mir , was du jetzt siehst ! « » Es kommen zwei Frauen , ganz allein , nebeneinander ; die eine ist sehr schön , die andere sehr einfach gekleidet . Dann eine Strecke hinter ihnen folgt eine unabsehbare Schar von Männern und Frauen , denen aber kein Panier vorangetragen wird . Es sind auch viele , viele Kinder dabei . Und nun flammt es plötzlich dort drüben über dem Thore der Seligkeit hell leuchtend auf , so daß hier bei uns die bisherige Düsterkeit wie ein heller , schöner Tag erscheint . Ich sehe , daß die Engel diesem Zuge in freudiger Erwartung entgegenblicken . Sollte er aus Glücklichen bestehen , denen es beschieden ist , den Himmel zu erreichen ? « » Ja ; ihnen ist er bestimmt ! Du hast gehört , daß du dich hier mitten in der Zeit des Sterbens befindest . Das helle Licht des Jenseits dringt plötzlich zu uns herüber ; die Todesstunde derer , die jetzt kommen , ist eine glückverheißende ; sie wird von der Morgenröte des ewigen Himmelstages überflutet . Die , welche sich Standarten vorantragen ließen , stellten Forderungen an Gott ; sie verlangten hier den himmlischen Lohn für ihre eingebildeten irdischen Vorzüge und Tugenden . Die aber jetzt erscheinen , sind solcher Selbsttäuschung und Ueberhebung fern . In der Erkenntnis ihrer Mangelhaftigkeit , nähern sie sich