. Sie versperrte die Kellertüre . Nach wenigen Schritten blieb der Alte stehen , er sah nach der Bäuerin zurück und murrte : » Hum ? « » Was denn ? « » Wer schütt d ' Grubn zu ? « » Ich verricht ' s schon . « » Du ? « » Kannst dich verlassen . « » Sagst auch neamd was ? « » Neamad . « » Auch ' m Toni nit ? « » Auch ' m Toni nit . ' s braucht keins drum z ' wissen . « Noch einmal hob der Alte den Kopf , sie großäugig anblickend , dann kehrte er sich ab und ging . Grabscheit und Haue unter seinem zitternden Arme schlugen klirrend gegeneinander , als er über den Hof schritt , und eilig flüchteten vor ihm die Hofhunde » Tiger « und dessen Kamerade » Türkl « an das andere Ende des Gehöftes . - - Da die Bäuerin dem alten Sternsteinhofer ihre Überlegenheit hatte fühlen lassen und dieser eine zu tiefe Demütigung empfand , die nichts Geplantes , sondern nur ein günstiger Zufall wettmachen konnte , so legten die beiden einander vorläufig nichts weiter in den Weg , und es trat eine Waffenruhe zwischen ihnen ein ; daß sie aber - und wie bald - vollen Frieden schließen würden , das hatten sie nicht gedacht . XXIII Bisher hatte es dem jungen Sternsteinhofer Spaß gemacht , zu den jährlichen Waffenübungen einzurücken , es war das doch für paar Wochen ein » anderes « , man kam aus allem Gewohnten heraus ; es gaudierte ihn , mit dem Gelde herumzuwerfen und sich von den armen Teufeln anstaunen zu lassen , die mit ihm in Reih und Glied standen , und sie außer demselben trunken zu machen und zu allerlei Unfug aufzustiften , den sie hinterher oft schwer genug zu verbüßen hatten , während man bei ihm , wo es irgend anging , ein Auge zudrückte oder ihn wenigstens so glimpflich als möglich durchwischen ließ . Es konnte ihm gar nicht fehlen , daß er nächstens zu den Unteroffizieren aufrückte , denn diese gönnten schon lange den Gemeinen seine Kameradschaft nimmer , die für lustige Brüder und durstige Kehlen so vielverheißend war , und sie rapportierten über ihn als den besten Mann , der je unter ihnen im » Zuge « gestanden . Freilich konnte ihm diese bevorstehende Kameradschaft ein gutes Stück Geld mehr kosten wie die bescheidene frühere , aber er hatte es ja . Toll und liederlich trieb er es jedes Jahr diese Zeit über , die er seinen Fasching nannte , und hegte nicht den leisesten Wunsch nach einer Änderung in dieser Hinsicht , und es waren wohl wenige im Lande , welche mit gleicher Befriedigung wie er die Einberufungsbollette empfingen , vielleicht nur einige Allerärmste , die sich im Übungslager besser verpflegt wußten wie daheim . Nun kam ihm aber , ausnahmsweiser Zeit , eine Ordre ins Haus , die ihn zu seinem Regimente abberief , und da geschah es doch , daß er sie mit allen » Himmelherrgottssakkermenten « und » Heiligkreuzdonnerwettern « empfing , denn es verlautete allerwärts und die Zeitungsblätter erzählten davon , daß irgendwo da unten im Reich halbwilde Leut sich gegen den Kaiser aufgelehnt hätten und nun die Soldaten dorthin müßten , sich mit denen herumzuschlagen . Himmelherrgottssakkerment ! Kämen Feind von fremd her über d ' Grenz , so wollt er ihnen wohl ' n Weg weisen und heimleuchten helfen , der Sternsteinhofer Toni ; aber kriegshalber extra ausm Land laufen , wo außerhalb mer nix z ' suchen hat und nix z ' finden is , das hatte für ihn keinen Sinn . Solln hraufkommen , die notigen Kerle , wenn sie was wollen , möcht mer bald mit ihnen fertig sein ! Aber ihnen ' n Karst hnauf nachjagen , den Schuften , die d ' Wehrlosen verstümmeln und verschänden sollen ... Heiligkreuzdonnerwetter ! Doch es war nichts zu tun als zu gehorsamen , und so fuhr denn der Toni , als es an der Zeit war , vom Sternsteinhofe weg . Helene , welche ihn bis nach der Kreisstadt begleiten wollte , saß mit den beiden Kindern im Wagen , und er hatte auf dem Kutschbocke neben dem Knechte Platz genommen und lenkte , um sich unnütze Gedanken fernzuhalten , die Pferde . Es war ein trüber Tag , unter grauen Regenwolken trieben wallende Nebel an den Bergeshöhen dahin . Als der Wagen über das Pflaster der Stadt rasselte , fleckte dieses schon von den ersten fallenden Tropfen , und als er das Bahnhofgebäude erreichte , strömte es in stoßweisen Güssen vom Himmel nieder . Der Bauer warf dem Knechte Peitsche und Leitriemen zu . » Bhüt dich Gott , Heiner « , sagte er . » Bhüt Gott , Bauer ! Schau dazu , daß d ' uns fein wiederkimmst ! « » Sorg nit « , rief Toni noch zurück , als er mit Weib und Kindern , denen er aus dem Wagen geholfen , unter dem Tore verschwand . In der Halle reichte ihm die Bäuerin erst den Knaben , dann das Dirnlein zum Kusse hinauf , nun hing sie selbst an seinem Halse . Er hatte die Kleinen rasch wieder weg und auf ihre Füßchen gestellt , jetzt machte er sich aus der Umarmung Helenens frei . » Laßt ' s gut sein , mach dir nit unnötig ' s Herz schwer , du weißt , ich mag solche Gschichten nit leiden . « Er drückte ihr die Hand und ging , um in den Wagen zu steigen . Als sich der Zug in Bewegung setzte , winkte er noch einmal flüchtig mit der Hand aus dem Fenster , dann trat er von selbem zurück - und war fort ! Die Bäuerin erinnerte sich später oft an diesen Augenblick . Alles Fauchen der Maschine , alles Kettengeklirre und Rädergerassel erstarb in dem Gebrause der stürzenden Wasser , die wie ein wehender Vorhang