bezeichnet , der sein väterliches Erbteil auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege zu verputzen dachte und am Laster des Bücherdruckens » mit geschmackvollen und stilvollen Einbänden « ( nebst Inhalt als Beilage ) litt . Um denselben zu kapern , beschloß also der leidlich schlaue Graf , die Redaktion des » Bunten Allerlei « anzusuchen , deren Chef an der fixen Idee litt , Talente zu entdecken - falls ihm dies nichts kostete und der Autor sich seine Protektion gefallen ließ . Doctor Gotthold Ephraim Wurmb empfing den Grafen mit verbindlicher Höflichkeit , gemäßigt durch eine gewisse steife Zurückhaltung . Er war ein ziemlich behäbig aussehender Herr von untersetzter Statur und duftete stark nach Moschus . Seine geblähten Nasenflügel zeugten für Aufgeblasenheit und versteckte Brutalität . Seine breiten lüsternen Lippen umspielte eine überlegene Ironie , die auf den tieferen Beobachter als recht gezwungen wirkte . Seine blonden Haare sträubten sich über einer breiten Denkerstirn und sein schmaler blonder Ziegenbart versteckte nur halb ein wohlgenährtes Pfaffenkinn . Unter seiner Brille funkelten ein Paar mausgraue Aeuglein listig in die Welt hinein , die unter Umständen tückisch genug schillern konnten . Unendlich durchdrungen von der Wichtigkeit seiner Stellung und dem Gewicht seiner Autorität , empfand er doch mit der echten Unterwürfigkeit des Parvenu-Plebejers einen angenehmen Kitzel , einen Grafen von so berühmtem altem Adel bei sich antichambriren zu sehen . Die Gedichte eines Grafen Krastinik zu veröffentlichen , konnte dem » Bunten Allerlei « in jedem Fall nur als Folie dienen . » Ja , « sagte er , » geschätzter Graf , Ihre Verse haben mir wohlgefallen , gewiß . Ich erkenne in denselben jene wohlthätige Mischung von Idealismus und Realismus , welche ich vertrete . Lesen Sie darüber die trefflichen , vornehm gehaltenden Artikel eines Heinrich Edelmann und Rafael Haubitz , welche ich öfters bringe . « Der Graf erinnerte sich , etwas davon gelesen zu haben . Es ward ihm von alledem so dumm , als ging ihm ein Mühlrad im Kopfe herum . Es kam ihm vor , als ob hier lauter offene Thüren eingerannt und truisms , wie die Engländer selbstverständliche Trivialitäten nennen , mit hochtrabendem Wortschwall vorgekäut würden . Doch lag dies ja vielleicht an seiner laienhaften schwachen Einsicht . Doctor Wurmb fuhr fort : » Die sogenannten Realisten sind meist bloße Rhetoriker . Hüten Sie sich vor diese , vor allem vor Friedrich Leonhart , den ich früher zum Schaden des Blattes protegirte ! Den kennen Sie nicht ? Nun , Sie werden ihn noch kennen lernen in seiner ganzen Größe . Der Schrecklichste der Schrecken ist Leonhart in seinem Großenwahn , - Apropos , kennen Sie meine Ausgewählten Gedichte ? « Krastinik mußte verneinen . » Ah ! Nun , ich gehöre nicht zu denen , die ihre Werke hausiren tragen . In vornehmer Absonderung von dem großen Haufen der Journalisten verschmähe ich jegliches persönliches Hervordrängen . Doch , ich darf es sagen , Herr Graf , meine Gedichte müssen Sie kennen lernen . Hier liegt grade zufällig ein Prospekt , der in 100000 Exemplaren vom Verleger versandt wird ! Hier , lesen Sie ihn ! Sie finden darin Urteile jeder Schattirung ... sogar Leonhart hat darüber geschrieben . « Er drückte dem Fremdling ein gelbes Plakat in die Hand . Die horrende Rechnung von achthundert Mark , die der Verleger ihm grade heute über den Prospekt gesandt , zeigte er freilich nicht . » Eigentlich mißbillige ich auch diese vornehme Art der Reklame , Todfeind jedes Humbugs wie ich bin . Doch , mein Gott , wenn der Verleger durchaus will ! « Krastinik bekräftigte , daß dies gar keine Selbstreklame sei . Im Vergleich dazu erzählte Wurmb einige Schaudergeschichten von dem dreisten Selbstlob eines Leonhart und Consorten . » Ich sage nochmals , hüten Sie sich vor dem , Herr Graf ! Beim dritten Mal , wo Sie mit ihm zusammen sind , gerathen Sie in Zank mit ihm - passen Sie auf ! Also Ihre Gedichte drucke ich alsbald . Es ist zwar eigentlich bei mir Grundsatz , die Autoren , ehe Sie Aufnahme im Bunten Allerlei finden , etwas zappeln zu lassen , « das Letzte begleitete er mit humoristisch seinsollendem Lachen , » damit dieselben energisch dem Ziel entgegenstreben , des Bunten Allerlei und seines erlesenen Mitarbeiter-Kreises würdig zu werden . Es mag Ihnen arrogant scheinen , bester Herr Graf , aber ich versichere Sie , die Leute kommen zu mir mit einer Beharrlichkeit , die mich tief rührt . Keine Ablehnung schreckt sie ab . Man hat eben Vertrauen zu mir , wie denn zwischen mir und meinen Mitarbeitern und dem Publikum ein herzliches Verhältniß besteht . Ich hoffe , mein lieber Herr Graf , « er hatte sich im Verlauf seiner Ansprache ordentlich in einen gnädigen Ton hineingeredet , » daß ich Ihnen die Spalten des Bunten Allerlei offen halten werde . Sie sind nun glücklich Mitarbeiter geworden und es wird nur an Ihnen liegen , ein intimes Verhältniß anzubahnen . Wie gesagt , Ihre Gedichte drucke ich ausnahmsweise sofort . « Daß er dies ausnahmsweise nur deshalb that , weil der Name » Graf Krastinik « ihm imponirte , verschwieg er freilich . Man muß die Leute nicht übermüthig machen . Auch als der Graf sich empfahl , verabschiedeten ihn die hochtönenden Worte : » Es mag Ihnen arrogant erscheinen , aber in meiner Schule hat sich schon mancher ungeschliffene Diamant polirt . Unter mir haben sich Kritiker und Dichter , wie Heinrich Edelmann , Rafael Haubitz und so weiter , entwickelt . Selbst Leonhart schlug unter mir einen besonnenen Ton an . Eine unpartheiliche Central-Leitung schwebt gleichsam über den Ereignissen der Kunst und Litteratur in der Redaction des Bunten Allerlei . Dies schien ein dringendes Bedürfniß in unserer Zeit des Selbstlobs , der Reklame , des eiteln Größenwahns . Ja , es mag Ihnen arrogant erscheinen , mein bester Herr Graf , allein ich bin der geborene Redacteur ! ! Mit bescheidenem Stolze darf ich mir