mit Gisa zu flüchten , starrte er entsetzt auf die Stätte , wo sein Haus gestanden : der Termin war abgelaufen , und die Drohung erfüllt : sein Haus zerstört , sein Weib , sein Kind verschwunden . Rasend stürmte er durch ganz Italien , uns zu suchen . Endlich entdeckte er , als Priester verkleidet , seine Gisa in einem Kloster zu Ticinum : ihren Knaben hatte man ihr entrissen und nach Rom geschleppt . Mein Vater bereitet mit ihr alles zur Flucht : sie entkommen um Mitternacht über die Mauern des Klostergartens . Aber am Morgen fehlt die Büßerin bei der Hora : man vermißt sie , ihre Zelle ist leer . Die Klosterknechte folgen den Spuren des Rosses , - sie werden eingeholt : grimmig fechtend fällt mein Vater : meine Mutter wird in ihre Zelle zurückgebracht . Und so furchtbar drücken die Macht des Schmerzes und die Zucht des Klosters auf die zermürbte Seele , daß sie in Wahnsinn fällt und stirbt . Das sind meine Eltern ! « » Und du ? « » Mich entdeckte in Rom der alte Hildebrand , ein Waffenfreund meines Großvaters und Vaters : - er entriß mich , mit des Königs Beistand , den Priestern und ließ mich mit seinen eigenen Enkeln in Regium erziehen . « » Und dein Gut , dein Erbe ? « » Verfiel der Kirche , die es , halb geschenkt , an Theodahad überließ : er war meines Vaters Nachbar , er ist jetzt mein König ! « » Mein armer Freund ! Aber wie erging es dir später ? Man weiß nur dunkles Gerede - du warst einmal in Griechenland gefangen ... - « Teja stand auf . » Davon laß mich schweigen ; vielleicht ein andermal . Ich war Tor genug , auch einmal an Glück zu glauben und an eines liebenden Gottes Güte . Ich hab ' es schwer gebüßt . Ich will ' s nie wieder tun . Leb wohl , Witichis , und schilt nicht auf Teja , wenn er nicht ist wie andre . « Er drückte ihm die Hand und war rasch im dunkeln Laubgang verschwunden . Witichis sah lange schweigend vor sich hin . Dann blickte er gen Himmel , in den hellen Sternen eine Widerlegung der finstern Gedanken zu finden , die des Freundes Worte in ihm geweckt . Er sehnte sich nach ihrem Licht voll Frieden und Klarheit . Aber während des Gesprächs war Nebelgewölk rasch aus den Lagunen aufgestiegen und hatte den Himmel überzogen : es war finster ringsum . Mit einem Seufzer stand Witichis auf und suchte in ernstem Sinnen sein einsames Lager . Drittes Kapitel . Während unten in den Hallen des Palatiums Italier und Goten tafelten und zechten , ahnten sie nicht , daß über ihren Häuptern in dem Gemach des Königs eine Verhandlung gepflogen ward , die über ihr und ihres Reiches Schicksale entscheiden sollte . Unbeobachtet war dem König alsbald der Gesandte von Byzanz nachgefolgt und lange und geheim sprachen und schrieben die beiden miteinander . Endlich schienen sie handelseinig geworden und Petros wollte anheben , nochmal vorzulegen , was sie gemeinsam beschlossen und aufgezeichnet . Aber der König unterbrach ihn . » Halt , « flüsterte der kleine Mann , der in seinem weiten Purpurmantel verloren zu gehen drohte , » halt - noch eins ! « Und er hob sich aus dem schön geschweiften Sitz , schlich durch das Gemach und hob den Vorhang , ob niemand lausche . Dann kehrte er beruhigt zurück und faßte den Byzantiner leise am Gewand . Das Licht der Bronzeampel spielte im Winde flackernd auf den gelben vertrockneten Wangen des häßlichen Mannes , der die kleinen Augen zusammenkniff : » Noch dies . Wenn jene heilsamen Veränderungen eintreten sollen - auf daß sie eintreten können , wird es gut sein , ja notwendig , einige der trotzigsten meiner Barbaren unschädlich zu machen . « - » Daran hab ' ich bereits gedacht , « nickte Petros . » Da ist der alte halbheidnische Waffenmeister , der grobe Hildebad , der nüchterne Witichis . « - » Du kennst deine Leute gut , « grinste Theodahad , » du hast dich tüchtig umgesehen . Aber , « raunte er ihm ins Ohr , » einer , den du nicht genannt hast , einer vor allen muß fort . « » Der ist ? « » Graf Teja , des Tagila Sohn . « » Ist der melancholische Träumer so gefährlich ? « » Der gefährlichste von allen ! Und mein persönlicher Feind ! schon von seinem Vater her . « » Wie kam das ? « » Er war mein Nachbar bei Florentia . Ich mußte seine Äcker haben - umsonst drang ich in ihn . Ha , « lächelte er pfiffig , » zuletzt wurden sie doch mein . Die heilige Kirche trennte seine verbrecherische Ehe , nahm ihm sein Gut dabei und ließ mir ' s - billig - ab . Ich hatte einiges Verdienst um die Kirche in dem Prozeß - dein Freund , der Bischof von Florentia kann dir ' s genau erzählen . « » Ich verstehe , « sagte Petros , » was gab der Barbar seine Äcker nicht in Güte ! Weiß Teja - ? « » Nichts weiß er . Aber er haßt mich schon deshalb , weil ich sein Erbgut - kaufte . Er wirft mir finstere Blicke zu . Und dieser schwarze Träumer ist der Mann , seinen Feind zu den Füßen Gottes zu erwürgen . « » So ? « sagte Petros , plötzlich sehr nachdenklich . » Nun , genug von ihm : er soll nicht schaden . Laß dir jetzt nochmal den ganzen Vertrag Punkt für Punkt vorlesen ; dann unterzeichne . Erstens . König Theodahad verzichtet auf die Herrschaft über Italien und die zugehörigen Inseln und Provinzen des Gotenreichs : nämlich Dalmatien , Liburnien , Istrien , das zweite Pannonien , Savien , Noricum , Rätien