diesem Traum gekommen war . Am Abend vorher hatte ich Oswald im Schmerz von mir Abschied nehmen sehen ; an diesem Tage sollte ich meiner Mutter nach langer , langer Zeit zum ersten Male gegenübertreten . Mein Vater hatte diese Zusammenkunft vermittelt ; er wünschte , mich auf einer Gesellschaft zu haben , die man zu geben beabsichtigte - ich mochte dem guten Vater diese Bitte nicht abschlagen . Ich ging am Morgen zur Visitenzeit hin . Das Wiedersehen war weniger peinlich , als ich erwartet hatte . Es war glücklicherweise viel Besuch da - Clotens , Barnewitzens etc. , auch ein Officier - ein Fürst Waldernberg - ein außerordentlich stattlicher , stolzer , wenn auch nicht schöner Mann . Er ließ sich mir natürlich vorstellen und bat mich um den ersten Walzer . Bald darauf brach der Besuch auf , ich mit . Emilie von Cloten - ich habe Dir schon von ihr geschrieben - gratulirte mir , während sie mich in ihrer Equipage nach der Pension zurückfuhr , zu meiner » Eroberung . « Ich erwiderte ihr , daß ich für Eroberungen , die so leicht zu machen wären , danke . Das ist Geschmacksache , antwortete Emilie lachend . Ich für mein Theil finde , daß , was man nicht im Fluge erobert , nicht des Eroberns werth ist . Bei mir heißt es immer : l ' amour ou la vie . Freilich ich bin eine Schwalbe und lebe von Mücken . Königsadler , wie Du , müssen , eine stolze Beute haben , die sich auch nöthigenfalls zur Wehr setzen kann . Mir ist diese fürstliche Beute , offen gestanden , zu stolz . Aber für Dich - c ' est autre chose . Gleich und gleich gesellt sich gern . Die leichtfertigen Worte der Schwätzerin hatten meine Neugier rege gemacht ; ich nahm mir vor , während der Gesellschaft den Fürsten etwas genauer zu beobachten . In der Stimmung , in der ich war , kam es mir gelegen , meinen Stolz an dem Stolz eines Andern zu messen . Hatte ich mir doch zugeschworen , nie wieder einem weicheren Gefühl Eingang in mein Herz zu verstatten ; und da war es mir eine Art von Beruhigung , daß es noch andere Menschen gäbe , die ebenso dächten , wie ich . Meine Mutter empfing mich am Abend des folgenden Tages mit einer Güte - die ich zum mindesten nicht um sie verdient hatte . Es war offenbar ihre Absicht , mir zu zeigen , daß sie es auf eine wirkliche Versöhnung abgesehen habe . Sie küßte mich auf die Stirn , nahm mich bei der Hand und führte mich zu den Damen , die mich ebenfalls mit Zuvorkommenheiten überhäuften . Es schien , als ob das ganze Fest nur meinethalben gefeiert würde ; als ob sich Alles nur um mich drehte . Wo ich saß und stand , hatte ich einen Kreis von Herren und Damen um mich , wie eine Königin . Es war das erste Mal , seit ich von Grenwitz fort bin , daß ich mich wiederum unter Meinesgleichen in stattlich schönen Zimmern bewegen konnte . Ich fühlte , deutlicher , als ich es je gefühlt , daß dies die Umgebung sei , in der ich einzig frei auftreten , daß dies die Luft , in der ich einzig frei athmen könne , daß ich , mit einem Worte , zum Herrschen und nicht zum Dienen geboren sei . Es erschien mir auf einmal als eine keineswegs schwere Aufgabe , den Schwur zu halten , den ich in der Nacht mit glühenden Thränen in meine Seele gebrannt hatte ; ich lächelte über - die Phantasien des Mädchens in der Pension ! und lächelnd nahm ich die Huldigungen entgegen , die man mir verschwenderisch zu Füßen legte . Unter diesen Huldigenden befand sich auch Fürst Waldernberg . Ich brauchte mich nicht näher nach seinen Verhältnissen zu erkundigen . Alle Welt beeilte sich , mir darüber Auskunft zu geben . Es ist ein geborener Russe und unermeßlich reich . Die Güter seiner Mutter , einer Fürstin Letbus , liegen in allen Theilen Rußlands ; Fürst von Waldernberg ist er ebenfalls durch seine Mutter , die aus diesem Hause stammt . Seit er zur Succession kam , ist er aus russischem in unsere Dienste getreten . Sein Vater ist ein Graf Malikowsky . Die Eltern leben noch beide , er ist das einzige Kind . Du siehst , liebe Mary , hier tritt zum ersten Male in meinen Briefen ein wirklicher Grande auf , der Euren stolzen Herzögen und Marquis ebenbürtig ist ; und ich dachte an Dich , während die schwarzen Augen des Fürsten , mochte er noch so fern von mir stehen , beständig zu mir herüberblitzten , ob ich in Deinen Augen , wärest Du zugegen , wohl ein aufmunterndes Lächeln sehen und darin lesen würde : Er ist Deiner werth ! Ich hoffte es , denn das Aussehen und die Haltung des Fürsten ist so vornehm , wie sein Rang . Ich bemerkte mit einiger Beschämung , wie traurig sich unsere jungen Herren neben ihm ausnahmen und wie sie sich alle vergeblich bemühten , seine Art zu gehen und sich zu tragen , nachzuäffen . Er unterhielt sich mehremals angelegentlich mit mir . Eine seiner Aeußerungen ist mir im Gedächtniß geblieben , weil sie mir aus der Seele gesprochen war . Ich fragte ihn , weshalb er , der Tausende und aber Tausende von Leibeigenen habe , in der Armee diene , wie unsere jungen Adeligen , die nichts auf der Welt besäßen , als ihren Degen ? Weil , antwortete er , ich zu stolz bin , da herrschen zu wollen , wo ich es nicht im strengsten Sinne des Wortes kann . - Wie das , Durchlaucht ? - Ich bin nicht Souverain . Meine Ahnen waren es ; ich muß jetzt büßen für die Schwäche meiner Ahnen . - Würden Sie nicht die Oberhoheit aufgegeben haben