passiert ist . Wir haben von nichts anderem gesprochen als von Krodebeck und dem Lauenhofe , von der Mutter , von dem Fräulein Adelaide , von der alten Hanne Allmann , der alten Jane Warwolf und Ihnen , Herr Ritter . Sie hat auch Ihre und des Fräuleins Briefe gelesen und läßt sich allen empfehlen , aber schriftlich kann man das nicht ausdrücken , wie ! - Wir haben zusammen zu Mittag gegessen , und das allein schon konnte einem den Wagen umwerfen , wenn man das Vergangene und das Gegenwärtige zusammenhielt . Der Edle Dietrich Häußler scheint in der Tat hierzulande ein großes Tier zu sein ; aber das Kind ist krank - sehr krank , Herr von Glaubigern , und ich schämte mich fast , so dick und fett ihr da gegenüberzusitzen und die ganzen letzten Jahre hindurch so vergnügt gewesen zu sein und so wenig an sie gedacht zu haben . Sie hat Bediente und Kammerjungfern , allein man braucht sie nur anzusehen , um zu wissen , wie heillos sie jedesmal gelogen hat , wenn sie uns schrieb , daß es ihr gut gehe . Ja , während es uns freilich besser ging , als wir verdienten - den Tod der Mutter abgerechnet - , verkümmerte sie hier oder wurde auf das niederträchtigste mit Kunst fast zu Tode gequält . Davon will sie zwar nichts hören ; aber ich bleibe in Wien , bis ich mir alles ins klare gebracht habe , und hoffe , daß ich damit auch Ihre und des gnädigen Fräuleins Meinung treffe , Herr Leutnant . Herr von Glaubigern , mit dem gnädigen Fräulein ist das eine eigene Sache , und wir haben ihm allesamt vieles abzubitten , was ich mit einem höflichen Kompliment auszurichten bitte . Das sage ich ganz offen , ich für mein Teil habe früher kein größeres Vergnügen gekannt , als wenn sich plötzlich beim schönsten Wetter das Gnädige mit seinem Taschentuch in den Winkel setzte und den König Ludwig den Sechzehnten und die Eroberung Konstantinopels durch die Türken bejammerte und für vierzehn Tage seine Gesellschaft in diesem irdischen Jammertal für jedermann unmöglich machte . Damals war mir bärenmäßig wohl , aber heute fühle ich zum erstenmal den Klotz am Bein und tue dem Fräulein Adelaide Abbitte und Ihnen auch , Herr Leutnant . Und dazu muß man nach Wien gekommen sein , um solche Erfahrungen zu machen ! Das alles muß einem hier in Wien klarwerden , hier , allwo jeder , der Ihnen begegnet , vor Behagen kaum Platz in seiner Haut zu haben scheint ! Ich war in einer netten Stimmung , heute abend auf dem Heimwege ; - Fräulein Adelaide in ihren elendesten Momenten war das reine Himmelblau gegen mich ! O ich hätte sie alle mit den Nasen gegen die Laternenpfähle stoßen können , wenn sie nicht zu freundlich und vertraulich Platz gemacht hätten ! Und die Frauenzimmer gar ! Die tanzten alle , und ich glaube , unsere Tonie ist die einzige , die mitten unter ihnen allein sitzt und weint . Nur ein Blinder , welchem die Augen in dem Augenblick aufgehen , in welchem die Sonne untergeht , kann wissen , wie mir in dieser Stunde zumute ist . Ja , Herr Leutnant , auch Sie hatten recht , wenn auch auf eine andere Art als das gnädige Fräulein . Aber wir andern in Krodebeck waren alle zu dumm , um Sie zu begreifen , weshalb wir uns natürlich um soviel weiser und klüger dünkten als Sie . Jetzt erst reime ich mir allmählich zusammen , was Sie eigentlich meinten , wenn Sie Ihre unverständlichen Reden hielten , wie zum Beispiel , wenn Sie sagten , der Tag sei nicht so hell , als man denke , und das Licht liege nur in dem Vergangenen und der Sehnsucht darnach , die Zukunft aber bringe auch nur , was der Tag heute sei , oder noch etwas Schlimmeres und so weiter . Daß dieses so ist , habe ich nun gemerkt . Wir haben heute von nichts als der guten alten Zeit sprechen können . Was frage ich noch nach den Kamelen und dem Vesuv ? Schon daß der Edle von Haußenbleib in dem Italien sein Glück gemacht hat , könnte mir die sämtlichen Pomeranzenländer in alle Ewigkeit verleiden ; aber hoffentlich hängen ihn die Garibaldiner demnächst einmal an den Beinen auf , und nachher werde ich mir den Baum mit Vergnügen besehen und auch alles übrige Sehenswürdige mit Gemütlichkeit nachholen . Grüßen Sie den Fröschler , Herr Leutnant , und bitten Sie ihn , in der Ernte die Eichsfelder scharf unterm Zügel zu halten . Nur durch die menschenmöglichste Grobheit kann man mit denen in Güte auskommen , wenn sie gleich nicht so schlimm sind , als die römischen Eichsfelder , welche die Maler so gern in den Kunstausstellungen aufhängen , aussehen . Aber auf den Fröschler gerate ich nur , weil die Tonie und ich von nichts anderm als dem Lauenhof gesprochen haben und er jetzt doch auch zum Lauenhofe gehört . Wir haben hier freilich mit ganz anderm Volk zu schaffen als den Ernteleuten vom Eichsfelde . Sehr viele Herrschaften - Herren und Damen mit prachtvollen Titeln und noch prachtvollern deutschen , polnischen und italienischen Namen haben nach mir gleichfalls ihre Visitenkarten hereingeschickt und anfragen lassen , ob das gnädige Fräulein zu sprechen sei . Wir haben sie diesmal jedoch sämtlich abgewiesen , da wir den Tag für uns allein brauchten . Ich hoffe , einige dieser Herrschaften genauer kennenzulernen , und werde sodann dem Lauenhof mehr darüber melden . Ach , ich glaube , ich erfahre dadurch Schlimmeres , als wenn ich den Ärzten der Tonie einen Besuch machte . Der Edle von Haußenbleib hat sicherlich einen höchst sauberen Bekanntenkreis . Der Teufel hole ihn , nämlich den Edlen ! Ich sah ganz genau , wie das Kind bei einigen jener Namen den Kopf zurückwarf oder die Lippen zusammenbiß . Und der Bediente sah es nach jeder