bittenden Fingerchen aus . Aber wohin sollte er gehen ? Die Lokale , die er gewöhnlich besuchte , waren ihm momentan über Alles verhaßt . Er konnte es nicht über sich gewinnen , eins oder das andere aufzusuchen . Jetzt nur keine bekannten Räume , die , gegenständliche Erinnerungskeime , von irgend welchen Erlebnissen zu erzählen wußten ! Und jetzt nur keine bekannten Gesichter ! Es aber mit einer Bierwirthschaft aufzunehmen , die ihm noch fremd war , davon hielt ihn eine starke , unerklärliche Scheu zurück , vielleicht ein Mißtrauen gegen neue Objecte , denen er sich bei seiner nervösen Zerfahrenheit und geistigen Ungleichmäßigkeit zur Zeit nicht gewachsen fühlte . Er mußte über sich lächeln , konnte sich aber nicht zwingen , aus seiner lächerlichen Unentschlossenheit herauszugehen . So trollte er weiter . Und jetzt bog er plötzlich in eine Thür ein , die zu einem Lokale führte , in dem er früher öfter verkehrt hatte . Er wußte nicht , wie er so jäh und unvermittelt dazu kam , hier einzutreten . Er schüttelte den Kopf und öffnete mechanisch die Thür . Nun stand er im Zimmer und suchte nach einem Platze . Es war ein Restaurant ziemlich untergeordneten Ranges . Im Winter gab es Tingeltangel hier , und Adam war einige Male mit Bekannten hier ' reingefallen , um sich den geschmacklosen , stumpfsinnigen Ulk anzusehen . Im vorderen Theile des Raumes lag noch Abendhelle , spinnendes , merkwürdig keusches Zwielicht . Hinten in der Nähe des Buffets brannte schon eine trübe , gelangweilte Gasflamme . Sie schien sich ziemlich anachronistisch vorzukommen . An den rohen , mit beleidigender Bestimmtheit aneinandergestellten Tischen saßen ein paar Gäste . Gesprochen wurde nicht viel . Ab und zu klapperte ein Bierseidel . Die Athmosphäre war warm , schweißdunstig , dazu der impertinent scharfe Gestank von schlechten Cigarren . Adam setzte sich an den ersten besten Tisch in der Mitte des Zimmers . Aus dem Hintergrunde , aus der Nachbarschaft des Buffets , kam eine Kellnerin auf ihn zu . » Sie wünschen - ? « fragte sie mürrisch , abstoßend . » Ein Bairisch und ' was zu essen - « » Ein belegtes Brötchen , Frankfurter Würstchen , Aal in Gelèe oder - ? - « » Bringen Sie mir ' n belegtes Brötchen - « » Mit Wurst , Schinken , Käse - ? « » Ach Gott , das ist gleichgültig ... also meinetwegen mit Käse , Schweizerkäse - es ist ja ganz egal - - nur ' n Bissel hurtig , mein Fräulein - - « Die Kellnerin begnügte sich , eine verächtliche Kopfbewegung zu machen und ging ab . Jetzt stellte sie das Bier vor Adam hin und zündete eine zweite Gasflamme an . Adam schräg gegenüber , am Nebentische , saß ein junger Kerl , der darauf zu brennen schien , sich mit dem neuen Ankömmling in ein Gespräch einzulassen . Er war augenscheinlich nicht mehr ganz nüchtern . Seine Hände zitterten , wenn er nach dem Glase griff , er fuhr unruhig auf seinem Stuhle hin und her und tolpatschte unbeholfen an seinem Cigarrenstummel herum , den er schon ganz zerkaut und zerdrückt hatte . » Ick bin Sie man nämlich heute nur in absentia hier ... « lallte er jetzt zu Adam hinüber - » eigentlich bin ick sozusagen von Hause aus , wissen Se , gelernter Klempner , aber Sie müssen doch zugeben , wenn Unsereener mit Bismarcken oben ... na ! wie heeßt nur das Nest ... ja ! in Stralsund Theolojie studirt hat - - « » Greifswald wollen Sie wohl sagen - « bemerkte Adam lächelnd und nahm sein Käsebrötchen in Empfang , das ihm eben die Kellnerin mit brutaler Nachlässigkeit hinschob . » Ein klein Wenig höflicher dürftest Du auch sein , mein Kind - das könnte wahrhaftig nichts schaden - - « Das zur Ordnung gerufene Fräulein warf ihrem Kritiker nur einen finsteren , drohenden Blick zu und setzte sich an den Nebentisch . Sie sagte kein Wort . » Wat meenen Se ? . Greifs ... Greifswald ? Mir solls Recht sin ... hähähä ... ick bin ja heute , müssen Se wissen , nur in absentia hier - und wenn Eener mit Bismarcken Theolojie studirt hat , kann er ooch wohl cen kleenet Wörtchen mitreden in de Weltgeschichte , verstehen Se mich ! ... Habe ich etwa nicht Recht - ? ... « » Na ! und wie haben Sie Recht , mein Bester ! Ich bin nämlich auch bloß in absentia hier - wir sind ja Alle nur in absentia auf der Welt - - « » Na ! Ick habe doch also Recht ! . Sage ick denn det nich - ? . « » Meinetwegen ! Aber jetzt lassen Sie mich gefälligst mit Ihrem Quatsch zufrieden , lieber Mitmensch - ja - ? « Der brave Klempnergeselle war sehr verschüchtert . Er sah Adam groß , erschrocken an , setzte dann ein blödes Verlegenheitslächeln , das ironisch und pfiffig sein sollte , auf seine häßlichen , scharfen Züge , die gelblichgrau und runzlig waren wie rauhe Elephantenhaut , und tastete unsicher nach seinem Glase . » Und ick bin man doch bloß in absentia hier ... det sage ick und dabei bleibe ick - « murmelte er in seinem Kauderwälsch von reinem Schriftdeutsch und Berliner Dialect vor sich hin ... » Bringen Sie mir noch ' n Glas ! « commandirte Adam nach einer Weile , während der er sein frugales Brötchen und den ersten Krug des ziemlich warmen und abgestandenen Bieres bewältigt hatte . Jetzt setzte sich die Kellnerin mit an seinen Tisch . Sie sah ihn mit ihren kalten , dunklen Augen fest an . » Was habe ich Ihnen nur gethan , mein Fräulein - ? « fragte Adam , dem diese energische Musterung unangenehm , unbequem war . Das Mädchen schüttelte ein ganz klein Wenig den Kopf und fixirte Adam ruhig weiter . » Wollen Sie die