Hölle noch in vielen anderen der umliegenden Ortschaften ihre Filialen . So war es in Sweti , in Hradeck , in Problus . So in Pardubitz , wo , als es die ersten Preußen besetzten , ... über tausend Schwerverwundete , Operierte und Amputierte umherlagen , teils sterbend , teils schon gestorben , Leichen zwischen Verscheidenden und solchen , welche ihr Ende ersehnten . Viele nur in blutigen Hemden , daß man nicht einmal wissen konnte , welches Landes Kinder sie waren . Alle die , welche noch Spuren des Lebens in sich trugen , schreiend nach Wasser und Brot , sich krümmend unter den Schmerzen ihrer Wunden , und um den Tod gleichwie um eine Wohlthat flehend . « » Roßnitz , « so schreibt Doktor Brauer in seinen Briefen , » Roßnitz , dieser Ort , dessen Bild bis in meine Sterbestunde vor meinem Gedächtnisse stehen wird , Roßnitz , wohin ich am 6. Tage nach der mörderischen Schlacht von den Johannitern geschickt wurde und wo das größte Elend , welches sich menschliche Einbildungskraft vorzustellen vermag , noch an diesem Tage herrschte . Ich fand daselbst unsern R. mit 650 Verwundeten , welche in elenden Scheunen und Ställen , ohne Verpflegung , mitten unter Toten und Halbtoten , teilweise seit Tagen in ihrem eigenen Kote lagen . Hier war es , wo ich nach Errichtung des Grabhügels des gefallenen Oberstlieutenants v. F. so von Schmerz überwältigt wurde , daß ich eine Stunde lang die heißesten Thränen vergoß und mich trotz des Aufwandes meiner ganzen moralischen Kraft kaum zu fassen vermochte . Obgleich ich als Arzt gewohnt bin , menschliches Elend in allerlei Gestalt zu erblicken und in der Ausübung meines Berufes es lernte , den Jammer der gequälten menschlichen Natur zu ertragen , so entquollen doch in der That hier meinen Augen unaufhaltsame Thränen . Hier in Roßnitz war es , wo ich am zweiten Tage , als ich erkannte , daß unsere Kräfte solchem Elend nicht gewachsen seien , den Mut verlor und zu verbinden aufhörte . « - - - » ... In welchem Zustand waren diese 600 Männer ( diesmal spricht Doktor Naundorff ) . Es ist unmöglich , dies mit Wahrheit zu schildern . An den noch immer offenen Wunden saugten Mücken , mit denen sie bedeckt waren ; im Fieber funkelnde Blicke irrten forschend umher und suchten nach irgend einer Hilfe - nach Labung , nach Wasser , nach Brot ! Mantel , Hemd , Fleisch und Blut bildeten bei den Meisten eine widerliche Mischung . Würmer begannen sich darin zu erzeugen und einzufressen . Ein abscheulicher Geruch erfüllte jeglichen Raum . Alle diese Soldaten lagen auf der nackten Erde , nur Wenige fanden etwas Stroh , auf welches sie ihre elenden , verstümmelten Körper betten konnten . Einige , welche nur lehmigen , durchgeweichten Boden unter sich hatten , sind in dem Schlamme desselben halb versunken ; sie vermögen nicht , sich aus ihm emporzuarbeiten ; Andere liegen in einer Pfütze gräulichen Schmutzes , den zu beschreiben jede Feder sich sträuben muß . « » ... In Masloved « - so erzählte Frau Simon - » ein Ort von ungefähr fünfzig Nummern , lagen - acht Tage nach der Schlacht - 700 Verwundete . Nicht sowohl ihr Jammergeschrei als ihre trostlose Verlassenheit drang zum Himmel empor . In einer einzigen Scheune waren allein 60 dieser Unglücklichen aufgeschichtet . Eine jede ihrer Wunden war an sich schon schwer , durch den hilflosen Zustand , den Mangel an Pflege und Nahrung waren dieselben hoffnungslos geworden ; fast Alle waren brandig . Zerschossene Glieder bildeten nur noch faulende Fleischstücke , Gesichter nur noch eine mit Schmutz bedeckte , zerronnene Blutmasse , in welcher eine unförmliche schwarze Öffnung den Mund vorstellte , welchem gräßliche Töne entquollen . Die fortschreitende Verwesung trennte ganze abgestorbene Teile von diesen elenden Körpern . Lebendige liegen neben Toten gebettet , die in Fäulnis überzugehen beginnen und für welche die Würmer sich rüsten . Diese sechzig Menschen , so wie der größte Teil der Übrigen , lagen seit einer Woche auf derselben Stelle . Ihre Wunden waren entweder gar nicht , oder nur in unzureichender Weise verbunden worden ; seit dem Tage der Schlacht lagen sie , unfähig sich von der Stelle zu bewegen , nur mangelhaft genährt , ohne hinreichendes Wasser . Unter sich ein durch Blut und Unrat verfaulendes Lager , so verbrachten sie acht Tage ! Lebendige Leichname , durch deren zuckende Glieder eine vergiftete Blutwelle nur noch träge ihren Umlauf vollendet . Sie hatten noch nicht sterben können , und doch - wie durften sie erwarten , je wieder lebendig zu werden ? Was ist dabei des Staunens werter « - beschloß Frau Simon diesen Bericht - » die unendliche Lebenskraft der menschlichen Natur , welche das erduldet und noch zu atmen vermag , oder der Mangel an zureichender Hilfe ? « Das Staunenswerteste ist - will mich bedünken - daß Menschen einander in solche Lage bringen , - daß Menschen , die so etwas gesehen , nicht kniend hinsinken und den leidenschaftlichen Eid schwören , gegen den Krieg zu kriegen : daß sie nicht - wenn sie Fürsten sind - das Schwert von sich schleudern oder - wenn sie keine Macht besitzen - nicht fortan ihr ganzes Wirken , in Wort und Schrift , in denken , Lehren und Handeln dem einen Ziele widmen : Die Waffen nieder ! - - - - - - - - - - - - - - - Frau Simon - sie nannten sie » die Lazareth-Mutter « - war eine Heldin . Wochenlang hatte sie in jenen Gegenden geweilt und alle Drangsale und Gefahren ertragen . Hunderte sind durch sie gerettet worden . Tag und Nacht arbeitete , schaffte , befehligte sie . Bald verrichtete sie die demütigsten Dienste an den Krankenlagern , bald kommandierte sie Transporte oder requirierte Lebensmittel . Wenn sie an einem Orte Hilfe geschafft , so eilte sie ohne Rast an einen andern ; sie ließ