selbst als Schauspieler Lohn erhielt . Er hatte ja nun so viel , so schrecklich viel Geld - auch der Mutter konnte er etwas davon zurücklassen . Ja , nach Lemberg - das heißt natürlich nur , wenn nicht etwa Nadler inzwischen von sich hören ließ und ihn anderswohin berief . Denn ihm wollte er treu bleiben und auch redlich mit ihm teilen , wenn der edle Mann noch immer in Not war . » Wo nur der Marschallik bleibt ? « meinte die Mutter . » Jetzt « , fuhr sie lachend fort , » wird er mir wohl auch andere Partien für dich wissen , als ältliche Witwen und bucklige Mädchen . Und nicht wahr , wenn sich was Rechtes findet , du wirst nicht Nein sagen ? « Sender drückte stumm ihre Hand . Bejahen konnte er die Frage nicht und verneinen mochte er sie nicht . Sollte er ihr diese Stunde der Freude trüben , die erste seit langer , langer Zeit , die ihr wieder gegönnt war ? » Und was denkst du nun zu ergreifen ? « fragte sie . » Ich mein ' , du bleibst vorläufig bei Dovidl , bis sich was Passendes für dich findet . Aber ich will dir nicht zureden ; ein wohlhabender junger Mann kann auch eine Weile so zusehen ... « » Ich bleibe bei ihm « , sagte Sender . Es war ihm gleichgültig , wo er die wenigen Monate bis zum Oktober verbrachte , wenn ihm dabei nur Zeit für seine Studien blieb . Am Abend kamen der Marschallik und der Kutscher Simche mit ihren Familien zum Glückwunsch , und Frau Rosel bewirtete sie festlich . Sie hatte eine halbe Gans besorgt und sogar die ganze Leber dazu , eine Riesenschüssel geschmalzter Kartoffeln , dazu als Dessert die höchste Delikatesse : » Grieben « , im eigenen Fett geröstete , klein gehackte Gänsehaut . Dann Weißbrot , und als Getränk Met . Aber nur die Gäste waren laut und fröhlich , Frau Rosel saß still da ; die Freude war ihr so ungewohnt ! Auch auf ihre gesellschaftlichen Pflichten als Wirtin verstand sie sich schlecht . Sie bat wohl zuweilen : » Langet doch zu , es reicht ja für alle ! « oder fragte : » Nicht noch ein Gläsele ? « Aber sie unterließ das » Nötigen « , wie es die Sitte gebot . Die Wirtin darf sich weder um das Nein , noch um eine abwehrende Bewegung des Gastes kümmern , sondern hat ihm mit sanftem Zwang , oder wo es nicht anders geht , mit Gewalt noch einen Brocken auf den Teller zu bringen und selbst sein Glas zu füllen , auch wenn sie es ihm zu diesem Zwecke in längerem Ringen mühsam entwinden muß . Aber das verübelten ihr die Gäste nicht , es war ja das erste Fest , seit sie dies Haus bewohnte , und so erfüllten ihre Freundinnen , Frau Chane Türkischgelb und Frau Surke Turteltaub , abwechselnd statt ihrer diese Pflichten der Hausfrau , und zwar ganz gründlich . Sogar Frau Rosel wurde von ihnen » genötigt « , und das war gut , sie hätte sonst keinen Bissen gegessen , und überflüssig war es auch bei Sender nicht . Er , der bei Festen anderer so laut war , saß stumm da , und selbst die besten Witze seines alten Freundes entlockten ihm kaum ein Lächeln . Natürlich ließ es der Marschallik auch an Trinksprüchen nicht fehlen , und zwar selbstverständlich in Knüttelversen , wie es die Sitte seines Handwerks gebot . Der erste auf Frau Rosel weckte Rührung und Heiterkeit , der andere wahre Lachstürme , denn er galt dem eigentlichen Schöpfer dieses Glücks , Jossele Alpenroth . Nun war es an Sender , auf die Gäste zu trinken . Aber er schwieg . Er , der sonst noch kühnere Reime fand , als der Marschallik ! Da geschah ihm nur recht , wenn nun Frau Chane das Wort ergriff und die Gründe aufzählte , aus denen Sender keinen Trinkspruch verdiene . Und da nun einmal heute » die verkehrte Welt « war , so hielt auch Frau Surke einen Spruch aus gleicher Tonart ... » Ihr , Mädele , beschämt ihr ihn ! « rief sie ihrer Tochter Lea und Jütte zu . Lea kicherte verlegen , aber Jütte blitzte den Geneckten aus ihren braunen Augen munter an und rief , das Messer ans Glas legend und über das ganze runde Gesicht erglühend , zu ihm hinüber : » Ihr oder ich - entscheidet Euch ! « Da erhob er sich und sprach : » Ihr lieben Leut ' , wär ' mir das Herz minder voll und ihr nicht unsere besten Freund ' , wie viel wollt ' ich reden . So aber sag ' ich nur : Ich dank ' euch ! Und wie es auch kommen mag , erhaltet mir eure Freundschaft . « Das war alles . » Wie es auch kommen mag ? « rief der Marschallik . » Und wenn du noch tausend Gulden gewinnst , ich bleib ' dein Freund ! « Auch das Necken der anderen ging jetzt erst recht los . Nur Jütte schwieg . Es war ihr selbst rätselhaft , woher sie es wußte - vielleicht hatte sie es in seinen feuchten Augen gelesen - aber sie wußte es : » Dieser Mensch hat etwas vor , woran sein ganzes Herz hängt , etwas Großes , Schweres ! Und weil er ein guter Mensch ist , so wird es wohl etwas Gutes sein . Möge es ihm gelingen ! « Aber auch ihm wurde eigen zu Mut , als er ihrem warmen , teilnahmsvollen Blick begegnete . Er streckte ihr sein Glas entgegen und ließ es an das ihre anklingen . » Ich dank ' euch « , sagte er leise . Wofür ? - er hätte es selbst nicht zu sagen gewußt . Einundzwanzigstes Kapitel In den nächsten Tagen lernte Sender